"Lehrkräfte werden bundesweit gesucht"
Lehrermangel erfordert Maßnahmen in allen Phasen der Lehrerbildung

Gute Berufsperspektiven für Menschen, die Lehrer*innen werden möchten: Die Robert Bosch Stiftung informiert in einer Pressemitteilung, Lehrkräfte würden bundesweit gesucht. Die Stiftung beruft sich auf eine Prognose der Kultusministerkonferenz, nach der allein an den Grundschulen bis 2023 bis zu 12.400 Lehrkräfte fehlen. Der bestehende Bedarf kann durch die grundständig, also über das klassische Lehramtsstudium ausgebildeten Lehrkräfte, allein nicht gedeckt werden, heißt es weiter. Zudem sind die Zahlen der Lehramtsabsolventen seit dem Jahr 2015 rückläufig. Gleichzeitig steigt der Anteil der Quer- und Seiteneinsteiger unter den neu eingestellten Lehrkräften und erreichte im Jahr 2018 mit 13,3 Prozent bundesweit einen neuen Höchststand.

Nach Einschätzung der Robert Bosch Stiftung wird der Lehrermangel die Schulentwicklung in den nächsten Jahren weiter prägen. Flexible Einstiegsmöglichkeiten ins Lehramt und berufsbegleitende Angebote der Weiterbildung können ein entscheidender Teil der Lösung sein, sind aber bisher an deutschen Universitäten kaum vorgesehen. Dies zeigt eine aktuelle Publikation des "Monitor Lehrerbildung", informiert die Robert Bosch Stiftung in einer Pressemitteilung.
 

"Grundlegende Anpassung der Lehramtsausbildung erforderlich"

In der neuen Publikation „Flexible Wege ins Lehramt?! – Qualifizierung für einen Beruf im Wandel“ plädiert das Konsortium des "Monitor Lehrerbildung" deshalb für eine grundlegende Anpassung der Lehramtsausbildung. Um den Lehrkräftemangel mit gut qualifiziertem Personal nachhaltig bewältigen zu können, muss das Lehramt verstärkt für Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen von Fachrichtungen, die schulischen Unterrichtsfächern nahekommen, geöffnet werden.

Für den Bereich des Lehramtsstudiums sollten Instrumente zur Eignungsfeststellung, Berufsberatung und Begleitung in allen Studienphasen und für die Studierenden verpflichtend vorgesehen werden, empfiehlt die Robert Bosch Stiftung. Diese können helfen, möglichem Studienabbruch oder Fachwechsel entgegenzuwirken und Studierende erfolgreich in den Lehrerberuf zu führen. Aus der aktuellen Datenerhebung des Monitor Lehrerbildung geht hervor, dass Angebote zur Eignungsreflexion während des Studiums bisher nur an rund der Hälfte aller Hochschulen verpflichtend sind. Beratungsangebote in der Studieneingangsphase sind sogar nur an fünf von 61 lehrerbildenden Hochschulen verpflichtend.
 

Qualifizierungsangebot für Quereinsteiger aufwerten

Die bestehenden Qualifizierungsangebote für Quer- und Seiteneinsteiger ins Lehramt sollten schnellstmöglich qualitativ aufgewertet werden. Die Einstellung von Personen ohne vorangegangene Lehramtsausbildung ist faktisch bereits eine wichtige kurzfristige Maßnahme zur Sicherung der Unterrichtsversorgung, die derzeitige Qualifizierung ist aber in der Regel rein berufspraktisch ausgelegt. Ergebnisse des "Monitor Lehrerbildung" zeigen, heißt es in der Mitteilung der Stiftung weiter, dass nur acht von 61 Hochschulen berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengänge für Seiteneinsteiger ohne Lehramtsqualifikation anbieten. Wichtige wissenschaftliche Grundlagen, etwa im pädagogisch-psychologischen Bereich, die das Lehramtsstudium eigentlich vermittelt hätte, fehlen folglich in der Qualifizierung.

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind relevante Daten zu dieser ersten Phase der Lehrerbildung übersichtlich dargestellt. 61 Hochschulen und alle 16 Länder beteiligten sich an der Erhebung des Monitor Lehrerbildung 2020. Sämtliche Daten sowie viele weitere Informationen zum Thema sind frei zugänglich. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Robert Bosch Stiftung GmbH und Stifterverband.