Jugendliche wollen mitgestalten und gehört werden
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung befragt bundesweit 1.187 Jugendliche zu freiwilligem Engagement und Freiwilligendiensten

 

Junge Menschen wollen sich engagieren und ihr Umfeld mitgestalten. Eine Befragung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass sie sich nicht genug gehört und beteiligt fühlen. Die Ergebnisse der Befragung entstanden im Programm „u_count – gemeinsam Gesellschaft gestalten" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Passend zum Internationalen Tag des Ehrenamts (5. Dezember) haben Jugendliche am 4. Dezember Ergebnisse der Befragung aus rund 50 Jugendhearings und Zukunftswerkstätten zum Thema freiwilliges Engagement und Freiwilligendiensten im Bundesjugendministerium vorgestellt. Anschließend tauschten sie sich mit Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey darüber aus, wie bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligendienste gestärkt werden können. Die Bundesregierung will die Rahmenbedingungen für Engagement verbessern und jungen Menschen mehr Möglichkeiten bieten, sich unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen oder kulturellen Hintergrund einbringen zu können. Denn der Anteil der Jugendlichen, die sich nicht politisch oder sozial engagieren, nimmt zu (s. 18. Shell Jugendstudie).

Bereits im nächsten Jahr soll mit Mitteln des Bundesjugendministeriums das verbandsübergreifende Gemeinschaftsprojekt „Anerkennungskultur in den Freiwilligendiensten" umgesetzt werden. Das Projekt soll dazu beitragen, die gesellschaftliche Anerkennung und die Bekanntheit von Freiwilligendiensten zu stärken, beispielsweise durch die Gewinnung und Kennzeichnung von Einrichtungen und Orten, die Freiwilligen Vergünstigungen gewähren.

„Im Bundesfamilienministerium verfolgen wir eine Politik für, mit und von Jugendlichen. Wir wollen junge Menschen in allen Belangen beteiligen, die ihr Leben betreffen. Die Ergebnisse aus den Zukunftswerkstätten und Jugendhearings geben uns einen wertvollen Überblick über die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse Jugendlicher und junger Erwachsener“, sagt Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey. Und weiter: „Dabei wird immer wieder deutlich: Es ist besser, wenn junge Menschen freiwillig und aus Überzeugung etwas tun, und nicht aus Zwang. Deshalb setzen wir uns für die Stärkung und Weiterentwicklung der Jugendfreiwilligendienste ein“, so Giffey.

Wann aber sind Jugendliche bereit, sich zu engagieren? Und was hindert sie daran? Dazu hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) im Lauf dieses Jahres bundesweit 1.187 junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren qualitativ befragt.

Ausgewählte Ergebnisse zeigen

  • Öffentliche Informationen über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements erreichen die Jugendlichen häufig nicht. Von den nichtengagierten Jugendlichen geben 43 % an, dass sie nicht wissen, welche Möglichkeiten es gibt, sich freiwillig zu engagieren. 25 % der Befragten geben an, nicht genug Informationen über Freiwilligendienste zu haben.
  • Die Bereitschaft, einen Freiwilligendienst zu absolvieren, ist mit 60 % vergleichsweise hoch. Dabei wollen die Jugendlichen sich vor allem persönlich weiterentwickeln, anderen helfen oder etwas Neues lernen.
  • Für ihr Engagement wünschen sich Jugendliche mehr Anerkennung, insbesondere Lob und Zuspruch von Freunden, Lehrkräften oder der Familie, aber auch Qualifikationsnachweise und Zertifikate als wichtige Bausteine für ihren Lebenslauf.
  • Insgesamt scheinen sich viele junge Menschen noch nicht hinreichend gehört und beteiligt zu fühlen. 56 % der Jugendlichen engagieren sich, weil sie mitbestimmen und ihr Umfeld mitgestalten wollen.
  • Neben den klassischen Vereinsstrukturen engagieren sich 43 % der befragten Jugendlichen in selbst organisierten Strukturen.

„Unsere zehnmonatige Befragung zeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen mit ihren Ideen und Wünschen anzuhören. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen würden sich freiwillig engagieren, wenn sie damit etwas für sich und die Gesellschaft verbessern könnten. Daher müssen wir die jungen Menschen entsprechend unterstützen und sie aktiv auf allen Ebenen beteiligen“, sagt Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS.

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung diskutiert im Januar 2020 die Ergebnisse mit Akteuren und Trägern in den Regionen, um so Impulse für Veränderungen zu geben.

Ergebnispräsentation und weitere Informationen: www.dkjs.de/u_count 

Der vollständige Ergebnisbericht wird Anfang 2020 veröffentlicht.