Lese- und Schreibkompetenzen wichtiger denn je
Digitaler Wandel stellt Menschen mit einfacher Bildung vor besondere Herausforderungen

(pz) Für die Mehrheit der Bevölkerung gehören Lesen, Rechnen und Schreiben zu den essentiellen und selbstverständlichen Werkzeugen des Alltags. Menschen mit Lese- und Schreibdefiziten sehen sich hingegen häufig mit besonderen Hürden konfrontiert. Dieser Effekt wird aktuell durch die zunehmende Digitalisierung alltäglicher Prozesse verstärkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Stiftung Lesen.

Behördengänge, Bestellungen im Restaurant, Terminvereinbarungen, Einkäufe – was sich bis dato persönlich erledigen ließ, wurde im Laufe des vergangenen Jahres zunehmend in den digitalen Raum verlagert. Somit verlangen selbst einfache Alltagsaufgaben nun meist Lese- und Schreibkompetenzen. Erwachsene, die nicht gut lesen und schreiben können, sehen sich damit nahezu unüberwindbaren Anforderungen gegenüber. Laut LEO Grundbildungsstudie von 2018 betrifft das hochgerechnet 6,2 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Verlagerung ins Digitale verstärkt Ungleichheit und bereits vorhandene unterschiedliche Zugangschancen. Von den Befragten mit einfacher Bildung sehen 40 Prozent den Auswirkungen der Digitalisierung auf ihren Alltag mit mehr Befürchtungen als Hoffnungen entgegen. Auch die sich rasant verändernde Informationslage zu Pandemieverlauf und Eindämmungsmaßnahmen lassen sich ohne eigenständiges Lesen kaum erfassen. 31 Prozent der Befragten mit einfacher Bildung fällt es schwer oder sehr schwer, im Zusammenhang mit Corona die Informationen zu erhalten, die sie suchen und brauchen. Unter den höher Gebildeten sagen das nur 15 Prozent. Hauptprobleme sind Fülle, Länge und Komplexität von Information, die nahezu ausschließlich digital verfügbar ist. 

Für die Umfrage wurden vom 28. November bis 10. Dezember 2020 insgesamt 1022 Personen ab 16 Jahren befragt.

 

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/154244/4873476