Ausbildung

Ausbildungstrend Grüne Berufe

Arbeiten für eine bessere Zukunft

Der Klimawandel hält die Welt im Würgegriff und Aussicht auf politisch getragene Besserung besteht derzeit nicht. Hoffnung macht aber die Jugend: Grüne Berufe sind auf dem vom Fachkräftemangel geprägten Ausbildungsmarkt weiter auf dem Vormarsch, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jüngst aufzeigte.


(ps) Im Prinzip ist der Zug bereits abgefahren: Auch wenn die Menschheit ab morgen früh klimaneutral wirtschaften würde, wären die Auswirkungen unserer bisherigen Emissionen noch über Jahrhunderte spürbar. Inzwischen geht es nur noch darum, das „Allerschlimmste“ zu verhindern. Da seitens der Politik keine hinreichenden Maßnahmen ergriffen werden, klebt sich heutzutage ein Teil der jungen Generation aus Verzweiflung auf unsere Straßen, ein Teil glaubt noch an die Macht der Freitagsdemonstrationen. Eine Abstimmung mit den Füßen findet aber seit Jahren auch auf dem Ausbildungsmarkt statt: Die Beliebtheit der sogenannten Grünen Berufe, also solcher, die sich auf die eine oder andere Weise positiv auf Klima- und Ökobilanzen auswirken, nimmt immer weiter zu.

Grüne Berufe: Fels in der Brandung

Der Fachkräftemangel nimmt stetig zu und wird angesichts der Boomer-Generation, die sich derzeit in den Ruhestand verabschiedet, in den kommenden Jahren merklich an Schärfe gewinnen. Schon heute jedoch klagen nicht wenige Branchen über ausbleibende Azubis. „Im Ausbildungsjahr 2013 suchten noch 523.000 Personen mithilfe der BA [Bundesagentur für Arbeit] eine Ausbildungsstelle, während es 2022 nurmehr 402.000 waren – ein Rückgang um 21,5 Prozent“, wie das IAB mitteilt. Einer der raren Bereiche mit sogar wachsenden Nachwuchszahlen ist jener der Grünen Berufe. Hierzu zählen sowohl Berufe, die sich ganz konkret mit Umweltschutz & Co. beschäftigen, aber auch solche, die Klimaschutzmaßnahmen umsetzen: etwa Dachdecker*innen für Solaranlagen, Expert*innen für Gebäudedämmung, Fachkräfte für Heizungsbau, kurz: Berufe, in denen Güter und Leistungen für den Klimaschutz erbracht werden.

Green Skills vs. Brown Skills

Um  einen Überblick über die Berufslandschaft zu bekommen, führt das IAB einen „Greenness-of-Jobs-Index“, in dem der „Anteil umweltschutzrelevanter Tätigkeitsanteile von Berufen“ erfasst wird – sowie deren Gegenteil, Berufe mit sogenannten Brown Skills, die für den Klima- und Umweltschutz abträglich sind: etwa Nutztierhaltung, Kunststoffherstellung oder die Baustoffherstellung. Dazwischen liegen „neutrale Berufe“, etwa in der Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderbetreuung, oder auch kaufmännische Berufe.

Green Skills allein verzeichnen Wachstum

In der Analyse des IAB wird deutlich, dass ausschließlich Grüne Berufe einen Bewerber*innenzuwachs verzeichnen können: „Die Zahl der neu besetzten Ausbildungsstellen für Berufe mit Green Skills lag 2021 im Vergleich zu 2013 um etwa 14 Prozent höher. Demgegenüber war die Zahl der neu besetzten Ausbildungsstellen für Berufe mit Brown Skills 2021 im Vergleich zu 2013 um etwa 15 Prozent niedriger.“ Die „neutralen Berufe“ verzeichnen im selben Zeitraum einen Rückgang um etwa 10 Prozent. Damit hätten die „Ausbildungsberufe mit eher umwelt- und klimaschädlichen Tätigkeitsinhalten“ im Jahr 2021 einen „neuen Tiefpunkt“ erreicht.

Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt auch das Statistische Bundesamt (Destatis). Der „Umsatz mit Gütern und Leistungen für den Umweltschutz“ sei im Jahre 2021 um 16,5 Prozent gestiegen und betrug damit 91,9 Milliarden Euro. Parallel sei die „Zahl der ‚Green Jobs‘ in Deutschland um 9,7 % gegenüber 2020 gestiegen“ – 2021 waren es „341.000 (gemessen in Vollzeitäquivalenten).“ Dabei sind die größten Arbeitgeber im Bereich des verarbeitenden Gewerbes. Hier werden über „drei Viertel der umweltbezogenen Umsätze“ generiert und knapp zwei Drittel der Grünen Berufe gestellt.

Bedarf dennoch größer als Nachfrage

Trotz der im Vergleich erfreulichen Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist auch bei den Grünen Berufen eine gewisse Fachkräfteknappheit zu beobachten – einfach, weil der Bedarf schneller wächst, als potentielle Azubis „nachwachsen“. Nichtsdestoweniger gehört den Grünen Berufen die Zukunft, und das nicht nur in Deutschland: So ist in der Schweiz der Personaldienstleister Manpower ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass hier ein letzter Nachfrage-Wachstumsmarkt zu finden ist.

Vorsicht vor Greenwashing

Angesichts dieser Befunde könnte der Gedanke naheliegen, die positiven Umwelteffekte der eigenen Ausbildungen und Berufe hervorzuheben. Auch das IAB konstatiert: „Die positive Entwicklung der Auszubildendenzahlen in Berufen mit Green Skills legt nahe, dass das ‚Greening‘ von Ausbildungsberufen auch deren Attraktivität erhöhen kann.“ Mit „Greening“ ist hier gemeint, „über die Zeit mehr umwelt- und klimafreundliche Tätigkeiten“ im Sinne einer „ökologischen Transformation“ in die Ausbildungs- und Berufstätigkeiten aufzunehmen. Hier besteht in der Tat eine Chance für einige Berufsfelder – wenn dies auch so umgesetzt wird. Denn es sollte allerdings besonderer Wert auf Transparenz und Authentizität gelegt werden. Erst im Sommer berichtete das Handelsblatt von einer Studie, die zu dem Ergebnis kamen, dass Verbraucher*innen „Unternehmen, denen falsche Klimaversprechen vorgeworfen werden“, mieden – was in Zeiten sozialer Medien auch rasch zu einem „Shitstorm“ für die Unternehmen werden könne.


Quellen:

https://iab.de/publikationen/publikation/?id=1433459

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/06/PD23_250_325.html

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/konjunktur-aussichten-am-schweizer-arbeitsmarkt-trueben-sich-leicht-ein

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/klimaschutz-konsumenten-bestrafen-verdacht-auf-greenwashing-sofort-/29268872.html

 

10.11.2023

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