Eltern bleiben Vorbilder - ein Leben lang
Familien im ALG-II-Bezug: Fördermaßnahmen verbessern nicht nur die Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer, sondern auch die ihrer Kinder

 

„Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen", beschrieb schon Augustinus (Theologe und Philosoph, 354 bis 430) in der Spätantike die Vorbildfunktion von Eltern. Und daran hat sich nach wie vor nicht viel geändert. Kinder nehmen auf, was die Eltern ihnen vorleben – auch in Bezug auf die berufliche Orientierung. Wenn Eltern arbeitslos sind oder Sozialleistungen beziehen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies später auch auf ihre erwachsenen Kinder zutrifft. Das zeigen zahlreiche bereits vorliegende Studien. In einer Studie der Arbeitsmarktforscherin Cordula Zabel geht es nun um die Frage, ob und wie arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gegensteuern können.

Wenn Arbeitslosengeld-II-Empfänger an einer Fördermaßnahme wie einer Weiterbildung teilnehmen, wirkt sich das auch auf die Arbeitsmarktchancen ihrer Kinder aus. Diese absolvieren später häufiger eine Ausbildung und üben öfter eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus. Das geht aus einer Ende 2018 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

In der Studie hat die Cordula Zabel untersucht, wie sich arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen auf die Arbeitsmarktbeteiligung der Kinder der Geförderten zwei bis acht Jahre später auswirken. Analysiert wurde die Wirkung von Weiterbildungen, von Lohnsubventionen wie dem Eingliederungszuschuss oder dem Einstiegsgeld und von Ein-Euro-Jobs. Die Kinder waren zum Zeitpunkt der Maßnahmeteilnahme ihrer Eltern 16 bis 17 Jahre alt.

Die Studie zeigt: Als junge Erwachsene absolvieren die Kinder der mit beruflichen Weiterbildungen oder mit Lohnsubventionen Geförderten häufiger eine Ausbildung und üben öfter eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus als die Kinder einer Vergleichsgruppe von Arbeitslosengeld-II-Empfängern, die nicht an einer Maßnahme teilgenommen haben. Die Teilnahme an Ein-Euro-Jobs erhöht dagegen nur bei Eltern mit zuletzt nur sehr kurzen Zeiten der Erwerbstätigkeit die späteren Chancen ihrer Kinder auf betriebliche Ausbildung und reguläre Beschäftigung, und die Effekte sind geringer als bei den anderen untersuchten Maßnahmen.

„Wenn Eltern arbeitslos sind oder Sozialleistungen beziehen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies später auch auf ihre erwachsenen Kinder zutrifft“, schreibt IAB-Forscherin Zabel. Mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen könne man aber gegensteuern. Es lohne sich doppelt, in die Weiterbildungs- und Beschäftigungschancen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern zu investieren: „Neben den positiven Beschäftigungseffekten für die Teilnehmenden selbst verringert eine Maßnahmeteilnahme auch die Weitergabe von Arbeitsmarktrisiken an die nächste Generation“, so Zabel.

Das Fazit der Studie:

Kinder von Eltern, die Arbeitslosengeld II beziehen und gefördert werden, finden leichter einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeit. Dabei hat die finanzielle Lage der Eltern großen Einfluss: Denn die besseren Arbeitsmarkt-Chancen der Kinder ergeben sich zum großen Teil aus der verbesserten finanziellen Situation der Eltern. Auch verbessern die Eltern ihre Kenntnisse über den Arbeitsmarkt. So können sie ihre Kinder bei der Suche eines Ausbildungsplatzes oder einer Arbeitsstelle besser unterstützen.

Eltern sollten sich also stets vor Augen führen: „Du bist der Bogen, von dem deine Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden." (Khalil Gibran, Philosoph, Maler und Dichter, 1883 bis 1931)

Hier geht es zum Kurzbericht der Studie