„Ich will doch eigentlich nur Pianist sein“
Hamburger Online-Forum der Deutschen Gesellschaft e.V. zum Antisemitismus in Deutschland

„Achtet auf eure Sprache. Das wäre das Erste. Sprache macht Klima, Sprache macht Politik,“ lautete der eindringliche Appell des Pianisten Igor Levit gleich zu Beginn des Regionalforums Hamburg „Antisemitismus in Deutschland“. Die Deutsche Gesellschaft e. V. hatte dazu eingeladen, vom 8. bis 10. Juni im Livestream den Gesprächsrunden über jüdisches Leben, jüdische Kultur und Initiativen gegen Antisemitismus zu folgen. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, fand die Veranstaltung ausschließlich als dreiteiliges Online-Forum statt. Die Video-Aufzeichnung des Regionalforums ist auch weiterhin auf dem YouTube-Kanal des gemeinnützigen Vereins abrufbar, informiert die DG in einer Pressemitteilung.

Darin heißt es weiter, Igor Levit habe gemeinsam mit der Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Prof. Dr. Miriam Rürup, das Forum eröffnet. „Jede Gesellschaft“, so Prof. Dr. Rürup, „produziert ihre eigenen ausgegrenzten Gruppen.“ Dies verhindere die individuelle Entfaltung von Jüdinnen und Juden in der Gesellschaft. „Ich will doch eigentlich nur Pianist sein,“ brachte Levit diese Situation aus eigener Perspektive auf den Punkt.

Initiativen auf Landes- und Regionalebene gegen Antisemitismus kamen beim Forum ebenso zur Sprache, aber auch aktuelle Herausforderungen, denen sich Politik und Gesellschaft stellen müssen, wie etwa antisemitische Verschwörungstheorien im Zuge der Corona-Pandemie. „Das Ziel ist klar, es geht um Spaltung der Gesellschaft und die Propagierung von Antisemitismus. Dieser zersetzenden Menschenfeindlichkeit setzen wir eine solidarische und offene Gesellschaft entgegen“, so Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg. 

Aber es sind nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch alltägliche Wissensdefizite, die eine Herausforderung darstellen: „Was den Kampf gegen Antisemitismus schwierig macht ist, dass viele die Inhalte des Judentums gar nicht kennen,“ sagte Nissar Gardi, Projektleiterin der Beratungsstelle „empower“. Dem schloss sich Philipp Stricharz, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg an: „Es wird meiner Meinung nach zu wenig Fokus daraufgelegt, wer eigentlich die Menschen sind, über die wir sprechen.“ Dies zu ändern, ist ein Ziel der Veranstaltungsreihe „Antisemitismus in Deutschland“. Die nächste Möglichkeit hierzu besteht vom 23. bis 25. Juni, ebenfalls im Livestream. 

Weiter Informationen erhalten Sie unter: www.antisemitismus-in-deutschland.de.