Fachkräftemangel im Handwerk hält an
10.000 weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr

Keine Urlaubsreisen, geschlossene Restaurants, Homeoffice – in der Pandemie verbringen die Bürger gezwungenermaßen viel Zeit zu Hause. Da liegt es nahe, anstehende Renovierungen anzugehen. Endlich ein neuer Anstrich im Wohnzimmer, endlich die hässliche alte Treppe im Flur ersetzen. Das Problem: Acht bis neun Wochen Wartezeit auf einen Handwerker müssen Kunden einkalkulieren, im Baubereich noch deutlich mehr.

Grund dafür ist der anhaltende Fachkräftemangel im Handwerk. Das Defizit liegt aktuell bei knapp 65.000 Stellen. Zieht man Berufe mit Handwerksanteilen in Betracht, kommen noch einmal 12.000 dazu. Das Kompetenzzentrum Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft bilanziert in seiner Studie, dass die Zahl der offenen Stellen im vergangenen Jahr zwar um gut 14 Prozent sank – dennoch gibt es für jede dritte offene Stelle immer noch keinen verfügbaren Arbeitssuchenden mit entsprechender Qualifikation.

Vor allem an Gesellinnen und Gesellen herrscht Mangel. Alleine 54.000 offene Arbeitsplätze entfallen auf diese Gruppe. Meisterinnen und Meister werden nicht so häufig gesucht, sind aber auch besonders schwer zu finden. Für rund jede zweite Meister-Stelle (46,6 Prozent) gibt es keinen entsprechend qualifizierten Bewerber.

Besonders groß sind die Fachkräfteengpässe in Fertigungs- und Bauberufen, etwa in der Bauelektrik, in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder in der Kraftfahrzeugtechnik. Auch im Verkauf von Fleischwaren oder im Holz-, Möbel- und Innenausbau fehlen Gesellinnen und Gesellen.

Meister sind beispielsweise knapp in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik und ebenfalls in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Bei Meisterberufen im Tiefbau kommen nur 17 entsprechend qualifizierte Arbeitslose auf 100 offene Stellen. Regional sind die Fachkräfteengpässe im Handwerk in Bayern, Baden-Württemberg und Teilen Niedersachsens am größten.

Hinzu kommt, dass Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr circa 130.000 neue Ausbildungsverträge abschlossen – etwa 10.000 weniger als im Vorjahr. Knapp 22.000 Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden - bei rund 18.000 unversorgten Bewerbern. Damit liegt der Anteil der unbesetzten an allen gemeldeten Ausbildungsstellen im Handwerk höher als in anderen Wirtschaftsbereichen.

Die Kofa-Experten empfehlen, durch eine verbesserte Berufsorientierung an Schulen sowie eine breitere Aufklärung von Eltern und Lehrern stärker für die duale Berufsausbildung zu werben. Weil in Corona-Zeiten kaum Praktika oder Ausbildungsmessen stattfinden könnten, müssten hier auch neue digitale Wege beschritten werden. Außerdem sollten auch kleine und mittelständisch geprägte Betriebe eine vorausschauende Personalbedarfsplanung erstellen.

Quelle:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arbeitsmarkt-im-handwerk-fehlen-65-000-fachkraefte-vor-allem-gesellen-mangel-ist-riesig/27148698.html?ticket=ST-8597955-Fcj5Ui3panwWgptnZgFo-ap1