Wege in die Welt: Auslandserfahrungen im Fokus (2/2)
Der Weg zurück: Zuhause – o je?

 

(ps) Eine einhellige Erfahrung praktisch aller Weltwanderer ist es, zwei Kulturschocks zu erleben: einen, wenn sie im Ausland ankommen, und einen, wenn sie wieder in Deutschland sind. Plötzlich wirkt die "alte" Heimat irgendwie altbacken und lame, man muss sich neu einfinden und erstmal überlegen, wie es jetzt weitergehen soll. Dabei gibt es eine einfache Möglichkeit, dem "Heimkehrer-Blues" vorzubeugen. Denn jeder Abschied ist leichter, wenn man sich auf einen neuen Anfang freuen kann: am besten schon im Ausland Pläne für den nächsten Schritt in Deutschland machen. Neben den einschlägigen Quellen im Internet können hier besonders Videochatmessen helfen, um in persönlichen Gesprächen Chancen und Möglichkeiten auszuloten.


Wie geht es weiter nach dem Auslandsaufenthalt?

Tabitha hat es bis nach Japan verschlagen – ein Jahr lebte sie dort und sammelte neue Erfahrungen. Doch bekanntlich geht auch die schönste Zeit irgendwann vorbei. Auf ihrem Blog schriebt sie: "Man fängt an, über alles nachzudenken. Über Dinge, die man vielleicht immer für normal hielt oder wichtige Dinge, wie zum Beispiel über die Zukunft." Da sind es noch zwei Monate Japan, und das nahende Ende wirft die Frage auf: was nun? Oder in Tabithas Worten: "wichtige Fragen wie, was mache ich nach dem Auslandsjahr, gehen mir andauernd durch den Kopf." Und damit ist sie nicht alleine. Das kann daran liegen, dass manch frischgebackene*r Schulabsolvent*in nur bis zum Auslandsaufenthalt geplant hat, aber auch daran, dass der Aufenthalt neue Perspektiven und Ideen angeregt hat. 

So ist die Frage "Was mache ich nach dem Auslandsjahr?" viel mehr als nur die Frage nach dem nächsten Schritt. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen wollen bedacht sein, viele Heimkehrende berichten von neuen Perspektiven auf die Welt und das Leben, die sie im Ausland gewonnen haben. Eine Untersuchung an der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena konnte hier sogar signifikante Unterschiede feststellen: "Die Austauschschüler kommen aufgeschlossener, selbstsicherer und reifer als ihre Altersgenossen nach Hause zurück", sagt Henriette Greischel, die im Rahmen ihrer Promotion die Studie durchgeführt hat, in einer Forschungsmeldung der Universität. "Sowohl die Erfahrung der Selbstständigkeit als auch die interkulturellen Einflüsse dürften sich hier als besonders wertvoll erweisen."

So sehen das auch die Jugendlichen selbst: "Die weitreichendsten Veränderungen fielen mir aber erst einige Zeit später auf: Ich habe gelernt, Verantwortung – auch für meine eigenen Handlungen – zu übernehmen und bin viel selbstständiger geworden", befindet Lukas im Gespräch mit dem Blog von Austauschjahr.de – "Zudem hat mir das Auslandsjahr zu dem Selbstvertrauen verholfen, das mir davor fehlte." Umso wichtiger ist es, gut über seine Optionen im Klaren zu sein. Denn die neuen Eindrücke zeitigen auch neue Fragen, und plötzlich sind vielleicht sogar Berufe oder Berufsfelder interessant, die du dir vorher nicht zugetraut hast, oder die gar nicht auf dem sprichwörtlichen Schirm waren.


Persönliche Beratung via Videochatmessen möglich 

Für Heimkehrende und solche, denen die Heimkehr bald blüht, beginnt gewissermaßen eine zweite Berufsorientierung – mit den neuen Erfahrungen und neuem Selbstvertrauen im Gepäck. Fast alles, was man braucht, findet sich auf vielen informativen Webseiten: so kann es hilfreich sein, die einschlägigen Online-Tests zur Berufswahl noch mal zu besuchen – eine Auswahl haben wir hier zusammengestellt.
 

Wenn erste Entscheidungen gefallen sind, kann man sich über Lehrstellenbörsen und Seiten zum (dualen) Studium konkreter informieren und vielleicht schon erste Bewerbungen abschicken. Einige Internetadressen zur Ausbildungs- und (dualen) Studienwahl haben wir hier versammelt. Tipps zur Onlinebewerbung, beispielhafte Fragen als Inspiration für die Messegespräche und manches mehr folgt bald – einen Überblick gibt es hier.

Und wieso findet man auf Webseiten nur fast alles, was man braucht? – So gut und wichtig die Recherche online auch ist, kann sie doch kein persönliches Gespräch ersetzen. Die persönliche Ansprache, direkte Erklärungen, spontane Rückfragen und der menschliche Eindruck sind einfach unersetzlich. Zum Glück gibt es hier inzwischen Online-Messen mit Videochats, an denen jede/r teilnehmen kann, der/die einen Internetzugang hat. So kann man sich schon im Ausland persönlich informieren und beraten lassen. Aber natürlich auch zuhause in Deutschland. Das ist zugleich ein super Training für Online-Bewerbungsgespräche – die in Coronazeiten ohnehin wahrscheinlich sind, auch wenn man nicht (mehr) im Ausland ist. 

Dabei will auch das gelernt sein – die auf Youtube beliebten "Homeoffice fails" sollten da nicht nur erheitern, sondern auch eine Mahnung sein. Selbst einem routinierten Profi-Fernsehjournalisten aus den USA ist seine Schalte aus dem Homeoffice missglückt – und war dann in Sakko und Unterhose im nationalen Fernsehen zu sehen. So schlimm kann es beim digitalen Bewerbungsgespräch oder dem Online-Messebesuch zum Glück nicht kommen, trotzdem sollte das digitale Gespräch formal genauso ernst genommen werden wie ein direktes Gespräch. Das fängt schon damit an, den Schreibtisch, die Sitzposition und dergleichen zu optimieren – wir haben dazu eine hilfreiche Grafik erstellt, die hier zu finden ist. Gut vorbereitet, mit notierten Fragen, einem Stift für die Antworten und einer angezogenen Hose auch im Sitzen kann dann eigentlich nichts mehr schief gehen beim Online-Messebesuch – und beim ersten Schritt nach dem Auslandsaufenthalt.


Weiterführende Informationen:

https://www.erfolg-im-beruf.de/angebote/fuer-schuelerinnen 

https://www.vocatium.de/online 

Quellen:

https://tabithasteiner.wordpress.com/ 

https://www4.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM160418_Austauschsch%C3%BCler.html