Bio: Landwirtschaft und Forschung im Blick
Neue Produkte erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit / Viele spezialisierte Studiengänge

(ps) Auch wenn Bio-Produkte nur einen Marktanteil von etwa 6% haben, verzeichnen sie seit Jahren stetiges Wachstum und positive Resonanz bei den Verbraucher*innen. Die Nachfrage wächst sogar stärker, als der Ökolandbau selbst. Probleme sieht der Anbauverband Bioland hauptsächlich bei den politischen Rahmenbedingungen. Aber sowohl Praxis als auch Forschung florieren und bringen interessante Ansätze.

Der Verlust fruchtbaren Ackerlands ist auch in Deutschland ein Problem. Auf überdimensionierten Äckern haben Regen wie Dürre leichtes Spiel, die dünne Schicht fruchtbaren Bodens abzutragen, die uns alle ernährt. Ist sie erst einmal verloren, kann sie nur mit größter Mühe wiederhergestellt werden. "Mutter Natur kennt keine nackten Böden", sagt die Bio-Vorreiterin und ehemals langjährige Leiterin für Grünflächen des Linzer Stadtgartenamtes, Helga Wagner. Ganz nach dieser Devise entwickelt Johannes Storch auf dem Bio-Gemüsehof Dickendorf Agrartechnik, mit der die Bepflanzung und Bearbeitung gemulchter Ackerflächen möglich wird. "Immer durchwurzelt, immer bedeckt" – so fände man die Böden in der Natur vor, und so müsse auch der Ackerbau betrieben werden, wenn man langfristig gesunde und fruchtbare Böden erhalten wolle, so Storch auf dem Symposium "Aufbauende Landwirtschaft" 2019. Weiterentwicklung und Optimierung der Technik läuft noch immer und erzielt bereits beachtliche Ergebnisse.

Obstbauer Martin Geng, Preisträger des Bundespreises für Ökolandbau 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, findet seine Ansätze beim Blick in die Geschichte. Früher habe man auch nicht spritzen können, und es sei trotzdem gegangen, sagt er. In der Fachliteratur um 1900 hat er beispielsweise Hinweise auf Rotkehlchen als Nützlinge zur Schädlingsvertilgung entdeckt. Eine Vogelfamilie fresse pro Jahr 75kg Insekten. Nun beherbergen seine Obstwiesen 20 Rotkehlchenfamilien pro Hektar. Das funktioniert so gut, daß das Geschäft brummt und neue Flächen zugekauft werden konnten – zugleich eine Rettung für manch historische Streuobstwiese, die sonst verfallen wäre und mit ihr nicht nur das Obst, sondern auch das einzigartige und wertvolle Biotop, das diese Wiesen bilden.

Auf dem Omega 3-Bauernhof Hamel, jüngst ausgezeichnet mit dem NABU-Förderpreis "Gemeinsam Boden gut machen", stand die Frage am Anfang, wie "wie Lebensmittel erzeugt werden müssen, die ein gesundheitlich optimales Fettsäuremuster enthalten." So wurde Haltung und Fütterung der Tiere hinterfragt und optimiert – beispielsweise enthalte die Milch vom Hof etwa doppelt so viele Omega 3-Fettsäuren wie konventionelle Milch.

Neben der "praktischen Forschung" auf den Höfen ist die ökologische Landwirtschaft auch als eigenes Studienfach an den Universitäten angekommen. Der Austausch und die gegenseitige Befruchtung ist dabei vielfältig und bietet zahlreiche Schwerpunkte. Hinter den Bioprodukten im Supermarkt steht eine ganze Branche, die sich nachhaltiger, "grüner" Wirtschaft verschrieben hat und spannende Arbeitsfelder bietet.

Spezialisierte landwirtschaftliche Studiengänge (Auswahl):
Uni Kassel/Uni Witzenhausen: http://www.uni-kassel.de/fb11agrar/studiengaenge.html
Uni Hohenheim: https://www.uni-hohenheim.de/organic-agriculture-and-food-systems-master-studium
TU Weihenstephan: https://www.hswt.de/studium/studiengaenge/lw/profil.html
Hochschule für Nachhaltige Entwicklung: https://hnee.de/de/Studium/Bachelorstudiengnge/kolandbau-und-Vermarktung-auch-dual/Studiengang-kolandbau-und-Vermarktung-B.-Sc.-K1915.htm
TH Bingen: https://www.th-bingen.de/studiengaenge/agrarwirtschaft/agrarwirtschaft-b-sc/studienaufbau/