Wissenschaft und Politik

Öffentliche Bildungsausgaben

Tendenz steigend, aber viel zu niedrig

Als Land ohne nennenswerte natürlich Ressourcen ist Deutschlands Wirtschaft auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen. Zwar steigen die öffentlichen Bildungsausgaben – doch das Gesamtvolumen ist, verglichen mit anderen europäischen Staaten, viel zu niedrig. Vor allem Grundschulen sind massiv unterfinanziert.

 

(ps) „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung – keine Bildung.“ Dieses Zitat wird John F. Kennedy zugeschrieben und es bringt die Sache auf den Punkt. Und Bildung gehört in Deutschland zu den wichtigsten staatlichen Aufgaben. Das zeigt sich u.a. an Dingen wie der Schulpflicht, die, sollten Eltern dafür nicht Sorge tragen, sogar gerichtlich bis zum Entzug des Sorgerechts führen kann. Offensichtlich ist dem Staat also viel daran gelegen, dass die Kinder zur Schule gehen. Deutlich weniger scheint dem Staat und den verantwortlichen Bundesländern aber daran gelegen zu sein, welche Qualität an den Schulen vorherrscht. Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man sich die Zahlen zu den öffentlichen Bildungsausgaben ansieht.

Anteil der Ausgaben der öffentlichen Haushalte sinkt

Im Land der Dichter und Denker spart die öffentliche Hand bei der Bildung. 2023 lag der Anteil der Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Bildung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut Statista bei lediglich 4,4 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 stieg der Wert auf einen langjährigen Höchstwert von 4,8 Prozent, was hauptsächlich auf Investitionen in die lange verschlafene Digitalisierung zurückzuführen ist. Seither sinkt der Wert wieder und liegt nur 0,1 Prozent über dem Vor-Corona-Jahr 2019 und lediglich 0,4 Prozent über dem Wert von 1995. Obwohl sich die Welt seit 1995 grundlegend verändert hat und eben Dinge wie die Digitalisierung jedenfalls nominell hinzugekommen sind, haben die Bildungshaushalte sich in Relation zum BIP kaum verändert.

Damit liegt Deutschland deutlich unter einer ganzen Reihe anderer europäischer Staaten wie Norwegen, Schweden (beide über 7 Prozent Anteil am BIP), Dänemark, Finnland (beide über 6 Prozent) oder Frankreich und das Vereinigte Königreich (beide über 5 Prozent). Jedenfalls laut Eurostat liegt Deutschland im EU-Vergleich inzwischen allerdings leicht über dem EU-Durchschnitt – doch kommen unterschiedliche Quellen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen.

In absoluten Zahlen steigen die Bildungsausgaben von Bund und Ländern jedoch stetig. Auffällig sei hier, so René Bocksch von Statista, „dass in Deutschland die Bildungsausgaben in absoluten Zahlen hoch sind, gerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt des Landes, sind sie allerdings unterdurchschnittlich“. Ein Befund, der andauert und auch beispielsweise von der OECD bestätigt wird, etwa in der OECD-Studie “Bildung auf einen Blick 2023”.

Anteil der Ausgaben pro Schüler*in steigen – aber geringer als die Inflation

Insgesamt sind die Bildungsausgaben in absoluten Zahlen also angestiegen. Entsprechend wirken die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Ausgaben für Schüler*innen pro Kopf zunächst erfreulich. In absoluten Zahlen steigen die Ausgaben pro Schüler*in in Deutschland an: 2022 um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf nun 9.500 Euro pro Schüler*in an öffentlichen Schulen – im Durchschnitt aller Schularten. Jedoch lag die Inflationsrate 2022 bei 6,9 Prozent und damit deutlich höher als der Zuwachs der Ausgaben für die Schüler*innen.

Und es zeigt sich auch ein weiteres Problem: zwar können sich alle Schularten über einen Zuwachs freuen, jedoch werden einige Schularten deutlich weniger gefördert als andere. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 konnten sich beispielsweise die Integrierten Gesamtschulen über einen Zuwachs von 20 Prozent mehr Geld freuen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben an Grundschulen lediglich um gut 15 Prozent auf 8.200 Euro an und liegen damit 2022 bei nur gut 86 Prozent der durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben. Ebenso die Realschulen liegen mit 9.200 Euro pro Schüler*in unterhalb des Durchschnitts. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zahlen für 2023 und 2024 entwickeln. Angesichts von Schuldenbremse und klammer Kassen darf man sich jedoch auf einiges gefaßt machen.


Quellen:

Capital: Diese EU-Länder geben am meisten für Bildung aus: www.capital.de/karriere/diese-eu-laender-geben-am-meisten-fuer-bildung-aus-33795148.html

Bildung auf einen Blick 2023. OECD-Indikatoren: www.oecd.org/publications/bildung-auf-einen-blick-19991509.htm

Destatis: PM Nr. 020 vom 16. Januar 2024: www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_020_611.html

Destatis: PM Nr. 097 vom 13. März 2024: www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/03/PD24_097_217.html

Destatis: Basistabelle Öffentliche Gesamtausgaben für Bildung: www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/Tabellen/Basistabelle_BildAusg.html

Destatis: PM Nr. 478 vom 14. Dezember 2023: www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/12/PD23_478_21711.html

Destatis: Ausgaben je Schülerin und Schüler 2019: www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsfinanzen-Ausbildungsfoerderung/Publikationen/Downloads-Bildungsfinanzen/ausgaben-schueler-5217109197004.pdf

Deutscher Bundestag WD 8 - 3000 - 078/22 Wissenschaftliche Dienste: Zu Bildungsausgaben im Ländervergleich

Statista: Deutschland gibt gemessen am BIP vergleichsweise wenig für Bildung aus (René Bocksch): de.statista.com/infografik/15423/bildungsausgaben-gemessen-am-bip/

Statista: Anteil der Ausgaben der öffentlichen Haushalte in Deutschland für Bildung am Bruttoinlandsprodukt von 1995 bis 2023: de.statista.com/statistik/daten/studie/161321/umfrage/anteil-der-oeffentlichen-bildungsausgaben-am-bip/

Statista: Ausgaben der öffentlichen Haushalte in Deutschland für Bildung von 1995 bis 2023: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2526/umfrage/entwicklung-der-oeffentlichen-bildungsausgaben/

 

14.03.2024

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