Künstliche Intelligenz: Jugendliche als Gestalter
Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz 2019 zeichnet Sieger aus

 

Mit der feierlichen Preisverleihung ist der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz 2019 zu Ende gegangen. Vier Schülerteams aus Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen wurden von der Jury prämiert. Die Auszeichnung „KI-Schule des Jahres“ erhielt das Saarpfalz-Gymnasium in Homburg/Saar. Insgesamt waren mehr als 2.500 Schüler*innen im Alter von 14 bis 19 Jahren dem Aufruf des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und der Universität Tübingen gefolgt. Beide Einrichtungen sind Teil des Cyber Valley Projekts zur Erforschung von Künstlicher Intelligenz.

„Mit dem Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz bringt das Cyber Valley die Methoden der KI mitten in die Gesellschaft“, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei der Preisverleihung am 30. November 2019 in Tübingen: „Es freut mich außerordentlich, dass der Wettbewerb gleich im ersten Jahr bei der Jugend auf so großes Interesse gestoßen ist. Er bringt Jugendliche und junge Erwachsene schon früh in Kontakt mit Künstlicher Intelligenz – und zwar nicht nur als passive Konsumenten, sondern als aktive Gestalter.“

In der Altersklasse 14 bis 15 Jahre siegte Luca Abele vom Ulrichsgymnasium im ostfriesischen Norden mit einem Projekt zur Identifizierung von Malaria-Erregern im menschlichen Körper. Er hat einen Algorithmus programmiert, der infizierte Zellen von nicht-infizierten Zellen unterscheiden kann. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz auf diesem Gebiet könnte künftig medizinische Diagnosemethoden unterstützen.

In der Altersklasse 16 bis 19 Jahre gab es mit CellTorch aus Göttingen und Underscore aus Tübingen gleich zwei Siegerteams. Adrian Dobbelstein und Christian Helms vom Max-Planck-Gymnasium beziehungsweise vom Hainberg-Gymnasium in Göttingen entwickelten im Projekt CellTorch einen Algorithmus, der die genaue Position von Proteinen in fluoreszenz-gefärbten Mikroskop-Aufnahmen von Zellen bestimmen kann. Eine effiziente Lokalisierung der Proteine könnte Hinweise auf biologische Mechanismen geben, die unter anderem für die gezielte Entwicklung und den Einsatz von Medikamenten wichtig sind.

Im Projekt Underscore befassten sich Theo Döllmann und Marius de Kuthy Meurers vom Tübinger Kepler-Gymnasium mit der Voraussage von Zugverspätungen. Die Schüler sammelten einen gewaltigen Datensatz über den tatsächlichen Verlauf von Bahnreisen. Basierend auf diesen Daten sowie Informationen über Wetter, Ferienzeiten und vielem mehr trifft die Künstliche Intelligenz eine Voraussage, ob eine Bahnverbindung Verspätung haben wird. Bahnfahrer können ihre geplante Zugverbindung in eine eigens programmierte Webseite eingeben und sich errechnen lassen, wie wahrscheinlich eine Verspätung ist.

Publikumspreis

Der Publikumspreis schließlich ging an das Team RISCkant vom Hardenberg-Gymnasium im fränkischen Fürth. Samuel Arpert, Sebastian Fritsch, Simon Klier, Christian Künzle und Jan-Niklas Weghorn präsentierten einen Chip, der mithilfe von KI schneller und zugleich energieeffizienter arbeitet.

Zudem wurde das Saarpfalz-Gymnasium aus Homburg mit dem Titel „KI Schule des Jahres“ ausgezeichnet. Mit fast 80 Teilnehmern in der ersten Runde des Wettbewerbes und der höchsten Punktzahl lag das Gymnasium vor allen anderen Mitbewerbern.

Der Wettbewerb

Am Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz 2019 hatten mehr als 2.500 Schüler*innen teilgenommen: In einer ersten Runde lösten sie unterschiedliche Programmieraufgaben. In der zweiten Runde fanden sich Teams zusammen, die über einen Zeitraum von fünf Monaten eigene Projektideen umsetzten. Insgesamt 50 Projekte zu medizinischen, technischen und ökologischen KI-Lösungen wurden in der Final-Runde eingereicht, unter anderem in Form von Webseiten und Apps. Acht Finalisten-Teams stellten ihre Projekte bei der Abschlussveranstaltung in Tübingen live einer Jury aus Forschung, Wirtschaft und Medien vor.

Läuft auch 2020

Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI) wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Wissenschaftsministerin Bauer kündigte an, die Carl-Zeiss-Stiftung werde 2020 die Rolle des Hauptsponsors übernehmen. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist die älteste private wissenschaftsfördernde Stiftung in Deutschland. Im Jahr 2019 war der Bundeswettbewerb maßgeblich von der Robert Bosch GmbH gefördert worden. Weitere Sponsoren waren die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Google, Amazon, Microsoft, die Alexander von Humboldt Stiftung und die Hochschule der Medien, Stuttgart. Der baden-württembergische Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann übernahm die Schirmherrschaft.

„Es ist einfach großartig und inspirierend, die Kreativität, das Können und die Ausdauer der Schüler bei diesem Wettbewerb zu sehen. Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir uns noch viel mehr ermutigen, gute Ideen zu entwickeln und auszuprobieren“, sagte Professor Matthias Bethge, Direktor des Tübingen AI Center. „Unsere Zukunft wird von unseren Kindern gestaltet, daher muss unsere Förderung bei den Kindern anfangen“, ergänzte Professor Bernhard Schölkopf, Leiter des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme.

 

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Luca Abele vom Ulrichsgymnasium Norden, Sieger in der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen zusammen mit Philip Häusser (links) und Professor Matthias Bethge von der Universität Tübingen. Quelle: Universität Tübingen/ Christoph Jäckle