26 % Frauenanteil bei Hochschulprofessuren 2020
Nur leichter Anstieg zu verzeichnen / Berlin Spitzenreiter

(ps) Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, liegt der Frauenanteil bei den hauptberuflichen Hochschulprofessuren 2020 bei 26 Prozent. Damit ist der Frauenanteil unter der Professorenschaft seit 1990 um über 20 Prozent gestiegen, bei einem durchschnittlichen Jahreszuwachs von 0,69 Prozent. Verglichen mit dem Frauenanteil in der Bevölkerung und unter den Erstsemestern sind Frauen bei den Professuren deutlich unterrepräsentiert. Bei der höchsten Besoldungsgruppe der C4/W3-Professuren ist der Anteil sogar noch geringer. 
Frauen in der Wissenschaft haben es schwer. Die erste regulär immatrikulierte Studentin Deutschlands gab es erst im Wintersemester 1899/1900, damals schrieb sich Johanna Kappes in Freiburg für Medizin ein. Die erste Professorin gab es erst im Jahre 1923, als Margarete von Wrangell auf den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim berufen wurde. 1952 hatten ganze drei Frauen einen ordentlichen Lehrstuhl inne, unter 212 weiblichen Hochschullehrerinnen insgesamt, der "durchschnittliche Anteil der weiblichen Lehrkräfte im
westdeutschen Bundesgebiet einschließlich Berlin betrug im Jahre 1952 nur 3,2 %." Anfang der 1990er Jahre lag lieser Anteil noch immer unter 5 Prozent und ist erst mit den "gleichstellungspolitischen Initiativen zu Beginn der 1990er Jahre" nennenswert angestiegen. 
In den vergangenen 40 Jahren ist es damit gelungen, den Frauenanteil auf 26 Prozent zu heben. Das Statistische Bundesamt macht hier auf zwei wesentliche Diskrepanzen aufmerksam: zunächst seien Frauen "zu Beginn der akademischen Laufbahn noch überproportional vertreten. So waren im Wintersemester 2020/2021 über die Hälfte (52 %) der Studienanfängerinnen und -anfänger Frauen." Weiterhin gebe es einen Ausdünnungsprozeß in der weiteren Karriere: "In den höheren Stadien der akademischen Laufbahn sind Frauen zunehmend unterrepräsentiert. Bei abgeschlossenen Promotionen betrug der Frauenanteil 2020 noch 45 %, bei abgeschlossenen Habilitationen 35 %. Am niedrigsten war der Frauenanteil mit 26 % bei den hauptberuflichen Professuren". Das "Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung" weist für 2019 bei den C4/W3-Professuren einen Frauenanteil von lediglich 20% aus.
Dabei sind die Unterschiede nach Bundesländern teils signifikant. In Berlin liegt der Frauenanteil bei 33,5 Prozent und bei den Neuberufungen nähert man sich 50 Prozent. Die Schlußlichter bilden Bayern mit 22,4 Prozent und das Saarland mit 22,1 Prozent Frauenanteil. Innerhalb der Studienfächer gibt es ebenfalls teils erhebliche Unterschiede. So haben die Ingenieurwissenschaften mit 14 Prozent den geringsten Frauenanteil unter den Professuren. Im MINT-Bereich liegt der Anteil bei 21 Prozent, bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 32 Prozent. Spitzenreiter sind die Geisteswissenschaften mit 40 Prozent. Der Frauenanteil am wissenschaftlichen Hochschulpersonal insgesamt liegt ebenfalls bei 40 Prozent.
 
Quellen: 
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2021/PD21_46_p002.html  
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/197898/umfrage/frauenanteil-in-der-professorenschaft-nach-bundeslaendern/ 
https://www.gesis.org/cews/cews-home/zielgruppen/hochschulen 
https://www.forschung-und-lehre.de/politik/professorinnen-anteil-bei-26-prozent-3188 
https://www.tagesspiegel.de/wissen/frauenanteil-bei-neuberufungen-auf-professuren-hauptstadt-der-wissenschaftlerinnen/25556988.html 
https://www.zeit.de/news/2021-08/07/wenns-um-professuren-geht-bleiben-frauen-in-der-minderheit