Dein Beruf - in vier Leitsätzen
Von Roderich Stintzing

Wie stellst du es an, dein berufliches Leben glücklich zu meistern? Die Arbeitswelt gleicht einem großstädtischen Labyrinth; mit unzähligen Berufsstraßen, -gassen und -plätzen. Frage dich selbst und finde heraus - über Gespräche mit deinen Eltern, Freunden, Lehrern und Beratern, durch Praktika und durch den vorbereiteten Besuch von Berufsmessen, durch das Sammeln von Informationen aus dem Internet und aus Büchern -, welche Berufe zu dir passen.

 

I. Ziele setzen

Setze dir Ziele. Was willst du erreichen? Welche guten Ideen und Fähigkeiten hast du? Wer, wenn nicht du, sollte dein Können zum Ausdruck bringen? Aktiviere all deine positiven Energien für dich und die Gesellschaft. Verliere dich dabei nicht.

Durch dein Berufsziel wird deine Entwicklung in eine bestimmte Richtung geführt. Die erste Berufswahl wird vermutlich nicht deine letzte sein. Berufsorientierung und Bildung sind lebenslange Aufgaben, die du immer wieder überprüfen und ggf. verändern kannst.

Erlerne und übe dafür die Kunst des wohlüberlegten Entscheidens. Die Grundformel lautet: zuhören – unterscheiden – entscheiden.

  • Zuhören: Unaufhörlich prasseln Informationen auf uns nieder. Du triffst auf harte Fakten. Direkt daneben liegen Stolperfallen aus verstümmelten Nachrichten. Verzerrte Mitteilungen. Reale und retuschierte Bilder. Infolge der Digitaltechnik verschwimmen die Übergänge zwischen Wahrheit und Dichtung immer mehr. Eigne dir ein Gespür dafür an, das Dargebotene – ob schwarz-weiß oder bunt schillernd – angemessen wahrzunehmen.
  • Unterscheiden: Das Gehörte, Gesehene und Gespürte soll gewichtet und sortiert werden. Orientiere dich bei der Unterscheidung an deinen aktuellen Zielen und Interessen. Lass dich nicht von nebensächlichen Kriterien ablenken und verwirren.
  • Entscheiden: Nimm dir für deine Entschlüsse Zeit. Wenn du dir dann deiner Analyse sicher bist, entscheide schnell. Nutze günstige Gelegenheiten.

Was empfiehlt dir dein Herz, was dein Kopf? Höre in dich hinein und vertraue auf dein Bauchgefühl. Dies ist oft dem bloßen Verstand und dem reinen Herzen überlegen.

Auf deiner Laufbahn liegen viele Weggabeln und Kreuzungen. Jede einzelne fordert zu neuen Fragen und Entschlüssen heraus. Sollst du diese oder jene Route einschlagen?

Manchmal spürst du: Die Richtung stimmt (noch) nicht. Denn erst bei näherem Hinsehen konntest du Mängel entdecken. Dann justierst oder änderst du die eingeschlagene Bahn. Jede erfolgreiche Person erlebt, besonders wenn sie unbekannte Wege wählt, Momente der Selbstkorrektur oder gar des Neuanfangs. Pioniere und Erfinder beißen sich – ihr tägliches Brot – durch einen Versuch nach dem anderen. Sie berichtigen ihr Vorgehen oder brechen es ab. Sie stürzen zu Boden und stehen wieder auf. Scheitern will niemand. Die Erfahrung des Scheiterns hilft jedoch. Sie macht uns schlauer.

 

II. Passgenaue, also sehr gute Leistungen sind gefragt.

Welches Ziel du auch anstrebst: Strenge dich an!

Bearbeite deine Aufgaben mit Akribie. Deine Leistung soll deine Nächsten überzeugen, sehr zufriedenstellen – ja, begeistern. Denn im beruflichen Leben dreht sich alles immer wieder um eines: um eine bestimmte Leistung – sei es ein Erzeugnis, ein Dienst am Menschen oder eine wissenschaftliche Studie. Höre genau hin, was gewollt wird. Ziehe die richtigen Schlüsse.

  • Feile und poliere deine Werke. Du wirst durch Erfolg und Glücksgefühle belohnt.
  • Durch Sorgfalt erledigst du deine Aufgaben ein ums andere Mal schneller. Du verschaffst dir Spiel für weitere schöne Erlebnisse.

Passgenau bedeutet natürlich nicht, dass du dich jedem Wunsch anpassen sollst. Bleibe dir und deinen Überzeugungen und den guten Werten der Gesellschaft treu.

 

III. Ein guter Ruf ist wichtig.

Von dem genau produzierten Werkstück geht eine hohe Anziehungskraft aus; allerdings, für sich genommen, nur von geringer Reichweite. Der Erfolg verlangt auch nach Größe. Diese strahlt weit aus.

Die Menschen bewundern die Präzision und Funktionalität deiner Produkte. Diese Qualitäten allein genügen ihnen jedoch nicht. Die Menschen verlangen mehr. Sie fliegen auf einen guten Ruf, auf schönes Aussehen - unterlegt zum Beispiel durch den großen Namen oder die gute Adresse.

Diese Tendenz begegnet uns überall. Angefangen bei alltäglichen Erlebnissen. Etwa in der Markthalle beim Einkauf von Obst: Frischgrün oder goldrot sollen Äpfel, die du erwerben willst, dir ins Auge springen - und am besten obendrein etwas glänzen.

 

IV. Tritt mit Respekt und Sympathie auf.

Vielleicht bist du dir unsicher, wie »groß« du deine Leistungen herausstellen sollst. Wenn du danach strebst, sympathisch aufzutreten, bleibst du immer auf dem Boden.

  • Gehe mit dir und allen Menschen, denen du begegnest, respektvoll um. Erhebe dich nicht hochmütig über Schwächere. Hilf, wo es nötig ist.

Personen, mit denen du auf sympathische Art verkehrst, halten sich gern in deiner Nähe auf. Sie freuen sich auf das Gespräch mit dir. Sie reden freundlich über dich.

Setze dich für gesellschaftliche Belange ein. Der Weltgemeinschaft und deinem Staat verdankst du zum erheblichen Teil deine Existenz und dein Auskommen. Trage dazu bei, dass sich die Gesamtheit nachhaltig frei und kultiviert fortentwickeln kann.

  • Der Faktor Sympathie wirkt wie ein Korrektiv: Der Mensch, der auf sympathische Art nach Selbstständigkeit strebt, vermeidet übertriebenen Egoismus. Der große Auftritt, der sympathisch daherkommt, wirkt niemals protzig und selbstherrlich.