Faszination Fortnite – Mehrwert auch für Unternehmen?
Studierende untersuchten, ob sich die Anziehungskraft des Spieles auch für die Motivation von Mitarbeitern nutzen lässt

Studierende des Masterstudiengangs „Wirtschaftspsychologie“ der Fachhochschule Westküste in Heide (Schleswig-Holstein) untersuchten im Rahmen eines Forschungsprojektes, welche Faktoren für die Faszination des bekannten Computerspiels „Fortnite“ verantwortlich sind. Geprüft werden sollte, inwiefern sich die Anziehungskraft des Spieles auch für die Motivation von Mitarbeiter*innen in Unternehmen nutzen lassen könnte.

Die Untersuchung der Studierenden zeigte, dass Fortnite es verlässlich schafft, Glücksgefühle bei den Spielenden auszulösen. Vorkenntnisse sind kaum erforderlich; man kann sofort ins Spiel einsteigen und gerät bald schon in einen "Flow". Gemeint ist ein Spielmodus, der nicht über- aber auch nicht unterfordert und durch immer neue Aufgaben fesselt. Die Computeranimationen des Spiels sind zudem als reizstarke Hingucker gestaltet, die zum Eintauchen in die comichafte Bilderwelt verführen.

Gemeinschaftsgefühle und „Hook-Effekt"

Fortnite kann nicht nur einzeln, sondern auch als Team gespielt werden, was Gemeinschaftsgefühle weckt. Erfolge werden gleich belohnt, was die Motivation immer weiterzuspielen, steigert. Fortnite-Spieler, die von den Studierenden befragt wurden, gaben zudem an, dass sie die Individualisierbarkeit reizt, die das Spiel bietet. Der psychologische Reiz kann sogar suchthafte Züge annehmen, so die Masterstudierenden, denn immer neuer Content, neue Updates und neue Spielerunden lassen das virtuelle Vergnügen niemals enden. Die Freude am Spiel täusche letztlich darüber hinweg, dass es sich bei Fortnite um ein typisches „Ballerspiel“ handelt, das durch visuelle Verfremdungen lediglich geschickt entschärft wird. Hat Fortnite einen aber erst einmal „gepackt“, so hängt man sprichwörtlich am Haken – Psychologen sprechen vom „Hook-Effekt“ - man kommt schwerlich nur noch vom Bildschirm los.

Was aus Sicht von Eltern in Bezug auf ihre computerspielenden Kinder verständliche Sorge bereitet, kann im Arbeitsleben durchaus nutzbringend sein, so die Erkenntnis der Student*innen: Spielerische Elemente („Gamification“) oder soziale Team-Wettbewerbe sind im Grundsatz nichts Schlechtes und können daher durchaus zur Motivation genutzt werden. Auch das Bestreben, Aufgaben nach individuellen Stärken zu vergeben, damit Arbeiten leicht und lustvoll von der Hand gehen („Arbeitsflow“) erscheint psychologisch sinnvoll. Der Reiz des Computerspiels kann Unternehmen auch dazu anregen, Arbeitsatmosphären stets modern und up-to-date zu halten, damit der Berufsalltag dauerhaft aktivierend und lustvoll erlebt wird. Ob man mit Mitarbeitenden im Unternehmen aber Tänze aufführen sollte, so wie die Figuren in Fortnite dies vormachen und damit u.a. Vorbild für den Jubel vieler Fußballprofis sind, darüber können die Studenten nur spekulieren. Gleichwohl stellte sich auch hier zumindest die psychologische Erkenntnis ein, dass gemeinschaftliche Rituale im Grundsatz durchaus geeignet sind, den Zusammenhalt in einem Team zu fördern.

Wichtig: kritisches Bewusstsein

Das Fazit der Studierenden: Die psychologischen Tricks, mit denen Fortnite arbeitet, bleiben nicht ohne Wirkung. Und so dürfte beim Medienkonsum von Computerspielen ebenso wie beim Einsatz von arbeitspsychologischer Methoden ein kritisches Bewusstsein aller Beteiligten stets wichtig sein.

Professor Dr. Thomas Jendrosch, der das Projekt begleitet hat, zeigte sich erfreut von der Leistung der Studierenden: „Man sieht, dass die Wirtschaftspsychologinnen und Wirtschaftspsychologen der FH Westküste in der Lage sind, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch auseinanderzusetzen und zugleich nützliche Erkenntnisse für die Wirtschaft zu liefern.“