Das gesellschaftliche Ansehen der Berufe beeinflusst die Berufswahl
Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Image der Ausbildungsangebote

Wer mal auf einer größeren Baustelle gearbeitet hat wird bald festgestellt haben, daß jedem Handwerksberuf eine genau Position zugeschrieben wird. Ansehen, Fähigkeiten und Eigenschaften sind verteilt, gewissermaßen findet man eine eigene Hierarchie der Handwerksberufe. Was der Tischler über den Zimmerer und der Zimmerer über den Maurer denkt hat viel damit zu tun, welches Ansehen der Berufsstand hat. 

Das führt nicht nur zu viel Spaß auf der Baustelle, sondern auch zu der Frage, wie es eigentlich um das Ansehen der Berufe allgemein bestellt ist. Manche Berufe kämpfen mit Nachwuchsproblemen, andere haben zu wenig Plätze für die Massen an Bewerbungen. 

Zum aktuellen Stand hat das BIBB eine Berufsprestige-Studie veröffentlicht, in der 25 duale Ausbildungsberufe beleuchtet wurden. BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser macht deutlich, was alles am Image eines Berufes hängt: »Das Image von Berufen spielt eine entscheidende Rolle bei der Berufsorientierung und Berufswahl, und es beeinflusst Stellenbesetzungsprozesse am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, da Auszubildende und Erwerbstätige aufgrund ihres Berufes eine mehr oder weniger hohe soziale Anerkennung in der Gesellschaft erfahren. Wenn wir in Zukunft mehr Jugendliche vor allem für Berufe mit Besetzungsproblemen gewinnen wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen dieser Berufe verbessern. Hierzu gehören neben guten Übernahmemöglichkeiten nach der Ausbildung in erster Linie sichere Beschäftigungsaussichten, gute Karriereperspektiven und ein angemessenes Einkommen.«

Besonders hoch angesehen sind den Ergebnissen zufolge die Ausbildungsberufe Fachinformatiker/-in und Mechatroniker/-in, gefolgt von Industriekaufleuten, Kfz-Mechatroniker/-innen, Elektroniker/-innen, Maler/-innen und Lackierer/-innen sowie Kaufleuten im Groß- und Außenhandel.

Kochausbildung auf dem vorletzten Platz

Die Kochausbildung, die nach 2003 vom Boom der TV-Kochshows mit Tim Mälzer & Co. profitieren konnte, findet sich unter den 25 untersuchten Ausbildungen derweil auf dem vorletzten Platz. Trotz der Möglichkeit berühmt zu werden, etwa als Sterne- oder Fernsehkoch, die es beispielsweise als Fachinformatiker*in klassischerweise nicht gibt.

Auch die verbreitete Annahme, daß nur besonders moderne oder modernisierte Berufe besonders beliebt seien, bestätigt sich nicht. Der im Vergleich etwa zum Fachinformatiker oder Mechatroniker recht wenig technisierte Beruf des Malers erfreut sich auf einem guten 6. Platz großer Beliebtheit. Technische Berufe oder »was mit Computern« dominieren dennoch das obere Drittel der Beliebtheitsskala.

Mit den Gründen für die Befunde, also welche Faktoren überhaupt dazu führen, dass Berufe von der Bevölkerung höher oder weniger hoch angesehen werden, wollen sich die Forscher*innen in einem nächsten Schritt auseinandersetzen. Etwa die Höhe des Einkommens, die Arbeitsplatzbelastungen und die Arbeitsplatzsicherheit sowie die Vereinbarkeit des Berufs mit Familie und Privatleben, [sollen] Berücksichtigung finden.