Zahl der Studiengänge auf Rekordhoch  
Ausdifferenzierung birgt Vor- und Nachteile

 

(ps) Die Zahl der Studiengänge in Deutschland ist auf einem Rekordhoch angelangt, wie jüngst eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung gGmbH der Bertelsmann-Stiftung ergab. Auch die Zahl der Studierenden ist so hoch wie nie. Damit setzt sich der Trend zum Studium weiter fort. Seit 2009 übersteigt die Zahl der Studierenden jene der Auszubildenden. 2020 standen einem Azubi bereits 2,3 Studierende gegenüber.
  
Vierzehn Prozent mehr Studiengänge in den letzten fünf Jahren – zu diesem Ergebnis kommt das Centrum für Hochschulentwicklung in einer aktuellen Untersuchung. Damit werden heute über 21.100 Studiengänge an den Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland angeboten. So setzt sich ein andauernder Trend weiter fort. Die Ursachen sind vielfältig: teilweise wurden Ausbildungsberufe, insbesondere im medizinischen Bereich, in Studiengänge überführt. Auch die Auswirkungen der Umstellung auf das Bachelor-/Master-System sind noch spürbar.
 
Allgemein ist der größte Zuwachs an neuen Fächern an privaten Fachhochschulen zu verzeichnen. Die Gründe hierfür sind laut Studie das begrenzte Angebot an grundständigen Studiengängen – so muss dann mit guten Spezialisierungen geglänzt werden. Auch die Namen der neuen Studiengänge wurden analysiert und es zeigt sich, dass insbesondere englische Namen im Trend liegen. In den vergangenen zwei Jahren waren mehr als ein Drittel englisch. Die Schlagworte "Management", "digital" und "Sustainability" waren dabei besonders prominent. Rund 19 Prozent aller neuen Studiengänge enthielten beispielsweise den Begriff "Management".
 
"Die Hochschulen versuchen sich voneinander abzugrenzen, insbesondere im Masterstudiengang. Was früher Vertiefungsrichtungen waren, wird jetzt als eigener Studiengang angeboten", kommentiert Studienautor Cort-Denis Hachmeister im "Deutschlandfunk Nova". Neben den Vorteilen vertiefter Studiengänge bringt dies allerdings auch Probleme mit sich. So bestehe die Gefahr, dass sich die Studiengänge zu sehr verschulen. Auch würden es sehr spezialisierte und seltene Studiengänge bei Bewerbungen nicht immer einfach machen. Unternehmensberaterin Monika Becker mahnt ebenfalls im "Deutschlandfunk Nova", manche ihrer Kund*innen würden bei den Studienabschlüssen mancher Bewerber*innen nicht mehr "durchsteigen".
 
Auf der anderen Seite steht dem Zuwachs an Studiengängen der Zuwachs an Studierenden gegenüber. Etwa 2,95 Millionen Studierende waren 2020/21 an Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben, nach der Wiedervereinigung 1991 waren es über eine Million Studierende weniger. Erstmals gesprengt wurde die 2-Millionen-Marke 2003 und seit 2008 wird sie nicht mehr unterschritten. Standen aber 2003 einem hauptberuflichen Professor noch 53 Studierende gegenüber, so waren es 2020 schon knapp 60.
  
Quellen:
 
https://www.che.de/download/studiengaenge-2021/?ind=1637052861321&filename=Die_Vielfalt_der_Studiengaenge_2021-1.pdf&wpdmdl=19833&refresh=6194ff2f13cab1637154607 
 
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/studium-rekord-an-studienangeboten-masterstudiengaenge-mit-spezialisierung 
 
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_497_213.html 
 
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/04/PD21_187_212.html 
 
https://de.statista.com/infografik/1887/zahl-der-studierenden-und-auszubildenden/ 
 
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/lrbil01.html 
 
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/160365/umfrage/professoren-und-professorinnen-an-deutschen-hochschulen/