Mehrsprachigkeit wertschätzen
Uni Bremen: "Forderung nach Abitur-Reform"

(ps) An der Uni Bremen hat eine vom Bundesbildungsministerium beauftragte Forschungsgruppe ihre Ergebnisse zur Frage präsentiert, wie Schulen mit transnationaler Mobilität umgehen können. Eine Kernforderung ist die Anerkennung von Mehrsprachigkeit an den Schulen durch das Anbieten von entsprechenden Sprachprüfungen, selbst wenn die Sprache nicht an der Schule gelehrt wird. Für das Forschungsprojekt wurden auch Schulen im Ausland besucht.

Der Anteil der Schüler*innen mit Migrationshintergrund liegt in Deutschland bei 39 Prozent, der Anteil der Schulabgänger*innen mit Abitur oder Fachhochschulreife und Migrationshintergrund bei etwa 19 Prozent. "Mehrsprachig aufwachsende Kinder machen in westdeutschen Großstädten oft die Hälfte aller Kinder aus", teilt die Forschungsgruppe an der Uni Bremen mit. Viele dieser Schüler*innen sprechen bereits von Hause aus zwei oder mehr Sprachen, selten jedoch besteht die Möglichkeit, dies in Form eines Unterrichtsfaches zu nutzen. Um eine Hochschulberechtigung zu erlangen, müssen diese Jugendlichen allerdings Latein, Französisch oder Spanisch teilweise sogar als vierte oder fünfte Sprache erlernen, neben der Zusatzbelastung eines Unterrichts, der nicht in der Muttersprache abgehalten wird.

Hier bedarf es, laut den Ergebnissen des Forschungsprojekts "Transnationale Mobilität in Schulen (TraMiS)", größere Flexibilität und eine wirkliche Anerkennung der Mehrsprachigkeit. Dabei gehen die Forschenden von dem Gedanken aus, dass bislang der Migrationshintergrund stets als solcher, als in der Vergangenheit liegender Hintergrund betrachtet wurde. Trotz reicher Sprachkenntnisse müssen die Sprachanforderungen des deutschen Lehrplans erfüllt werden, selbst wenn das Kind wohlmöglich nur einige Jahre in Deutschland lebt. "Eine zweite Fremdsprache in der Schule lernen oder eine Sprachprüfung in einer beliebigen Sprache bestehen – das sollte gleichwertig als Voraussetzung für die Allgemeine Hochschulreife anerkannt werden," fasst Senior Researcher Dr. Dita Vogel den Kern eines Reformvorschlags zusammen, der in einem Projekt der Universität Bremen ausgearbeitet und jetzt einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Quellen:

https://www.presseportal.de/pm/100150/5064245

https://tramis.de/wp-content/uploads/2021/11/TraMiSPolicyBrief1_Sprachenpr%c3%bcfung-fin.pdf

https://tramis.de/wp-content/uploads/2021/11/TraMiSPolicyBrief2_Zusammenfassung-fin.pdf

https://www.bpb.de/nachschlagen/datenreport-2021/bevoelkerung-und-demografie/329526/kinder-mit-migrationshintergrund

https://mediendienst-integration.de/integration/bildung.html