Andersartigkeit macht Sinn
"Du machst mich wahnsinnig" - vocatium Akademie zum Umgang mit schwierigen Menschen

 

(kic) 30 Personen unterschiedlichster Berufe treffen sich am 13. Januar 2020 in einem Tagungsraum in Göttingen. Einige kennen sich untereinander, arbeiten miteinander, die meisten aber nicht. Doch eines haben sie gemeinsam: Das Thema des Abends hat sie zusammengebracht. Es heißt „Du machst mich wahnsinnig“ - zum Umgang mit schwierigen Menschen. Kann Coach Martin Lennartz ihnen im Rahmen der vocatium Akademie des IfT Institut für Talententwicklung ein Patentrezept mit auf den Weg geben?

Zufall oder nicht? Nur vier der Anwesenden sind Männer. Die erste Frage, die sich stellt, ist also „haben Frauen mehr Probleme mit schwierigen Menschen“? Vielleicht stören sie sich einfach mehr daran, kommt eine Vermutung aus dem Plenum.

Doch was bedeutet „schwierig“ überhaupt? Zur Einführung wird ein Gleichnis vorgelesen. „Die Interpretation entsteht in den Köpfen der Menschen“, erklärt der Coach. Und dann hält er uns den Spiegel vor. Wir sollen unserem Sitznachbarn erklären, was uns selber schwierig macht.

Martin Lennartz lässt uns erkennen, dass jeder ein Stück schwierig ist. Ist es zum Beispiel der nörgelnde Chef, der uns in den Wahnsinn treibt, dann sollten wir uns fragen, rede ich mit der Person oder mit seiner Rolle? „Ein Vorgesetzter hat die Rolle, unbequem zu sein. Rollen, die schwierig sind, veranlassen auch dazu, schwierig zu sein“, erklärt Martin. Es sei die Art der Zusammenarbeit, die Interaktion, die sich oftmals problematisch gestalte, nicht das, was der einzelne Mensch sei. „Muss ich den Menschen oder die Struktur ändern?“, fragt Martin und löst auf: „Man kommt viel weiter, wenn man die Strukturen verändert. Man kann keinen Menschen verändern - auch ich als Coach nicht!“ Dann geht er auf Grundregeln der Kommunikation ein.

„Zwei Gehirne können nichts austauschen. Es sind Geräusche, die sie verarbeiten und interpretieren. Alles, was wir wahrnehmen, geht durch unser Gehirn. Jeder entwickelt eigene Interpretationsmuster. Umso mehr gemeinsame Erlebnisse man hat, desto besser versteht man sich untereinander. Je weniger wir uns kennen, desto mehr wird interpretiert – geprägt durch unterschiedliche Lebenserfahrungen.“

Wir sähen die Welt aus unserer Perspektive, alles drehe sich um uns selbst. Aber: „Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt. Und wir haben Grenzen. Ein anderer Mensch kann uns helfen, unsere Grenzen zu durchbrechen. Schwierigkeiten sind ein Anstoß. Multiperspektivität ist wichtig für die Lösung von Problemen!“

Dann bringt Martin den „Arsch-Engel“ ins Spiel. Laut dem Selbsthilfe-Coach Robert Betz sind diese Mitmenschen Engel auf unserem Weg. Sie wollen uns helfen, die Wahrheit über uns herauszufinden. „Der Arsch-Engel sagt etwas aus über unsere geheimen Wünsche, unsere Schwächen. Durch ihn kann man viel über sich lernen. Vielleicht würden wir uns ja gern eine Scheibe von dem für uns schwierigen Gegenüber abschneiden...“, regt Martin die Diskussion an.

Eingehend auf das Thema Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten, erklärt der Coach abschließend „Nicht die Hierarchie ist das Problem, sondern die formale Macht. Steuern ist ein Machtding, Führen dagegen mit Anerkennung verbunden.“ Der erste Schritt bei Problemen sei immer, eine Lösung zu finden. Jeder sei für sein Handeln selbst verantwortlich. Zum Gefühl der Ohnmacht ergänzt Martin: „Sein eigenes Verhalten fremd bestimmen zu lassen, ist falsch. Es gibt immer eine andere Möglichkeit. Selbstreflexion ist wichtig. Und man muss es auch mal aushalten können, wenn etwas schief geht. Und bereit sein, aus dem was passiert, zu lernen.“

Und das Fazit des Abends: Es gibt kein Patentrezept! Wir sind alle anders und Andersartigkeit macht Sinn für Problemlösungen. Es nützt nichts, darüber zu jammern, dass andere schwierig sind. „Es ist wichtig, das Heft des Handelns in die eigene Hand zu nehmen. Der andere ist wie er ist. Wir müssen ein Rollenbewusstsein entwickeln. Ich habe das Problem mit der anderen Person, bin selbst verantwortlich für das, was ich denke. Der einzige Mensch, den ich ändern kann, bin ich selbst!“

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