Für Schüler die Welt vermessen
"Diercke‘s“ öffnen jungen Menschen die Welt der Geographie


Diercke. Sein Name dürfte jeder Schülerin und jedem Schüler etwas sagen. „Diercke-Weltatlas“. Bereits 136 Schülergenerationen lernen die Welt nach erdkundlichen Aspekten mit seiner Hilfe kennen. Stets über mehrere Jahre tragen sie den Atlas wöchentlich in der Schultasche mit sich herum.

Diercke. Ein Bildungsmann. „Diercke‘s“ öffnen jungen Menschen die Welt der Geographie heute auch als Wandkarten und Globen, zudem online und als App.

Carl Diercke wächst in dem beschaulichen brandenburgischen Landstädtchen Kyritz auf. „Kyritz an der Knatter“, wie sich der Ort wohl schon in seinen Kindertagen nennt. Von einem Fluss dieses Namens ist allerdings weit und breit nichts zu finden.

Mit 33 Jahren offenbart er die Idee zu einem Weltatlas für Schulen dem Braunschweiger Verleger Westermann. Landkarten gibt es natürlich. Die ganze Welt in einem Kartenbuch, pädagogisch aufbereitet, das ist neu. Diercke‘s „Schul-Atlas über alle Teile der Erde“, verlegt bei Westermann, kommt nach achtjähriger Vorarbeit als erstes Werk dieser Art auf den Markt. Der Kupferstecher und Lithograf Eduard Gäbler, gleichen Alters wie Diercke, aus Pegau bei Leipzig stammend, übernimmt die Aufgabe der Kartografie.

Das Buch geht weg wie warme Semmeln. Bis zu seinem Tod 1913 bleibt Diercke der Herausgeber. Sein Name wird zur Marke. Unter dieser wird von Westermann auch heute jedes Lernmittel zur schulischen Vermittlung geographischen Wissens hergestellt.

Dierckes Eltern ziehen in seiner Jugend über Salzwedel nach Berlin, wo der Jugendliche die Abiturprüfung ablegt und ein Studium zum Lehrer absolviert. Im Jahr 1865 beginnt er seine berufliche Laufbahn als Privatlehrer in Riga. Weitere Karrierestationen führen ihn über die Leitung von Lehrerseminaren bis hin zum Regierungs- und Schulrat in der preußischen Provinzialverwaltung. In Berlin, Stade, Osnabrück und Schleswig. In seine Stader Zeit fällt der Startschuss zum Weltatlas. Das dortige Carl-Diercke-Haus von heute beherbergt damals ein Studienseminar für das Lehramt, von Diercke geleitet.

Neun Jahre vor seinem Wechsel in den Ruhestand reizt Diercke nochmal die Praxis. Er übernimmt in Schleswig das Amt eines Schuldirektors. Seinen Lebensabend verbringt der Pädagoge und Geograf in Wilmersdorf, noch ein Vorort von Berlin.

In Kyritz hält die Carl-Diercke-Oberschule die Erinnerung an den großen Sohn der Stadt wach. Hundert Jahre nach seinem Tod, 2013, diskutierte die Schleswiger Ratsversammlung, zu seinen Ehren einen Weg nach ihm zu benennen. Das Gremium kommt zu dem Ergebnis: Carl Diercke verdient es, dass nicht nur ein Seitenweg, sondern eine größere Straße nach ihm benannt wird. Die passende Gelegenheit soll abgewartet werden. In Kyritz wird das sanierte Geburtshaus von Diercke kürzlich zum „Denkmal des Monats“ gekürt.