Musikstadt Köthen kultiviert Viola da Gamba
Das 500 Jahre alte Instrument steht im Mittelpunkt eines internationalen Wettbewerbs

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde sie ab Ende des 15. Jahrhunderts als Bassinstrument beliebt: die Viola da Gamba. Irgendwann geriet sie weitgehend in Vergessenheit. Vor rund 150 Jahren kam das Musikinstrument, eine Violine, die man zwischen die Beine stellt, wieder in Mode. Die Musikstadt Köthen kultiviert heute alle zwei Jahre durch den Wettbewerb Bach-Abel die Gambenmusik.

Aus der Viola da Gamba entwickelte sich im vorletzten Jahrhundert das Cello. Das Instrument war zu Zeiten Johann Sebastian Bachs, der von 1717 bis 1723 in der anhaltinischen Residenzstadt als Hofkapellmeister wirkte, standardmäßig Teil eines jeden Orchesters. Bach selbst schuf für dieses Instrument zahlreiche Kompositionen. Heute kennen die Viola da Gamba vor allem Fachleute, die sich mit der historischen Aufführungspraxis befassen.

Der Pflege der alten barocken Musikkultur will auch der Internationale Viola da Gamba Wettbewerb Bach-Abel dienen, der in diesem Jahr wieder in Köthen realisiert werden soll. Es soll sich um den bedeutendsten Instrumentalwettbewerb seiner Art weltweit handeln. Der zweite Name im Titel, Abel, würdigt den zu Bachs Zeit bekanntesten Solisten für dieses Instrument, Christian Ferdinand Abel. Am Wettbewerb können Musiker/*innen jeder Nationalität teilnehmen, welche nach dem 01. Mai 1987 geboren sind. Die Anmeldefrist läuft bis 22. März 2021. Näheres zum Wettbewerb hier: www.bach-abel-wettbewerb.de

In einer Pressemitteilung der mitteldeutschen Region heißt es: "In den letzten Jahren konnte die international besetzte Jury Teilnehmer aus Europa, Asien, Süd- und Nordamerika begrüßen, der aktuelle Preisträger kommt aus Japan. Die weltumspannende Community der Musiker, die sich der historischen Aufführungspraxis widmet, schaut auch vom 16. bis 23. Mai 2021 wieder nach Köthen. Das Eröffnungskonzert mit dem aktuellen Preisträger wird unter Anwesenheit der Ministerpräsidenten des Landes, Dr. Reiner Haseloff, stattfinden, der auch Schirmherr dieser herausragenden Musikveranstaltung ist." Der Veranstalter des Wettbewerbes ist der Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Die pandemiebedingten Reise- und Veranstaltungsbeschränkungen machen, wie es gegenüber der Presse weiter heißt, eine hybride Veranstaltungsform nötig, um möglichst vielen Interessenten eine Teilnahme zu ermöglichen. Aber hierin besteht aus Sicht der Organisatoren auch eine Chance. Durch digital unterstützte Veranstaltungsformen möchten sie mehr Menschen als zuvor für eine Teilnahme und Teilhabe an den Vorspielen der weltweit besten Solisten ihres Faches begeistern.

Das Gambenspiel auch unter jungen Leuten zu fördern, ist ein Ziel der "Viola da gamba-Gesellschaft" mit Sitz in Winterthur (Schweiz). Die Vereinigung versteht sich als Club von Gambenspielern, Gambenbauern und weiteren Interessierten im deutschsprachigen Raum.