Flie­sen­le­gen in der vir­tu­el­len Rea­li­tät
Arbeitskreis der Gesellschaft für Informatik prämiert die Studie der Uni Kassel als „Projekt des Monats“

 

Bis vor wenigen Jahren noch ein teures Nischenprodukt, haben Virtual-Reality-Brillen mittlerweile weite Verbreitung gefunden. „Schon für weniger als 50 Euro lassen sich Halterungen erwerben, in die sich ein normales Smartphone einsetzen lässt und die damit zu einer echten Virtual-Reality-Brille werden“, schildert Prof. Dr.-Ing. Ludger Schmidt. Zusammen mit einem Team von Mitarbeitern aus seinem Fachgebiet „Mensch-Maschine-Systemtechnik“ hat er eine Anwendung für diese Art von Brillen entwickelt, die künftig bei der Ausbildung von Handwerkern helfen soll.

„Für unsere Studie haben wir ein 3D-360°-Lernvideo gedreht, in dem die Erstellung eines Küchenfliesenspiegels demonstriert wird“, erklärt Johannes Funk, der die Umsetzung des Projekts im Arbeitsbereich von Prof. Schmidt maßgeblich betreut hat.

Interaktive Blicksteuerung

Dieses 3D-360°-Lernvideo wurde dann mit einer interaktiven Blicksteuerung so aufbereitet, dass es auf einem handelsüblichen Smartphone läuft und mit einer entsprechenden Brillenhalterung betrachtet werden kann. „Anschließend haben wir 20 Auszubildende in zwei Gruppen geteilt – während die eine Gruppe das 3D-360°-Video nutzte, hat die andere Gruppe ein herkömmliches Lernvideo auf dem Laptop zu sehen bekommen“, schildert Funk.

Nach dem Training konnten beide Gruppen auf einer Lehrbaustelle in etwa gleich gut einen Fliesenspiegel herstellen, wie es unabhängige Bewerter beurteilten. „Allerdings zeigte sich bei den Teilnehmern aus der Virtual-Reality-Gruppe eine wesentlich höhere Motivation“, berichtet Funk. „Gleichzeitig war der Ablenkungsfaktor in dieser Gruppe aber auch deutlich höher – das liegt möglicherweise am Reiz des neuen Mediums“, mutmaßt Funk.

Digitalisierung im Handwerk

„Mit dem Projekt konnten wir zeigen, dass sich für den Einsatz von Virtual Reality auch bei der Ausbildung von Handwerkern interessante Nutzungsmöglichkeiten ergeben“, schlussfolgert Prof. Schmidt. „Digitalisierung wird auch für das Handwerk immer wichtiger werden – mit dieser Form von Anwendung können wir künftige Experten auf sinnvolle Art mit der Technik vertraut machen“, ist sich Prof. Schmidt sicher.

Der Arbeitskreis „VR/AR-Learning“ der Gesellschaft für Informatik war von der Studie ebenfalls beeindruckt und prämierte das Vorhaben in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband der deutschen Wissenschaft im Wettbewerb „Gelungene VR/AR-Lernszenarien“ mit einer Sonderauszeichnung in der Kategorie „Interaktive 360°-Videos“ und stellte sie nun als Projekt des Monats vor.