Deutsche UNESCO-Kommission fordert Programm zur Förderung inklusiver Bildung
Inklusive Gestaltung von Übergängen zwischen den Bildungsstufen entscheidend

Im deutschen Bildungssystem sind die Chancen ungleich verteilt. Um allen Menschen Zugang zu hochwertiger Bildung zu geben, fordert die Deutsche UNESCO-Kommission ein umfassendes Programm zur Förderung inklusiver Bildung in Deutschland. Der Expertenkreis Inklusive Bildung der Kommission hat dazu ein Empfehlungspapier erarbeitet, um inklusive Bildung schrittweise über die gesamte Bildungsbiografie zu stärken. In dem Papier empfiehlt der Expertenkreis, Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bund und Ländern für den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems zu nutzen und Bildungsbudgets in den Kommunen zu bündeln.

„Inklusive Bildung ist wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft“, betont Ute Erdsiek-Rave, Vorsitzende des Expertenkreises Inklusive Bildung. „Von der frühkindlichen Bildung bis in die Arbeitswelt müssen wir die Übergänge zwischen den verschiedenen Bildungsstufen besser gestalten“, so Erdsiek-Rave weiter. „Die Lockerung des Kooperationsverbots bietet in diesem Zusammenhang große Chancen. Bund, Länder und Gemeinden müssen zusammenarbeiten, um inklusive Bildung schrittweise umzusetzen.“

Übergänge besser gestalten

In dem Empfehlungspapier spricht sich der Expertenkreis der Deutschen UNESCO-Kommission für eine bessere regionale und lokale Vernetzung der Bildungsträger aus. Um Kindern und Jugendlichen den Übergang vom Elementar- in den Primarbereich bis hin zu Arbeit und Studium zu erleichtern, sollen regionale Förderzentren Bildungseinrichtungen beraten und vernetzen. Zudem müsse die „Ausbildung der Ausbilder“ inklusionspädagogisch weiterentwickelt werden.

Die Expert*innen betonen, dass die Qualität der Bildungsinfrastruktur künftig durch bundesweite Standards abgesichert werden muss. Dazu zähle die Barrierefreiheit ebenso wie die Ausstattung mit Personal und Lehrmaterial. Außerdem sollten unterschiedliche Finanzierungen in Bildungsbudgets auf kommunaler Ebene zusammengeführt werden.

Zugang zu Kita und Recht auf Ausbildung

In drei gesonderten Abschnitten formuliert der Expertenkreis Empfehlungen für die besonderen Ansprüche frühkindlicher Bildung, Schule und den Übergang in Beruf und Arbeitswelt. So sollten Zugangsbarrieren zu Krippe und Kita identifiziert und abgebaut werden. Zudem müsse beim Übergang in die Grundschule der individuelle Unterstützungsbedarf einzelner Kinder stärker berücksichtigt werden.

Im Ausbau von Ganztagseinrichtungen sehen die Expert*innen ein großes Potenzial für mehr inklusive Bildung im Schulbereich. Inklusion lasse sich dort am wirksamsten umsetzen. Sie fordern zudem, die Personalplanung zwischen Bund, Ländern und Kommunen besser abzustimmen und multiprofessionelle Teamarbeit strukturell zu verankern. So seien neben pädagogischen auch psychologisch und therapeutisch geschulte Fachkräfte für eine gelungene Inklusion wichtig.

Auch am Übergang zwischen Schule und Beruf müsse deutlich mehr getan werden, um mehr junge Menschen in Beruf und Ausbildung zu bringen. So solle ein Recht auf Ausbildung geschaffen werden, das jungen Menschen berufliche Perspektiven eröffnet. Zudem empfehlen die Expertinnen und Experten, Betriebe zu unterstützen, die sich für Menschen mit Behinderung oder Benachteiligung öffnen. Eine regionale oder kommunale Beratung und Begleitung am Übergang in die Arbeitswelt sei entscheidend, um alle jungen Menschen zu erreichen.

Hintergrund: Inklusive Bildung bedeutet, dass alle Menschen an qualitativ hochwertiger Bildung teilhaben und ihr Potenzial voll entfalten können. Ein inklusives Bildungssystem ist Kernelement einer chancengerechten Bildung für alle Menschen, wie sie von den Vereinten Nationen mit der Agenda Bildung 2030 (Ziel 4 der Globalen Nachhaltigkeitsagenda) und der von Deutschland 2009 ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird.