Was radikalisiert junge Menschen?
... und wie können sie im Schulunterricht im Sinne der Demokratie erreicht werden?

Rechts, links, islamistisch: Was bringt junge Menschen in Deutschland dazu, sich politisch abzugrenzen und sich zu radikalisieren? Welche Dynamiken entstehen? Diese Fragen untersucht ein über mehrere Jahre angelegtes Verbundprojekt* unter Beteiligung des Georg-Eckert-Instituts-Leibniz-Institut für Internationale Schulbuchforschung (GEI), informiert dieses in einer Pressemitteilung. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Riem Spielhaus vom GEI untersucht zusammen mit Teams der Universitäten Duisburg-Essen, Leipzig und Osnabrück, wie sich die Radikalisierung des Islams, seine pauschale Ablehnung und antidemokratische Mobilisierung immer enger verzahnen.

Warum können die Konflikte nicht so einfach gelöst werden?

„Das große Problem ist, dass einige Jugendliche auf diese Radikalisierungsspirale anspringen und sich im Zuge dessen von der Demokratie abwenden. Wann und warum das so ist und warum man diese Konflikte nicht so einfach lösen kann, interessieren das Forschungsteam besonders“, so die Verbundprojektleiterin Prof. Dr. Susanne Pickel von der Duisburg-Essen. 

„Schulbücher bieten eine besondere Chance, junge Menschen zu erreichen und zu stärken, und sie dabei zu unterstützen, sich mit gesellschaftlich relevanten, brisanten oder sogar polarisierenden Themen auseinanderzusetzen. Dazu gehört aktuell auch und besonders das Thema Islam. Umso wichtiger ist es daher, die Inhalte von Bildungsmedien in den Blick zu nehmen,“ erklärt die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus.

Spätestens seit dem 9/11 - Anschlag haben Terroranschläge weltweit für ein negatives Bild vom Islam gesorgt, heißt es vom GEI weiter. Rechtspopulisten und Rechtsextreme greifen dies auf und bauen „den Islam“ und „die Muslime“, die sie unter Generalverdacht stellen, als ein neues Feindbild auf. Islamistische Radikalisierungstendenzen basieren wiederum auf Ausgrenzungserfahrungen und extremistischen Lesarten des Korans und unterfüttern mit Gewalttaten die Islamfeindlichkeit.

Welche Anregungen können für den Unterricht gegeben werden

Das am Georg-Eckert-Institut angesiedelte Teilprojekt zielt daher darauf ab, Anregungen für auf den Islam bezogene Unterrichtseinheiten zu geben, die geeignet sind, der gegenwärtigen Verflechtung religionsbezogener und politischer Diskurse Rechnung zu tragen und, (Co-) Radikalisierungstendenzen wirksam zu begegnen. „Uns liegt daran,“ so Riem Spielhaus weiter „die Ergebnisse aus der Radikalisierungsforschung im Verbundprojekt direkt in die Redaktionen der Bildungsmedienverlage zu vermitteln.“