Washington und Biden: Zwei Männer des Ausgleichs
Erster US-Präsident wollte durch ehrenvolle Handlungen sich Respekt verschaffen

(hrs) Am 20. Januar 2021 wird Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in die Fußstapfen treten, die 232 Jahre zuvor George Washington geebnet hatte. Beide Männer ähneln sich in dem Bestreben, die innenpolitischen Spannungen auszugleichen und in der Außenpolitik als verlässlicher Partner aufzutreten.

In seiner Jugend nahm Washington die Erkenntnis in sich auf, "die größte menschliche Leistung darin zu sehen, durch ehrenvolle Handlungen den Respekt der eigenen Landsleute zu gewinnen“, wie die Politologin Shelley Ross 1989 in einem Buch über die amerikanische Politik darlegte.

1789, als Washington im Alter von 57 Jahren sein erstes Präsidentenamt antrat, war sein Land durch jahrelange kriegerische Auseinandersetzungen zerrissen. Der Historiker Fritz Wagner beschrieb in einem Aufsatz über die Anfänge der USA die Situation der ersten Jahre: „Kraftvolles Ausgleichen und Unerschütterlichkeit des Beharrens waren die unentbehrliche Mitgift George Washingtons, während die Initiativen aus dem Kreis der engsten Mitarbeiter, die er sich wählte, aus dem ‚Kabinett‘ seiner Staatssekretäre stammten und sich alsbald in dramatischen Gegensätzen entluden.“

Die Zeitläufte stellten Washington über mehrere Jahre an die Spitze der amerikanischen Befreiungsarmee, die er zum Sieg über militärische in- und besonders ausländische Interessengruppen führen sollte. Diese Aufgabe zwang ihn mitunter zu aggressiver Härte.
 

Im Unabhängigkeitskrieg wollte Washington nur seine Ausgaben ersetzt bekommen

Als er 1775 zum Kommandierenden General im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ernannt wurde, erklärte er in seiner Antrittsrede: „Zur Bezahlung (...) möchte ich dem Kongress versichern, dass, da keine finanziellen Erwägungen mich bewogen haben können, dieses schwierige Amt auf Kosten meines häuslichen Friedens und Glücks zu übernehmen, ich auch nicht wünsche, davon irgendwie zu profitieren. Ich werde eine exakte Aufstellung meiner Ausgaben führen. Diese, daran habe ich keinen Zweifel, werden mir ersetzt werden, und das ist alles, worum ich bitte.“ Washington drängte sich nach dem militärischen Sieg 1783 nicht als Präsident auf. Er zog sich weitgehend ins Privatleben zurück. Ein Schritt, den er in einem Brief als "Rückkehr zu sich selbst" bezeichnete. 1792 wurde er dann sogar für eine zweite Amtszeit zum US-Präsident gewählt.

Bereits seit 1752 gehörte Washington, wie weitere Gründer der Vereinigten Staaten, einer Freimaurer-Loge an. In einem Brief, den er ein Jahr vor seinem Tod Ende 1799 an die Großloge von Maryland schrieb, kommt wieder seine noble Einstellung zum Ausdruck: „Soweit ich mit den Lehren und Prinzipien der Freimaurerei vertraut bin, verstehe ich sie in der Wohltätigkeit begründet und sie nur zum Wohle der Menschheit auszuüben. Dem kann ich daher, aus diesem Grunde, nicht meine Zustimmung entziehen.“
 

Thomas Jefferson: Washington war ein weiser, guter, großer Mann

Einer seiner Weggefährten, schließlich nach John Adams (1797-1801) von 1801-1809 der dritte US-Präsident, schrieb über Washington die Worte: „Seine Integrität war die reinste, seine Rechtsauffassung die unbedingteste, die ich je erlebt habe. Keine Motive des Interesses oder der Blutsverwandtschaft, von Freundschaft oder Hass waren fähig, seine Entscheidung zu beeinflussen. Er war in der Tat, in jeder Hinsicht der Worte, ein weiser, ein guter und ein großer Mann.“

Große Worte! Es bleibt abzuwarten, inwieweit es Joe Biden gelingen wird, diesen zu entsprechen. Von seiner Körpergröße her gesehen - er soll 1,83 Meter groß sein - fehlen ihm nur fünf Zentimeter bis zu den 1,88 Metern, die Washington nachgesagt werden.