Die Berufswahl: Erfinde deine Zukunft
Motorenpionier Rudolf Diesel als ein „Vater der Berufsorientierung“ …

(hrs) Wie entsteht eine (Berufswahl-)Idee? „Mag sein, dass sie manchmal blitzartig auftaucht, meistens wird sie sich aber durch mühevolles Suchen aus zahllosen Irrtümern langsam herausschälen, sich allmählich durch Vergleiche, Ausscheiden des Wichtigen vom Unwichtigen, mit immer größerer Deutlichkeit dem Bewusstsein aufdrängen, bis sie endlich klar vom Geiste geschaut wird.“

Die vorstehenden Zeilen brachte 1913 Rudolf Diesel zu Papier. Nur auf das Entstehen einer Idee gemünzt. Wer den Text heute liest, könnte jedoch denken, die Zeilen handelten von der Berufswahl. Die Berufswahl stellt jedem Menschen die Aufgabe, seine Zukunft zu erfinden.

Diesel war schon in der Kindheit ein aufgeweckter Junge. Im Alter von zwölf Jahren wurde er 1870 für hervorragende schulische Leistungen von der Société pour l'instruction élémentaire in Paris mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Der spätere Motorenpionier war 1858 in Paris geboren. Die Anerkennung erhielt er kurz vor dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges, weswegen er mit seinen Eltern nach Deutschland übersiedeln musste. 1892 meldete er ein Patent auf eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine“ an, die bald darauf einen Siegeszug um die Welt antrat.

„Eine Erfindung“, schrieb Diesel mit 55 Jahren nieder, „besteht aus zwei Teilen: der Idee und ihrer Ausführung.“

"Mühevolles Suchen aus zahllosen Irrtümern"

Auf dem Weg zur Erfindung arbeitet jeder Erfinder, führte er weiter aus, mit einem unerhörten Abfall an Ideen, Projekten und Versuchen. „Man muss viel wollen, um etwas zu erreichen.“

Die Zeit der Entstehung der Idee bezeichnete Diesel als „die freudige Zeit der schöpferischen Gedankenarbeit, da alles möglich scheint, weil es noch nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.“ Jede Erfindung ist „immer nur ein Kompromiss zwischen dem Ideal der Gedankenwelt und dem Erreichbaren der realen Welt“. Auch diese Sätze passen auch zum Prozess der Berufsorientierung mit dem Ergebnis einer Berufswahl.

In der Regel nicht erleben muss ein/e „Berufserfinder*in“, was der gebürtige Pariser über die Einführung eines neuen Produkts berichtete: Dies „ist die Zeit des Kampfes mit Dummheit und Neid, Trägheit und Bosheit, heimlichem Widerstand und offenem Kampf der Interessen, die entsetzliche Zeit des Kampfes mit Menschen, ein Martyrium, auch wenn man Erfolg hat. (…) Deshalb muss jeder Erfinder ein Optimist sein (…).“

Die Berufswahl junger Menschen trifft heute vermutlich nur noch in Ausnahmefällen auf ein völliges Unverständnis seiner Umgebung.

Quelle:
Rudolf Diesel, Die Entstehung des Dieselmotors, Berlin 1913, in: Hans Sachsse (Hg.), Technik und Gesellschaft, Band 3, München 1976