Außerschulische Lernorte

Außerschulische Lernorte im Fokus: Überblick

Fürs Leben lernen im Schülerlabor

Außerschulische Lernorte erfahren in den letzten Jahren eine Renaissance. Das Ziel: Weg vom rein theoretischen Lernen, hin zum Lernen durch Anschauung und Erleben. Entsprechend mehren sich auch die Möglichkeiten – wir geben einen kurzen Überblick über die wichtigsten Trends.


(ps) „Der Anfang der Kenntnis muss immer von den Sinnen ausgehen“, schrieb Johann Amos Comenius in seiner 1657 veröffentlichten Didactica magna oder Großen Didaktik. Schon in diesem zentralen Schlüsselwerk der neuzeitlichen Pädagogik wird also auf die praktische Erfahrung gesetzt: „Warum sollte also nicht die Lehre mit einer Betrachtung der wirklichen Dinge beginnen, statt mit einer Beschreibung durch Worte“? Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser Ansatz mal mehr, mal weniger beachtet, ganz verschwunden ist er aber nie. Selten wurde er jedoch so sehr beachtet, wie in der jüngsten Zeit.

Zur „Betrachtung der wirklichen Dinge“ gehören heute oft die „außerschulischen Lernorte“ – also Orte außerhalb der Schule, an denen die Schüler*innen durch praktische Anschauung und tätiges Erleben lernen können. Für Arbeitswelterfahrungen gibt es schon lange die Betriebs- und Wirtschaftspraktika an den Schulen. Traditionell gehen die Schüler*innen auch, je nach Alter und Schulart, in Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, in den (Schul-)Wald oder auf den Bauernhof usw. Hier gibt es eine große Auswahl spannender Angebote.

Phänomenta: Startschuss für neue Perspektiven

Eine neue Herangehensweise hat Professor Lutz Fiesser in den 1980er Jahren an der damaligen Pädagogischen Hochschule zu Flensburg entwickelt: Dort entstand die erste „Phänomenta“, die inzwischen zu einem großen Experimentierzentrum herangewachsen ist. An interaktiven Stationen können die Schüler*innen verschiedenste Physikexperimente sehen, durchführen und erleben – ein vielseitiges Angebot, das die aktive Mitarbeit der Schüler*innen in den Mittelpunkt stellt. Fiesser wurde für das Konzept 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und legte damit den Grundstein für viele neue „Science Center“ in der ganzen Republik. In diesem Zuge entstanden auch die Schülerlabore, deren Zahl regelrecht explodierte, nachdem wissenschaftliche Studien den positiven Nutzen solcher Einrichtungen auch objektiv nachgewiesen hatten.

Lernort Labor: nicht nur für MINT

Schülerlabore sind, bei dem Namen naheliegend, aus den Naturwissenschaften hervorgegangen. Wie die wissenschaftlichen Vorbilder sind es Orte, an denen praktische Versuche und Experimente durchgeführt werden. An diesen Ansatz angelehnt haben sich aber rasch auch Labore anderer Fachrichtungen etabliert – etwa in den Kulturwissenschaften, im unternehmerisch-betriebswirtschaftlichen Bereich oder den Ingenieurswissenschaften. So gibt es für Medizin das Gläserne Labor im Deutschen Hygiene-Museum zu Dresden, für Ökosystemforschung das Lernlabor Wattenmeer im niedersächsischen Oldenburg, für künstlerisches Experimentieren das Alfried Krupp Schülerlabor der Künste in Essen oder für Politik und Geschichte das YLAB in Göttingen.

Der Bundesverband der Schülerlabore listet heute neun separate Kategorien und 13 Fachrichtungen. Allen gemeinsam ist das praktische und selbsttätige Arbeiten an konkreten, greifbaren Themen und Experimenten. Oft werden dabei zeitaktuelle Themen aufgegriffen und für die Schüler*innen verständlich aufgearbeitet. So gehört zu den Experimenten am PhotonLab in München eines, in dem die Schüler*innen mittels Wärmebildkamera die unterschiedliche Wärmeentwicklung in Gasgemischen mit und ohne CO2 direkt sehen und verstehen können – und damit eine der Auswirkungen des menschlichen Handelns auf unser Klima. Im Gläsernen Labor in Berlin-Buch geht es u.a. um Gentechnik in Nahrungsmitteln oder die Immunabwehr.

Zusätzlich gibt es auch viele Online-Angebote, die mit Podcasts, Texten, Videos und Bildern eine Alternative bieten. Hier hat beispielsweise das Schülerlabor Geisteswissenschaften BBAW in Berlin während der Pandemie sehr kreativ die Vereinzelung der Schüler*innen im Distanzunterricht aufgegriffen und „das historische Studierzimmer einer Schriftstellerin des ausgehenden 18. Jahrhunderts“ thematisiert und erweitert – mithin ja ein Raum, in dem der kreative Gedanke in Momenten des Alleinseins erschaffen wird.

Bundesweite Angebote

Im Bundesverband der Schülerlabore sind etwa 380 Standorte gelistet, welche sich über die ganze Republik verteilen. Da die Angebote von den Schüler*innen sehr positiv aufgenommen werden, lassen sich, wenn doch kein Labor vor Ort zu finden ist, die Besuche auch ohne Murren der Schüler*innen auf Klassenfahrten integrieren. Getragen werden diese Labore oft von den örtlichen Universitäten, Hochschulen oder Forschungsinstituten. Daneben gibt es auch große Träger, die gleich mehrere Labore an verschiedenen Standorten betreiben, etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Max-Planck-Gesellschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft.

Lehrkräftefortbildungen

Neben den Angeboten für die Schüler*innen haben viele Schülerlabore auch spezielle Fortbildungen für Lehrkräfte im Programm. Hier können sich die Lehrer*innen neue Anregungen für den Unterricht holen, sich über aktuelle Trends in Forschung und Wissenschaft informieren und nicht zuletzt auch mit den Fachkolleg*innen austauschen und vernetzen. Es lohnt sich also, sich zu informieren.

Weitere Informationen

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auf der Seite des Bundesverbandes der Schülerlabore nähere Informationen zu den unterschiedlichen Themen holen und auf einer übersichtlichen Karte alle Standorte ansehen und nach Kategorien filtern.

https://www.lernortlabor.de/start

https://www.schuelerlabor-atlas.de/home

 

04.12.2023

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