Welche Chancen kann mir schon die Uckermark bieten?
Bei Zukunftsprojekten liegt eine der dünn besiedelsten Regionen Deutschlands ganz weit vorn

(hrs) Der Münchner Ökologe Joseph H. Reichholf entwarf vor annähernd 30 Jahren eine neue Sicht auf die Evolution. Seine zentrale These lautete: Der Fortschritt entwickelt sich im Spannungsfeld von Mangel und Überschüssen. Der biologische oder ökonomische Mangel gebiert Vielfalt. Aus der Vielfalt schälen sich einzelne besonders erfolgreiche Projekte heraus, die Überschüsse erzeugen. Überschüsse sind die Voraussetzung für ganz neue Konzepte.

Die Uckermark ist nicht reich gesegnet an einschlägigen Pluspunkten, die für wirtschaftliche Prosperität stehen, wie höherer Bevölkerungsdichte, guter Verkehrsanbindung und wissenschaftlichen Instituten. Im Wikipedia-Lexikon ist zu lesen: "Die Uckermark gilt als eine der strukturschwächsten und am dünnsten besiedelten Regionen der Bundesrepublik Deutschland."

Welche Chancen bietet diese Region schon jungen Menschen, die sich eine sichere, schöne Zukunft aufbauen wollen? Schlagworte, die die wirtschaftlichen Chancen von morgen symbolisieren, sind etwa "Solarenergie", "Grüner Wasserstoff" und auch "Nachhaltige Materialwirtschaft". Auf alle diese drei Worte, welcher Fremde könnte das ahnen, hört die Uckermark besonders gut.

Das weltweit erste grüne Hybridkraftwerk - schon seit 10 Jahren

Projekt 1: In Prenzlau steht das weltweit erste Hybridkraftwerk, das aus Solarenergie und Windkraft Strom erzeugt - unter Nutzung von Wasserstoff als Zwischenspeicher. Bereits seit rund zehn Jahren.

Projekt 2: An vielen Orten in Deutschland entstanden vor zehn, fünfzehn Jahren große Solarzellenfabriken. Die meisten konnten sich auf dem Weltmarkt nicht behaupten. Anders eine Firma, die ebenfalls in Prenzlau, dem Hauptort der Uckermark, beheimatet ist - mit 300 Beschäftigten.

Projekt 3: Bauen mit dem Naturstoff Hanf, in Nordostbrandenburg angebaut - darauf ist ein 1996 gegründetes Unternehmen, als Genossenschaft organisiert, spezialisiert. Nebenan etabliert sich ein Handel, der auf Baustoffe aus Lehm, Hanf, Holz, Schilf, Kork und Naturfarben eingestellt ist.

Im "offiziellen" Gebietsranking belegt die Uckermark einen der letzten Plätze

Laut eines Gebietsrankings, im Drei-Jahres-Turnus veröffentlicht von einem Wirtschaftsforschungsinstitut, belegt die Uckermark regelmäßig einen der hintersten Plätze in der Bundesrepublik. Der aufmerksame Besucher entdeckt und erlebt eine seen- und waldreiche Gegend mit durchaus zahlreichen kulturellen Attraktionen. Die reizvolle Mischung aus Natur und Kultur zieht Menschen an. Nicht wenige Visionäre, Pioniere, Existenzgründer*innen verfolgen von Ort zu Ort in der Uckermark - jenseits vom Getöse der Megastädte - ihre Pläne.

Wer den Trubel will: Stettin und Berlin liegen auch nur eine halbe bis eineinhalb Auto- bzw. Bahnstunden entfernt.

Im Kontext einer naturschonenden Marktwirtschaft steinreich

Die Vorreiterrolle, die die Region bei einigen Zukunftstechnologien schon spielt, könnte sie bald groß heraus bringen. Ganz im Sinne von Reichholf: "Nicht das langsame Sich-Nähern kennzeichnet die Wirkungs- und Funktionsweise des Denkens, sondern das unvermittelte Erfassen, das Erkennen neuer Zusammenhänge." Und der Evolutionstheoretiker fährt fort: "Die großen Durchbrüche, die Neuerungen", betont er, "beruhen auf der plötzlichen Nutzung von Überschüssen." An Überschüssen im Kontext einer naturschonenden Marktwirtschaft ist die Uckermark steinreich.