Jobsuche: Arbeitsklima ist wichtiger als Geld
Größte Herausforderung ist, das passende Unternehmen zu finden

 

(ps) Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) präsentierte jüngst ihre aktuelle Studie über die "Karrierewege der Millennials 2022" – und findet bestätigt, was sich schon seit längerer Zeit zeigt: Zwar spielt Geld noch immer eine wichtige Rolle beim Job, Arbeitsklima und Work-Life-Balance werden aber wichtiger. Auch bei der Jobsuche sind die Gehaltsvorstellungen nicht mehr ausschlaggebend.

Das Stichwort "Work-Life-Balance" ist schon seit einigen Jahren in aller Munde. Damit wird das Bedürfnis beschrieben, neben dem Beruf auch ausreichend Zeit für das Privatleben zu haben. Es ist gewissermaßen das Gegenbild des bis in die '90er Jahre prävalenten Karrieristen, der von morgens bis spät abends für die Firma und die Karriere arbeitet. Lange vor dem Burnout wurde bereits der Begriff "Managerkrankheit" geprägt, eine Überlastung durch berufliche Dauer- und Überbeanspruchung, die entgegen dem Namen längst nicht nur Manager*innen betrifft. Die Bereitschaft, solche Belastungen für die Karriere in Kauf zu nehmen, sinkt allerdings seit der Jahrtausendwende kontinuierlich – Arbeitsklima und eben Work-Life-Balance werden dagegen immer wichtiger für die jungen Menschen.

In der nun vorgestellten Studie finden sich diese Trends unter den Millenials, den 18 bis 40jährigen, nachdrücklich wieder. Tatsächlich steht das Arbeitsklima auf Platz 1 der wichtigsten Faktoren zur Arbeitgeberwahl – sowohl bei Männern, als auch bei Frauen: 58 Prozent der Befragten insgesamt, bzw. 64 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer. Den zweiten Platz teilen sich Work-Life-Balance und Gehalt mit jeweils 50 Prozent. Damit sind unter den Top-3-Faktoren zur Arbeitgeberwahl zwei, die sich direkt auf die Unternehmenskultur beziehen. So wird deutlich, dass ein "dicker Gehaltsscheck" heute nicht mehr ausreichend ist, um den Nachwuchs für sich zu gewinnen. 

Auch EY-Geschäftsführungsmitglied Jan-Rainer Hinz hebt diesen Aspekt gesondert hervor. Die Studienergebnisse bedeuten "für die Unternehmen, dass eine positive Atmosphäre und Arbeitskultur immens wichtig sind, um gute Mitarbeiter zu halten – und neue zu gewinnen." Dies zeige sich auch in anderen Aspekten. So geben ein gutes Drittel der Befragten an, dass "Flexibilität (z.B. Homeoffice bzw. Telearbeit, flexible Zeiteinteilung etc.)" für sie sehr wichtig sei. Für 42 Prozent sind "interessante Aufgaben" und "wertvolle Berufserfahrungen" entscheidend. "Angestellte, gerade jüngere Berufstätige, wollen sich heute häufiger ausprobieren", so Hinz. Der Aspekt "Karriereziele erreichen" liegt dagegen abgeschlagen auf dem achten von zehn Plätzen. 

Größte Herausforderung: das passende Unternehmen finden

Gefragt nach den "größten Herausforderungen bei der Jobsuche" belegt Platz 1 mit 41 Prozent die Schwierigkeit, ein "Unternehmen zu finden, das meinen Vorstellungen entspricht (Unternehmenskultur, flexible Arbeitszeiten etc.)". Platz 2 der Herausforderungen mit 36 Prozent der Befragten ist, "passende Jobangebote für meine beruflichen Interessen zu finden". Auch hier ist Geld erst auf dem dritten Platz, lediglich 27 Prozent geben an, dass die größte Herausforderung war,  "passende Jobangebote für meine Gehaltsvorstellungen zu finden." Ebenfalls unter den Jobsuchenden zeigt sich also der Wunsch nach guter Arbeit, statt nach gut bezahlter Arbeit, recht deutlich. Umso wichtiger ist hier frühzeitige Berufsorientierung, um nach der Schule direkt durchstarten zu können. 

Quellen:

https://assets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/de_de/news/2022/05/ey-karrierewege-millennials-2022.pdf 

https://www.zeit.de/news/2022-05/06/arbeitsklima-fuer-juengere-arbeitnehmer-wichtiger-als-geld?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F 

 

10.05.2022