Seltene Berufe: Holzspielzeugmacher*in

Lebendige Tradition

Bei der Berufswahl lohnt es sich immer, gut zu recherchieren und auch mal Blicke nach links und rechts zu werfen. Dann findet man auch besondere, seltene Berufe – wie beispielsweise Holzspielzeugmacher*innen. Ein Beruf, der im Zeitalter der Digitalisierung wie aus der Zeit gefallen wirkt, der aber eine lebendige Tradition fortführt.

 

(ps) Es gibt kaum einen Werkstoff, der den Menschen in seiner Geschichte so lange begleitet, wie Holz – natürlich auch als Spielzeug. Noch heute wachsen viele Kinder mit Bauklötzen oder der Holzeisenbahn auf. Manche Holzspielzeuge können auf jahrhundertealte Traditionen zurückblicken – so entwickelten sich schon im frühen Mittelalter Zentren der Holzpielzeugherstellung, beispielsweise in Thüringen oder dem sächsischen Erzgebirge. Und dort wird auch heute noch produziert – handwerklich, mit traditionellen Techniken und Liebe zum Detail.

An der Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule im erzgebirgischen Seiffen, dem sogenannten Spielzeugdorf, wird auch ausgebildet. Hier werden die Techniken der erzgebirgstypischen Holzspielzeuge und Holzwaren gelehrt, um auch der nächsten Generation diese Tradition zu erhalten – eine in dieser Form einzigartige Berufsschule in Deutschland. Dabei geht es um Schnitzen, dekoratives Spanen (das sind diese Holzlocken, die man oft an Weihnachtsdekorationen sieht, z.B. um Tannenbäumchen darzustellen – dann genannt Spanbäumchen), manuelle und maschinelle Holzbearbeitung und nicht zuletzt das Drechseln. Auch die Endbearbeitung, die Bemalung und Dekoration des Werkstücks, gehören zu den Inhalten.

Azubi Anna, die bei Wendt & Kühn im dritten Lehrjahr ist, ist von ihrer Entscheidung überzeugt: "Die Tätigkeiten sind unheimlich vielfältig, von Langeweile keine Spur. Meine Lieblingsabteilung ist die Malerei. Hier werden die vielen Arbeitsschritte, die die Figuren bisher durchlaufen haben, vollendet und der Figur wird mit Pinsel und Farbe Leben eingehaucht." Als Prüfstück hat sie eine Szene aus dem "Hobbit" inspiriert; nun arbeitet sie an einem Bilbo Beutlin-Räuchermännchen, der auf einer Bank sitzt. Die kreative und abwechslungsreiche Arbeit begeistert: vor Corona konnten die Spielzeugmacher*innen "deutlich mehr Auszubildende" verzeichnen.

Annas Azubi-Kollege Tim ist auch von der Schule überzeugt: "An der Berufsschule in Seiffen herrscht eine entspannte Atmosphäre, mit kleinen Klassen und netten Lehrern. Neben meinem Lieblingsfach Werkstoffbearbeitung haben wir zum Beispiel noch ‚Gestaltung, Entwurf, Planung‘, Oberflächenbehandlung und CAD-Unterricht." Denn Holzspielzeug und Weihnachtswaren stehen bei den Ausbildungsbetrieben im Mittelpunkt, die Ausbildung vermittelt zugleich aber alle relevanten Aspekte der Holzbearbeitung, von der Oberflächenbehandlung über CAD und CNC, also "Konstruktion, Programmierung, Simulation sowie anschließender Fertigung auf der Werkzeugmaschine", ebenso wie technisches Zeichen, Gestaltung und Entwurfsanfertigung. 

Die staatlich anerkannte dreijährige Ausbildung setzt keinen speziellen Schulabschluss voraus. Angehende Azubis sollten eine Liebe zum Werkstoff Holz mitbringen, Fingerspitzengefühl und Kreativität. 

 

Weitere Informationen:

https://bsz1-erzgebirgskreis.de/html/standort-seiffen.html

https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/steckbrief/1566

 

Quellen:

https://bsz1-erzgebirgskreis.de/Flyer-Berufswunsch-Holzspielzeugmacher.pdf

https://www.nuernberginfos.de/industrialisierung-in-nuernberg/spielzeugindustrie.php

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/spiele_und_spielzeug/geschichte_des_spielzeugs/index.html

https://www.radioerzgebirge.de/beitrag/deutlich-mehr-azubis-bei-den-holzspielzeugmachern-610655/

https://www.wendt-kuehn.de/karriere/ausbildung/

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