Unterricht und Schule

Klimawandel im Unterricht

Bremer Pilotprojekt zur Klimabildung abgeschlossen

Der Klimawandel hat Europa eingeholt: Nachdem sich viele Jahre die Klimakatastrophen nur in fernen Weltteilen zeigten, erwärmt sich der Kontinent heute stärker als alle anderen. In Bremen fand in den vergangenen Jahren unter wissenschaftlicher Leitung ein Pilotprojekt statt, um an Schulen Wissen und einen konstruktiven Umgang mit dem Klimawandel zu vermitteln – nun werden die Ergebnisse präsentiert.

Klimawandel im Unterricht
Bremer Pilotprojekt zur Klimabildung abgeschlossen

 

(ps) Der Klimawandel hat Europa eingeholt: Nachdem sich viele Jahre die Klimakatastrophen nur in fernen Weltteilen zeigten, erwärmt sich der Kontinent heute stärker als alle anderen. In Bremen fand in den vergangenen Jahren unter wissenschaftlicher Leitung ein Pilotprojekt statt, um an Schulen Wissen und einen konstruktiven Umgang mit dem Klimawandel zu vermitteln – nun werden die Ergebnisse präsentiert.


Es sind besorgniserregende Nachrichten, die uns aus den Nachbarländern erreichen: Frankreich erlebt eine historische Winterdürre, in Italien erreicht der Gardasee einen ebenso historischen Tiefststand, in Spanien hat die Dürre solche Ausmaße angenommen, dass die dortige Regierung sich jüngst zu einem Gipfel zum Thema bemüßigt sah. Auch in Deutschland herrscht seit 2018 Dürre, die in diesem Winter/Frühjahr nur eine kleine Verschnaufpause eingelegt hat. Der Klimawandel ist mit Nachdruck auch in Europa angekommen.

Die Fülle an schlechten Nachrichten ist gerade für Kinder und Jugendliche sehr belastend, da sie den Tatsachen nahezu hilflos ohne Handlungsoptionen ausgeliefert sind – außer Protestmärschen bleibt wenig. In der Psychologie ist sogar ein neuer Gefahrencluster für die psychische Gesundheit aufgetaucht: „Umwelttrauer“, „ecological grief“ oder „eco-anxiety“ beschreibt Symptome bei Menschen, die von Angst und Trauer bis hin zu Depressionen heimgesucht werden angesichts der Zerstörung unserer globalen Biosphäre. Ein wichtiger Baustein um mit diesen Ängsten umgehen zu können ist die konstruktive Beschäftigung mit dem Thema.

In Bremen lief in den vergangenen drei Jahren das Schulprojekt „Klima – ich wandle mich!“, das genau an diesem Punkt ansetzt. Das vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen initiierte Projekt sollte einen Rahmen bieten, „in dem Schüler:innen klimaschützende Handlungsoptionen aktiv für den Alltag entwickeln und erproben“, wie die Universität mitteilt. Dr. Sylvia Stegmann, Koordinatorin des Projekts, beschreibt es so: „Jeden Tag haben wir in verschiedenen Lebensbereichen des Alltags Möglichkeiten, uns für oder gegen klimaschützendes und nachhaltiges Handeln zu entscheiden. Diese Möglichkeiten sind vielfältig und individuell verschieden. Mit den Unterrichtsmodulen von ‚Klima – ich wandle mich!‘ möchten wir Schüler:innen für die Anforderungen der Klimakrise sensibilisieren und sie gleichzeitig in ihrer Selbstwirksamkeit ermutigen, eigene Ideen für klimaschützendes Handeln zu entwickeln und diese in ihren Lebensalltag zu tragen.“

In Kooperation mit vier Bremer Oberschulen wurden Unterrichtsmaterialien und Projektkurse entwickelt. Den Schüler*innen eröffnete dies die Möglichkeit, sich im Rahmen von Projekttagen und Unterrichtseinheiten auf verschiedenste Weisen produktiv dem Thema „Klimawandel“ nähern. Die entstandenen Materialien decken eine breites Spektrum relevanter Themenbereiche ab, „die den Lebensalltag von jungen Menschen betreffen, wie etwa Industrie, Konsum und Ernährung, Wohnen und Energie oder Stadtgestaltung.“ Kurse und Unterrichtsmaterialien sind auf den Bremer Lehrplan abgestimmt und werden nun den weiteren Schulen zur freien Verfügung gestellt. Zusätzlich gibt es spezielle Unterstützungsangebote für Lehrkräfte und es soll dauerhaft ein „offenes Netzwerk für Klimabildung“ organisiert und gestaltet werden.

Damit liefert Bremen ein gutes Beispiel, wie mit Jugendlichen dieses erdrückende Thema bearbeitet werden kann. Und das ist im Interesse aller Beteiligten: nicht nur ist der Klimawandel Teil unserer Lebenswirklichkeit – hier bietet sich den Schüler*innen die Möglichkeit, unter pädagogischer Betreuung auch mit ihren Sorgen und Ängsten zum Thema umgehen zu lernen. Denn den Jugendlichen ist klar, was bei manchen der älteren Generationen noch nicht ganz durchgesickert zu sein scheint: Der Klimawandel geht nicht einfach weg, wenn wir jetzt ein bisschen Klimaschutz machen. Es haben bereits unumkehrbare Prozesse begonnen, die selbst wenn ab heute die Welt auf null Emissionen käme teils noch Jahrhunderte weiterlaufen. Das ist eine neue Lebenswirklichkeit, auf die man erstmal vorbereitet sein muss.


Quellen:

https://www.marum.de/Entdecken/Klima-ich-wandle-mich-2.html

https://www.presseportal.de/pm/100150/5500166

https://www.derstandard.de/story/2000142447872/europa-hatte-2022-seinen-heissesten-bisher-gemessenen-sommer

https://www.blaetter.de/ausgabe/2023/april/wir-koennen-nur-noch-beten-frankreich-nach-der-winterduerre

https://www.deutschlandfunk.de/was-steckt-hinter-der-winterduerre-in-frankreich-italien-und-oesterreich-100.html

https://www.merkur.de/welt/po-urlaub-gardasee-wasserstand-satellitenbilder-italien-trockenheit-wasserknappheit-92212760.html

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/duerregipfel-spanien-101.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/umwelttrauer-wie-der-klimawandel-die-psychische-gesundheit-100.html

https://psychnews.psychiatryonline.org/doi/10.1176/appi.pn.2021.6.20

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7830022/

 

 

10.05.2023

 

 

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