Deutsch-Französisches Zukunftswerk startet
IfT: Kooperation mit College Pablo Picasso in Montfermeil / Historische familiäre Bezüge

(hrs) Jetzt nimmt die deutsch-französische Zusammenarbeit neue Formen an: Wie beim Treffen des französischen Staatspräsidenten Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Merkel am 22. Januar 2019 im "Aachener Vertrag" beschlossen, will ein neues "Deutsch-Französisches Zukunftswerk" einen verstärkten Austausch zwischen Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft herbeiführen. Die neue Einrichtung hat ihren deutschen Sitz in Potsdam.

Den Impuls des Treffens von Aachen hatte das IfT Institut für Talententwicklung direkt im Frühjahr 2019 aufgegriffen und eine eigenständige Kooperation mit einer französischen Schule begonnen. "Per Zufallsgenerator" fiel die Wahl auf das College Pablo Picasso in Montfermeil, einer Kleinstadt nahe Paris. Vom 13.-17. Mai 2019 besuchten 8 Schüler*innen der Schule auf Einladung des IfT die Region Ostprignitz-Ruppin, um mit jungen Menschen aus Neuruppin und Neustadt (Dosse) ins Gespräch zu kommen. Auf dem Reiseprogramm stand auch ein Besuch von Berlin. Diese Kooperation ist infolge der Coronakrise unterbrochen worden, soll aber fortgesetzt werden.

Deutsch-Französisches Jugendwerk: Neun Millionen junge Menschen profitierten bisher

In Berlin wirkt seit 57 Jahren das Deutsch-Französische Jugendwerk. Diese staatliche Organisation hat seit 1963 schon über neun Millionen jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich die Teilnahme an über 376.000 Austauschprogrammen und Begegnungen ermöglicht.

Anfang Juli 2020 erklärte zum Start des neuen Deutsch-Französischen Zukunftswerks der Ko-Vorsitzende des Lenkungskreises und Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Wolf-Dieter Lukas: „Die Pandemie hat uns allen in den letzten Monaten viel abverlangt. Zugleich hat die Ausnahmesituation der vergangenen Wochen und Monate aber auch Kräfte in der Gesellschaft freigesetzt: Zahlreiche Menschen haben sich in Initiativen vor Ort engagiert und gezeigt, wie auch größte Herausforderungen durch gesellschaftlichen Zusammenhalt bewältigt werden können. Daraus wollen wir von- und miteinander für die Zukunft lernen. Und dafür ist das Deutsch-Französische Zukunftswerk genau die richtige Dialogplattform. Das Zukunftswerk wird Bürgerinnen und Bürger und Expertinnen und Experten beider Nationen miteinander vernetzen, um grundlegende gesellschaftliche Fragen miteinander zu diskutieren. Wir brauchen den deutsch-französischen Motor gerade auch während der EU-Ratspräsidentschaft, um eine nachhaltige Zukunft für Europa zu gestalten."

Das deutsch-französische Zukunftswerk wird derzeit an zwei Standorten aufgebaut - in Potsdam durch das „Institute for Advanced Sustainability Studies“ (IASS e.V.) und in Paris durch den Think Tank „France Stratégie“.

Potsdam: Eine Drehscheibe der deutsch-französischen Beziehungen

Potsdam spielt neben vielen anderen deutschen Städten wie etwa Aachen und Saarbrücken in der deutsch-französischen Geschichte eine besondere Rolle. Zwei Beispiele:

  • Das "Edikt von Potsdam", 1685 vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen, bot den damals in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten protestantischen (den sogenannten hugenottischen) Bürgern an, sich frei und sicher in seinem Land niederzulassen. Etwa 20.000 Franzosen folgten diesem Angebot. Ein Ergebnis: Die 1689 erfolgte Begründung des Französischen Gymnasiums in Berlin.
  • Zudem kultivierte Friedrich II. (der Große) knapp 60 Jahre später während seiner Regierungszeit einen intensiven Dialog mit französischen Dichtern und Denkern, zu denen namentlich Voltaire gehörte, die auch im Potsdamer Schloss Sanssouci seine Gäste waren.

In Bad Karlshafen besteht seit 1980 das Deutsche Hugenottenmuseum

Insgesamt waren infolge der Repressalien gegen die Hugenotten 200.000 französische Bürger aus Frankreich geflohen. 40.000 bis 50.000 nach Deutschland. Neben Brandenburg waren weitere Ansiedlungsgebiete Baden, Franken, Hessen-Kassel, das Rhein-Main-Gebiet und Württemberg. Über die Flüchtlinge entwickelten sich enge familiäre Beziehungen zu ihrem Heimatland. In Nordhessen, in Bad Karlshafen, besteht seit 1980 das Deutsche Hugenottenmuseum. Die Stadt wurde 1699 durch den Landgrafen Carl zur Aufnahme von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich gegründet.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verdüsterten sich die Beziehungen von Deutschland und Frankreich infolge mehrerer Ereignisse und Entwicklungen. Es ist für beide Länder sehr erfreulich, dass die dunklen Kapitel der Geschichte seit über 70 Jahren der Vergangenheit angehören.