Energiewende: Dampfspeicher statt Batterien und Wasserstoff
Um ein Problem von heute zu lösen, hilft manchmal der Blick in die Vergangenheit

Für die Entwicklung einesthermo-mechanischen Stromspeichers (TMS) durch das vierköpfige Team des Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM) an der Hochschule Zittau-Görlitz (HSZG) und der Partnerfirma Spilling Technologies, kommen Überlegungen ins Spiel, die vor rund 100 Jahren begonnen haben, informiert die HSZG in einer Pressemitteilung. Da sicherte Dr. Fritz Marguerre, wie es weiter heißt, sein Verfahren sowie die Vorrichtung zur Aufspeicherung, also Speicherung, von Energie. Die Umwandlung von Strom in Dampf spielte bei seiner Erfindung eine entscheidende Rolle.

So weit, so gut, sein Patent verschwand jedoch in den Schubladen der Geschichte, die Maschine wurde nie gebaut, denn aufgrund des geringen Wirkungsgrades lohnte sich die Entwicklung zur damaligen Zeit nicht.

Nun stehen wir nach den Worten der HSZG-Mitteilung ganz aktuell vor der Herausforderung, den Strom aus regenerativen Energien zwischenspeichern zu müssen, damit er auch dann zur Verfügung steht, wenn wir ihn brauchen. Nur so kann uns die Energiewende und somit die Zukunft ohne fossile Energieträger gelingen.

Neben Batteriespeichern und dem neu entstehenden Industriezweig der Wasserstoffwirtschaft, ist der altmodische Dampf, der schon die Industrialisierung im 18. Jahrhundert in Fahrt gebracht hat, ein Kandidat, der mehr als einen kurzen Blick lohnt. Eine Art „Modern Steam“ für das 21. Jahrhundert muss her!

Sebastian Braun, Ingenieur am IPM, hat die Idee von Dr. Marguerre zur Speicherung von Energie in Dampf weiterentwickelt. Nun soll der TMS noch mehr können. Sein Herzstück ist eine mehrzylindrige Kolbenmaschine, die sowohl als Wärmepumpe (Verdichter) als auch als Wärmekraftmaschine (Expander) betrieben werden kann. Strom wird nicht mehr nur in Dampf gespeichert, sondern auch wieder zu Strom gewandelt.

Im Gegensatz zu aktuellen Batteriespeicherkonzepten, deren Rohstoffe unter hohem Aufwand gefördert und verarbeitet werden, nutzt der TMS mit Wasser und Stahl nachhaltige und in ausreichendem Maße vorhandene Materialien. Ebenso punktet er hinsichtlich des Recyclingprozesses gegenüber den Batterien.

Die Idee überzeugte auch das Bundeswirtschaftsministerium sowie die Partnerfirma Spilling Technologies GmbH, heißt es seitens der HSZG weiter. Gemeinsam steht das Team nun in den Startlöchern, um den ersten thermo-mechanischen Stromspeicher Europas – wahrscheinlich sogar der Welt– gemeinsam zu entwickeln, experimentell zu untersuchen und zu optimieren.

Das bedeutet mehr Dampf für die dringend benötigte Energiewende, als sich Dr. Marguerre in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts jemals für seinen thermo-mechanischen Stromspeicher hätte ausmalen können. Oder kurz gesagt: Das Medium Dampf lebt!