Studienstandort Deutschland

Internationale Studierende bleiben gerne

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, verbleiben mehr als ein Drittel der internationalen Studierenden von außerhalb der EU langfristig in Deutschland. Dabei gibt es interessante Unterschiede im Verhalten je nach den Herkunftsländern. Zu den größten Faktoren, die fürs Bleiben sprechen, ist der hiesige Fachkräftemangel.

 

(ps) Der Studienstandort Deutschland ist international beliebt. Der Anteil ausländischer Studierender hat im Wintersemester 21/22 mit 15 Prozent einen neuen Höchststand erreicht – zehn Jahre zuor waren es lediglich 11,1 Prozent. Im Ranking der international beliebtesten Gastländer liegt Deutschland auf Platz 4 und ist das wichtigste nicht-englischsprachige Gastland weltweit. Mit Abstand auf Platz 1 unter den Herkünften internationaler Studierender in Deutschland liegt die VR China, gefolgt von der Türkei und Indien. Laut einer Erhebung des Deutschen Studentenwerkes kommen "47% der befragten Bildungsausländer [...] aus Europa, 33% aus Asien, 11% aus Amerika, 9% aus Afrika."

Das Statistische Bundesamt hat nun einen Blick auf die Aufenthaltsdauer der internationalen Studierenden aus dem nicht-EU-Ausland geworfen. Hierfür wurde beleuchtet, wie viele der neu eingeschriebenen Studierenden von 2006 bis 2011 im Zeitraum von zehn Jahren in Deutschland geblieben sind, sei es durch Einbürgerung, Aufenthaltstitel oder andere Gründe. Insgesamt habe sich gezeigt, dass mehr als ein Drittel der Studierenden zum Arbeiten in Deutschland bleiben. "Laut Ausländerzentralregister lebten nach fünf Jahren noch 48 % und nach zehn Jahren noch 38 % von ihnen weiterhin in Deutschland. Nach aktuellen Auswertungen der OECD liegt die Bleibequote von internationalen Studierenden in Deutschland ähnlich hoch wie in Kanada und gehört damit zu den höchsten unter den OECD-Ländern."

Ausgewertet wurden die Daten für die VR China, die Türkei, die USA und Russland. Die größte Gruppe stellen hier ebenfalls die chinesischen Studierenden mit 36.000 Personen. Diese weichen zugleich am stärksten vom Durchschnittsverhalten ab: in den ersten drei Jahren bleiben sie die größte Gruppe und weisen die geringste Abbrecherquote auf, danach flacht sich die Kurve jedoch weniger stark ab, als bei den Vergleichsländern. Nach zehn Jahren liegt der Anteil der in Deutschland lebenden Chines*innen mit 29,3 Prozent nur knapp über jenem der Türkei (27,7 %) und mehr als 15 Prozentpunkte unter jenem Russlands.

Die zu Beginn zweitgrößte Gruppe stellen die USA mit 13.000 Personen, nach zehn Jahren bilden sie jedoch mit 14,3 Prozent die mit Abstand kleinste Gruppe. Auch der bei allen Gruppen große Einbruch der Zahlen vom Jahr der Einschreibung ("Jahr 0") bis zum ersten Jahr fällt bei den US-Amerikaner*innen am größten aus. Lediglich 47,4 Prozent sind nach einem Jahr noch in Deutschland, im Mittel sind es 71,6 Prozent. Von diesen 47,4 Prozent verlassen dann weitere 70 Prozent Deutschland binnen der nächsten neun Jahre, während es im Mittel nur gut 46 Prozent sind. Am meisten neigen junge Russ*innen dazu, in Deutschland zu bleiben: Sie folgen im "Jahr 0" den USA dicht mit 12.000 Personen, von denen nach zehn Jahren 46,7 Prozent noch in Deutschland leben und arbeiten.

Unter den nach zehn Jahren noch in Deutschland lebenden Studierenden haben etwa ein Drittel einen Aufenthaltstitel zu Erwerbszwecken. Dabei führen die Chines*innen mit 53 Prozent, während die übrige Gruppe zwischen 30 und 36 Prozent schwankt. Im Schnitt 21 Prozent hat einen Aufenthaltstitel aus familiären Gründen, vor allem unter den Russ*innen mit 38 Prozent. Weitere 28 Prozent haben sich nach zehn Jahren für die Einbürgerung entschieden. Hier führen die türkischen Student*innen die Gruppe mit 24,4 Prozent. Die geringste Einbürgerungsquote haben die USA mit 3,5 Prozent und die VR China mit 9,8 Prozent. Weitere 12 Prozent sind auch nach zehn Jahren noch zu Studienzwecken in Deutschland, hier führen die Student*innen aus den USA die Gruppe mit gut 33 Prozent an.

Das Statistische Bundesamt betont, dass "vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel" diese Studierenden aus dem nicht-EU-Ausland eine "eine wichtige Ressource für den deutschen Arbeitsmarkt dar[stellen]." Auch Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft hält die einwohnerreichen Nicht-EU-Länder "aus strategischer Sicht für die Fachkräftesicherung besonders wichtig, da die EU-Länder selbst vor großen demografischen Herausforderungen stehen." DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee sieht hier aber noch viel Luft nach oben: so könne man, sagt er dem Handelsblatt, "jährlich sicher statt gut 70.000 Studierenden aus dem Ausland mehr als 100.000, vielleicht auch 110.000 dafür gewinnen, sich hier eine Arbeit zu suchen."

 

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/10/PD22_435_12.html 

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/222/umfrage/anteil-auslaendischer-studenten-an-hochschulen/ 

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/301225/umfrage/auslaendische-studierende-in-deutschland-nach-herkunftslaendern/ 

https://www.studentenwerke.de/de/content/ausl%C3%A4ndische-studierende-deutschland 

https://www.studentenwerke.de/de/content/internationalisierung-zahlen 

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fachkraeftemangel-auslaendische-studenten-das-ungenutzte-potenzial-fuer-deutschlands-arbeitsmarkt/27982916.html 

 

11.10.2022

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