"Alles beginnt im Kopf"
Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2020

(ps) Der Professorinnenanteil an deutschen Universitäten steigt – langsam, aber stetig. Im vergangenen Jahr waren unter 1.533 Habilitierenden 538 oder 35% Frauen. Ein Plus von 3% im Vergleich zum Vorjahr – und ein historischer Höchststand.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat aktuelle Zahlen zum Frauenanteil an Habilitationen und Professuren in Deutschland veröffentlicht. Dabei gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute ist: der Frauenanteil erreicht einen historischen Höchststand. Die Schlechte ist: der durchschnittliche Anteil liegt bei mageren 35%. In der Professorenschaft Deutschlands liegt die Quote sogar nur bei gut 25%. 

Nichtsdestoweniger ist ein Zuwachs erkennbar. Seit 2010 ist der Frauenanteil um 10% gestiegen, im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gibt es seit 2010 den größten Zuwachs um 15% auf nun 42%. Den größten Anteil haben weiterhin die Geisteswissenschaften mit 47% (2010: 37%) Frauenanteil. Der Bereich mit den meisten Habilitationen insgesamt ist die Humanmedizin, in der 55% aller Habilitationen verfaßt wurden. Hier liegt der Frauenanteil bei 32% (2010: 22%) und liegt damit noch 3% unter dem Durchschnitt.

Bei einem Anteil von 47,8% weiblicher Studierender und einem Anteil von 50,7% an der Gesamtbevölkerung wird deutlich, daß hier noch Luft nach oben ist. Professor Anna-Christin Konermann, die mit 33 Jahren die jüngste zahnmedizinische Professorin Deutschlands wurde, sieht ein großes Problem noch immer in den Köpfen der Menschen: "In den Köpfen der meisten Frauen ist immer noch der Gedanke verwurzelt, dass sie nicht so gut sind wie Männer und nicht an ihren Erfolg in der Forschung glauben. Ich denke, das ist der eigentliche Knackpunkt." Im Interview mit "Der Zahnarzt-Woche" (DZW) führt sie weiter aus: "Wir sollte nicht im Hinterkopf haben „ich bin ja nur eine Frau und deshalb klappt es nicht“. Ich glaube, das ist der größte, selbstlimitierende Faktor. Alles beginnt im Kopf, man kann alles erreichen, was man will. Man sollte mutig sein und sich nicht beirren lassen."

Professorin Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) betont die sozialen und strukturellen Probleme: "Wenn Frauen und andere Mitglieder benachteiligter Gruppen unterrepräsentiert sind, dann war offensichtlich eben nicht die Bestenauslese entscheidend, sondern andere Faktoren – und genau dann haben wir ein Problem", erläutert sie in einem Interview, das in "Forschung & Lehre" erschien. "Selbst wenn wir ab jetzt bis 2025 jede zweite Professur mit einer Frau besetzen würden, würde sich der Frauenanteil in den nächsten fünf Jahren lediglich auf 37 Prozent erhöhen." So entkräftet sie auch das zuweilen noch geäußerte Argument, eine Frauenquote oder spezielle Frauenförderung stünde der Bestenauslese im Weg. "Solange Frauen strukturell benachteiligt sind, sorgt die Förderung von Frauen gerade für Exzellenz!"

Quellen:
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_319_213.html;jsessionid=E2240DAF3826EB6F41235D4D0DEA1327.live731
https://www.forschung-und-lehre.de/politik/die-foerderung-von-frauen-sorgt-gerade-fuer-exzellenz-3558/
https://www.dzw.de/wir-muessen-mutiger-werden
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/859976/umfrage/umfrage-in-deutschland-zum-geschlecht-der-studenten/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/197898/umfrage/frauenanteil-in-der-professorenschaft-nach-bundeslaendern/