"Aus wüsten Erdflecken schöne Oasen machen"
In den Fußstapfen großer Namen wie Kent, Sckell, Franz von Anhalt-Dessau, Pückler und Lenné

(hrs) Aus wüsten Erdflecken schöne Oasen machen - das Motto trieb den Fürsten Pückler zeit seines Lebens als Landschaftsgestalter an. Sein Ziel brachte ihn mehrfach an den Rand des Ruins. Pückler wie sein Zeitgenosse Peter Lenné und seine Vorgänger Friedrich Ludwig von Schkell sowie Fürst Franz von Anhalt-Dessau waren inspiriert vom englischen Gartenstil, der erstmals in größerer Ausdehnung 1735 von William Kent verwirklicht wurde. Die Theorien dazu entwickelten seine Landsleute Joseph Addison und Alexander Pope.

Heute sind die großen Werke der Landschaftsgestaltung des 18. und 19. Jahrhunderts Anziehungspunkte für Touristen und Kunstliebhaber. In Deutschland der Englische Garten in München, unweit davon der Park von Nymphenburg, in Wörlitz bei Dessau der erste Landschaftspark auf deutschem Boden, der große Garten von Herrenhausen in Hannover, die Landschaftsparks von Muskau und Branitz, der Park Sanssouci vor den Toren Berlins, der Jenischpark in Hamburg und viele mehr.

Einen ganzen Staat in ein Gartenreich verwandeln

Von der Idee, einen ganzen Staat in ein Gartenreich zu verwandeln, können Landschaftsgestalter der Gegenwart nur träumen. Diesem utopischen Anspruch gab sich Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau hin, beseelt von der damals neuen Gartenbewegung. Wer sein Kleinreich heute besucht, kann davon noch zahlreiche Zeugnisse wahrnehmen und genießen. Die Garten- und Landschaftsbau-Branche in Deutschland beurteilt ihre wirtschaftlichen Aussichten seit Jahren immerhin grundsätzlich positiv.

Anders als zu Zeiten der Urväter der Landschaftsarchitektur ist das Fach längst ein Studiengang mit unterschiedlichen Schwerpunkten. „Der Studienbereich Umwelt- und Landschaftsgestaltung befasst sich“, wie es auf der Webseite www.hochschulkompass.de heißt, einer Informationsplattform der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, „mit der Freiraumplanung sowie dem Entwerfen, Erhalten, Entwickeln, Rekultivieren und dem Aufbauen von Freiräumen. Je nach Studiengang werden auch die Entwicklung, Pflege und der Schutz von städtischem Grün behandelt. Zum Studienbereich Umwelt- und Landschaftsgestaltung zählen die Arboristik, die Landespflege, die Landschaftsarchitektur, die Landschaftsgestaltung und die Umweltgestaltung.“ Zu den Beschäftigungsmöglichkeiten kann man dort lesen: Diese „ergeben sich oft im öffentlich-rechtlichen Bereich wie z.B. in Ämtern, die sich mit den Themen Umwelt, Grünflächen oder ähnlichem befassen. Eine Tätigkeit in Naturschutzbehörden sowie in der der freien Wirtschaft, z.B. in Planungsbüros, ist ebenso denkbar.“

Modernes Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur in alten Mauern

In Westdeutschland, im nordrhein-westfälischen Dyck, suchte die Erbin des Hauses Gräfin Marie Christine Wolff Metternich, in den 90er Jahren nach einer Nutzung, die den Fortbestand der für das Rheinland bedeutenden Schlossanlage Dyk sichern sollte. Nach einer Konzeption des Landschaftsverbandes Rheinland wurde vor gut 20 Jahren die Stiftung Schloss Dyck als Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur gegründet. Dies macht die historischen Gärten und Kulturlandschaften mit aktuellen Themen der Landschaftskultur und des Städtebaus erlebbar.

Gestern wie heute sind es zwei Prinzipien, nach denen die frei wuchernde Natur gezähmt und gestaltet werden kann, informiert Heinz Ohff in seiner Biographie über Peter Joseph Lenné: Hier geometrisch angelegte Gärten, die auf die alten Ägypter zurückgehen. Allen voran der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. ließ durch seinen Hofgartenarchitekten das Gelände um seine Schlösser streng nach symetrischen Formen abzirkeln, die Wege mit Kies bestreuen, die Kanten scharf abstechen. Dort Parks, die der natürlichen Formgebung folgen, die den Quellen nach auf die Assyrer zurückgeht, und sich im englischen Landschaftspark wiederfindet. In Herrenhausen ist eine (erste) Abweichung vom symetrischen Konzept realisiert: Im Zusammenspiel der Hannoveraner Kurfürstin Sopie und des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz weicht die Gartenanlage um 2,8 Grad vom rechten Winkel ab. Leibniz wertete „das Prinzip der Störung und der Überraschung als ein entscheidendes Moment der denkanregenden Bildung“, wie Horst Bredekamp in seinem Buch „Leibniz und die Revolution der Gartenkunst“ schreibt.

Die grandiose Möglichkeit für musische Menschen

Mit der Gartenkunst beschäftigen sich verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, u.a. auch die Geschichte, Geographie, Botanik und auch Philologie. Der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe bemerkte vor rund 200 Jahren: „Keine Definition des Landschaftsgärtners hat diesen jemals als Poeten bezeichnet. Aber meinem Freund schien die Erschaffung eines Landschaftsgartens die grandioseste aller Möglichkeiten, die sich einem musischen Menschen bietet.“

Wer sich also dem Beruf der Gartengestaltung mit Leidenschaft hingibt, kann in und mit diesem Beruf viel entdecken und zur schönen Gestaltung der Umwelt sowie Gesellschaft beitragen.