„Berufsorientierung für Flüchtlinge“ (BOF) wird fortgesetzt
Berufsbildungsstätten können jetzt Neuanträge stellen - BOF-Kurse bieten Teilnehmenden Einblicke in bis zu drei Ausbildungsberufe

 

Überbetriebliche und vergleichbare Berufsbildungsstätten (ÜBS) können jetzt neue Anträge innerhalb des Programms „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ (BOF) beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) stellen. Mit der Ende Dezember 2019 veröffentlichten, neuen Förderrichtlinie lassen BOF-Kurse sich nun bis Ende 2021 anbieten.

In den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten, 13- bis 26-wöchigen BOF-Kursen werden nicht mehr schulpflichtige Geflüchtete und Zugewanderte mit besonderem Förder- und Sprachunterstützungsbedarf in Lehrwerkstätten und Betrieben gezielt auf eine Berufsausbildung vorbereitet. Das BOF-Programm wird durch die Programmstelle „Berufsorientierung“ im BIBB fachlich und administrativ begleitet.

Die Zahl der Ausbildungsstellenbewerber*innen mit Fluchthintergrund nahm in den letzten Jahren stetig zu. Mit rund 38.100 Bewerber*innen erreichte sie auch 2019 in etwa das Niveau des Vorjahres. Wegen der insgesamt sinkenden Gesamtnachfrage nach Ausbildungsplätzen bedeutet dies, dass der Anteil der Personen mit Fluchthintergrund an den Bewerber*innen um Ausbildungsstellen sogar gestiegen ist.

Die Quote der Bewerber*innen mit Fluchthintergrund, die in eine betriebliche oder schulische Ausbildung gestartet sind, liegt jedoch unter dem bundesweiten Durchschnitt. Während rund 50% der Bewerber*innen ohne Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz erhalten, gelingt dies bei vorliegendem Fluchthintergrund mit 35,2% nur etwas mehr als einem Drittel. Die BOF-Kurse haben das Ziel, dieses Potenzial weiter zu fördern und damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

BOF-Kurse bieten den Teilnehmenden umfassende Einblicke in bis zu drei Ausbildungsberufe. Durch sprach-und berufsbezogenen Fachunterricht werden sie gezielt auf die Anforderungen in der Berufsschule vorbereitet. Anschließend unterstützt  eine individuelle sozialpädagogische Begleitung die anschließende Vermittlung in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung. Bislang haben bundesweit rund 3.300 Zugewanderte die BOF-Kurse genutzt. Von den Absolvent*innen konnte anschließend rund die Hälfte in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung vermittelt werden.

Die überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungszentren prüfen vorab, ob die interessierten jungen Menschen die Voraussetzungen für die angestrebte Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung mitbringen. Um die Ausbildungspraxis hierbei zu unterstützen, hat das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) im Auftrag des BIBB Kriterien definiert und mögliche Auswahlverfahren analysiert. Ein entsprechender BIBB-Leitfaden erscheint Anfang Februar 2020.

Auch für den sprach-und berufsbezogenen Fachunterricht werden die Berufsbildungszentren mit Fortbildungen unterstützt. Das BIBB brachte hier ebenfalls seine Expertise ein und bewertete Konzepte zum integrierten Fach-und Sprachenlernen in Programmen der Berufsorientierung und -vorbereitung für Geflüchtete und Zugewanderte.

Weitere Informationen:

Förderrichtlinie, Teilnahmevoraussetzungen, Antragsunterlagen und Ansprechpersonen für Nachfragen unter https://www.berufsorientierungsprogramm.de/angebote-fuer-fluechtlinge.html

Erfahrungsberichte aus den Projekten

Der BIBB-Leitfaden „Berufsorientierung und -vorbereitung für Zugewanderte -Praxisleitfaden für die Auswahl von Teilnehmenden“ ist ab Anfang Februar abrufbar und kann ab sofort vorbestellt werden unter: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/10824

Informationen zu den Ergebnissen der Expertise

Informationen zur BIBB-Expertise „Integriertes Lernen von Sprache und Fach in der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung von Geflüchteten