Sehnsucht nach Südkorea  
"Koreanische Welle" erreicht neuen Höhepunkt

(ps) Wieder einmal beweisen die Koreaner ihren weltweiten kulturellen Einfluss: nun mit der Serie "Squid Game". Inhaltlich wird sie - ob berechtigt oder unberechtigt steht auf einem anderen Blatt - zum Teil sehr kritisch gesehen. Global feiert sie Erfolge und zieht auch ins echte Leben ein. So werden "Squid Game"-Partys veranstaltet, die Uniformen als Kostüme verkauft, und ein besonders findiger Produzent von Erdmöbeln bietet einen Sarg an, wie er auch in der Serie vorkommt: schwarz mit pinkem Geschenkband. Neben solchen Merkwürdigkeiten gibt es aber auch positive Nebeneffekte: die Nachfrage nach Koreanisch-Sprachkursen ist mit der Serie sprunghaft angestiegen. Auch das Land selbst wird immer interessanter.

111 Millionen Zuschauer in 27 Tagen – es ist die mit Abstand erfolgreichste Netflix-Serie in dessen Geschichte. Der kulturelle Einschlag, den die Serie ausgelöst hat, ist jedoch nur ein weiterer Nachweis der seit Jahren sich haltenden und sogar noch zunehmenden kulturellen Stärke Südkoreas. Über die Zielgruppe hinaus bekannt geworden sind beispielsweise die Riesen-Events, die um Meisterschaften in sogenannten E-Sports abgehalten werden – "elektronischem Sport", also Computerspielewettbewerben. Hier gilt Südkorea als "Mekka". Und nicht zuletzt der K-Pop, meist eine schwer zu beschreibende Melange süßlich-androgyner Boy- und kindlich-plastikhafter Girlbands, die zu kräftigen elektronischen Beats tanzen. Das Rap-Lied "Gangnam Style" brach 2012 alle Rekorde und sogar der – allerdings koreanische – UNO-Generalsekretär ließ sich zu einer Tanzeinlage hinreißen.
 
Dabei ist all das durchaus nicht nur Zufall. Nachdem sich in den späten 1990er Jahren insbesondere koreanische Serien im asiatischen Raum großer Beliebtheit erfreuten, nutzten die koreanischen Kulturbehörden die Gunst der Stunde und fördern seither gezielt Produktionen aller Art für den ausländischen Markt. Zunächst gerichtet speziell auf Asien, doch schon seit einiger Zeit auch für den weltweiten, v.a. westlichen Markt. Über aggressives Product Placement in jenen werden auch koreanische Konsumartikel popularisiert. Von den "klassischen" Exportschlagern wie Technik, Computern und Automobilen ganz zu schweigen.
 
Doch Korea ist nicht nur ein erfolgreicher Güter- und Kulturexporteur. Das Land rückt immer stärker auch in den Fokus, wenn es um Studium, Arbeit und Karriere geht. Aufgrund der im Vergleich zu Englisch oder Spanisch relativ anspruchsvollen sprachlichen Hürde zwar noch auf vergleichsweise geringem Niveau, jedoch mit Nachdruck. Das BIP Koreas befindet sich seit 1980 auf einer fast ungebrochenen Aufwärtskurve. Und die Verbindungen zur deutschen Wirtschaft wachsen: Erst 2020 ist Deutschland zum viertgrößten Importland Südkoreas aufgestiegen – nur geschlagen von China, den USA und Japan. So liegt es im Interesse beider Seiten, gut ausgebildete und kulturell geschulte Kontaktmenschen zu haben.
 
Beispielsweise die große Sprachlern-App Duolingo meldete nach dem Start von "Squid Game" einen sprunghaften Anstieg, in den ersten zwei Wochen in den USA um 40 Prozent, in Großbritannien um 79 Prozent. Bei Duolingo ist Koreanisch nach Hindi die am stärksten nachgefragte Sprache. Doch auch analog kann Koreanisch erlernt werden. Seit 1974 gibt es die "Koreanischen Schulen in Deutschland e.V.", die inzwischen in 28 Städten vertreten sind. Neben Vollunterricht für koreanische Kinder bieten die meisten Schulen auch Koreanisch-Kurse für Erwachsene ab 16 Jahren an. Daneben sind natürlich die Volkshochschulen eine Anlaufstelle.
 
Guten Einblick in die koreanische Kultur bieten auch Freiwilligendienste vor Ort. Als eines der wenigen christianisierten Länder Asiens bieten die kirchlichen Träger hier einige Angebote. Auch über einschlägige Volunteer-Vermittler wie ICYE werden Stellen angeboten, sowie von einigen schulischen Trägern wie beispielsweise den Waldorfschulen. Hier kann sogar ein FSJ im Kindergarten gemacht werden. Auch beispielsweise die "Deutsche Schule Seoul International" sucht regelmäßig Praktikant*innen für den Grund- und Sekundarschulbereich, für ein halbes oder ganzes Schuljahr. Immer sind bestehende Koreanischkenntnisse natürlich von Vorteil, aber nicht immer zwingende Voraussetzung. Hier lohnt sich eine Recherche.
 
Schon schwieriger wird die Sache bei Auslandssemestern oder Auslandsstudium in Korea. Obwohl es auch englischsprachige internationale Studiengänge gibt, ist schlicht schon aus praktischen bzw. organisatorischen Gründen eine gute Sprachkenntnis unabdingbar. Fließendes Englisch als Ausweichsprache ist ebenfalls sehr hilfreich und wird von den meisten jungen Koreaner*innen auch verstanden. Die koreanischen Universitäten erheben Studiengebühren, die sich zwischen 1.300 und 11.000 Euro bewegen – je nach Studiengang. Es gibt allerdings auch verschiedene Stipendienprogramme. Einen guten Überblick über die Möglichkeiten und Voraussetzungen hat der DAAD zusammengestellt. Trotz mancher Unterschiede in den Studiensystemen lohnt sich also ein Blick auf die 220 koreanischen Universitäten.
 
 
 
Quellen:
https://www.daad.de/de/laenderinformationen/asien/suedkorea/studieren-und-leben-in-der-republik-korea/
https://www.studyinkorea.go.kr/en/main.do
https://www.dsseoul.org/stellen/praktikum/
https://www.icye.ch/de/freiwilligenarbeit-ausland/informationen/laender-projekte/freiwilligenarbeit-asien/suedkorea
https://www.freunde-waldorf.de/freiwilligendienst/fsj-weltweit/asien/
https://www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/jugendliche/Freiwilligendienste/ICJA
https://www.cash.ch/news/politik/streaming-erfolg-der-netflix-serie-squid-game-macht-koreanisch-populaer-1836800
https://www.gtai.de/gtai-de/trade/wirtschaftsumfeld/bericht-wirtschaftsumfeld/suedkorea/deutschland-wird-zum-viertwichtigsten-lieferland-suedkoreas-534116