In Mobilitätsprojekten erworbene berufliche Kompetenzen europaweit vergleichbar machen
ECVET als Transparenzinstrument

 

Europa weist eine große Vielfalt von Berufsbildungssystemen auf. Damit in transnationalen Mobilitätsprojekten erworbene berufliche Kompetenzen europaweit verstanden und verglichen werden können, ist es erforderlich, eine "gemeinsame Sprache" zu entwickeln. Die Orientierung an Lernergebnissen gewährleistet eine solche gemeinsame Sprache. Darauf weist Berufsschullehrer Dr. Christian Schottmann hin. Ein Lernergebnis beschreibt, was jemand weiß, kann und in der Lage ist zu tun, nachdem ein Lernprozess abgeschlossen ist. Wenn die Lernergebnisse oder Kompetenzen, die im Ausland erworben wurden, auch valide überprüft werden, bildet das die Grundlage für ihre europaweite Anerkennung.

Mit Lernergebnisorientierung, valider Überprüfung und Anerkennung der Ergebnisse von Lernprozessen sind auch schon die wesentlichen Prinzipien von ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) skizziert, einem seit 2009 in ganz Europa etablierten Transparenzinstrument für die Berufsbildung. ECVET hilft, eine "gemeinsame Sprache" zu finden und schafft so ein Verständnis für die erworbenen Kompetenzen über alle nationalen Qualifikationssysteme hinweg. Es ist im Bereich grenzüberschreitender Zusammenarbeit eine wertvolle Unterstützung für das Bildungspersonal in Schulen und Betrieben.

In Deutschland trifft ECVET immer noch auf Vorbehalte, da in ihm vor allem eine zusätzliche bürokratische Arbeitsbelastung gesehen wird und die Vielfalt der Projektergebnisse aus Pilot- und Transferprojekten verwirren kann. Hinzu kommt noch die Unsicherheit hinsichtlich der Credit Points, welche aber – zumindest in Deutschland – heute keine Rolle spielen.

Es geht hier aber nicht in erster Linie um Systeme und (ECVET-)Systematiken – die durchaus ihre Berechtigung haben und zur Nachhaltigkeit und Verstetigung von Mobilitätsbemühungen beitragen –, sondern um die Umsetzung der ECVET-Prinzipien. Natürlich können und sollen die Ergebnisse aus vorangegangenen Projekten das eigene Vorhaben befruchten – nicht jeder muss schließlich das Transparenz- und Qualitätsrad neu erfinden. So finden sich zum Beispiel schon entwickelte Lernergebniseinheiten aus den verschiedensten Berufen auf der deutschen ECVET-Seite www.ecvet-info.de unter „Lernergebniseinheiten von A-Z“.

Einsatzgebiet ECVET: Auslandsaufenthalte in der Ausbildung

Heute ist ECVET weitgehend in der täglichen Mobilitätspraxis angekommen, sei es, dass bewusst eine Systematik entwickelt oder genutzt wird, sei es, dass man die ECVET-Prinzipien anwendet, ohne sie ausdrücklich als solche zu deklarieren. Zunehmend werden auch die Auszubildenden in den ECVET-Prozess mit einbezogen.

In welchem Umfang dieses Qualitäts- und Transparenzinstrument nun eingesetzt wird – ob man die ECVET-Prinzipien zunächst mit ein oder zwei Lernergebniseinheiten und entsprechender Überprüfung erprobt oder die gesamte Qualifizierungsphase im Ausland mit den ECVET-Instrumenten gestaltet, ob mit Beteiligung der Auszubildenden oder ohne –, bleibt jeder Lehrkraft selbst überlassen. ECVET ist ein flexibel nutzbarer "Werkzeugkasten".

Das Team der nationalen ECVET-Expert*innen bei der Nationalen Agentur beim BIBB unterstützt das Bildungspersonal in Schulen und Betrieben seit vielen Jahren sowohl bei den ersten Schritten mit ECVET als auch bei speziellen Fragestellungen. Es tut dies mit individuellen Beratungen, mit eigens entwickelten Materialien und mit einer Reihe von Workshops. Alle Angebote sind kostenfrei.

Dieser Artikel erschien zuerst im Journal „Bildung für Europa“, Ausgabe 31 vom Dezember 2019/Januar 2020:

Die Internationalisierung der Berufsbildung schreitet weiter voran. Aber was genau umfasst der Begriff? Dass es nicht nur um  Auslandsaufenthalte für Lernende und Bildungspersonal sowie den Erwerb internationaler Kompetenzen oder um grenzüberschreitende Kooperationen geht, zeigt das Journal "Bildung für Europa" (PDF-Datei zum Herunterladen).