Nie verlegen um besondere Ideen
Die berufliche Laufbahn eines initiativfreudigen Menschen: Vom Bundesgrenzschützer und Hobby-Eventmanager zum Hotellier

(hrs) Die Spezies Mensch ist auch deshalb so effektiv, weil sie relativ flexibel und anpassungsfähig ist. In jedem Menschen steckt nicht nur ein Potenzial. Auf zumeist mehreren Wegen, zumal beruflichen, brechen sich seine Fähigkeiten und Neigungen eine Bahn. Ein Beispiel unter unzähligen ist Tim Mäcken (Name geändert). 

Förster oder Landwirt wollte er mal werden. Nach der Mittleren Reife entschied sich der gebürtige Flensburger für einen zweijährigen Dienst beim Bundesgrenzschutz, um seiner Wehrpflicht nachzukommen. Das war Mitte der 70er Jahre. Zum Ende der Dienstzeit entschloss sich Mäcken, noch das Abitur nachzuholen und er bewarb sich daraufhin erfolgreich um eine Ausbildungsstelle zum Industriekaufmann bei einem namhaften Spirituosenhersteller - in Verbindung mit einem Studium zum Betriebswirt.

Der junge Mann tat sich nebenher mit mehreren Initiativen hervor: Von Jahr zu Jahr größer werdend zog er auf einer Wiese in der Nachbarschaft seines Elternhauses eine Party auf, genannt "Sommerlative", die bald an die hundert junge Menschen, zuerst nur Freunde und bald viele Freunde von Freunden, magisch anzog. Mit einigen von diesen tuckerte er Sommer um Sommer in einem alten Hanomag, umgebaut zum "Mannschaftswagen", mit 70 km/h vom Nordkap bis zur Algarve. 

Die erste Existenzgründung ging schief

Die Lehrzeit verschaffte ihm eine solide kaufmännische Grundlage. Darauf aufbauend juckte ihn die Vision, sich selbstständig zu machen. In einer Einkaufspassage mietete Tim Mäcken eine 20 Quadratmeter große Fläche an. Mit einer Saftbar versuchte er sein Glück. Nicht mal einen Monat hielt er durch; sein Angebot wurde nicht richtig angenommen. Er konnte relativ unbeschadet wieder aussteigen und nahm erst einen, dann einen zweiten Job als kaufmännischer Mitarbeiter in mittelgroßen Handelsunternehmen an. Die zweite Stelle führte ihn nach Bremen, wo er auch seine Ehefrau kennenlernte. 

Wie für so viele unternehmungslustige Menschen stellte sich Mäcken in der Zeit der politischen "Wende" die Frage: Was kann ich unternehmen? Hin- und hergerissen zwischen der Option, eine leitende Tätigkeit im Westen bei einer Firma in Neuwied am Rhein anzunehmen oder sich bei einem Steuerberater in Rostock zu verdingen, dort zuständig für Immobilienmanagement, wagte Mäcken samt Freundin im Sommer 1990 den Weg gen Nordosten. In Warnemünde bezogen sie eine Wohnung in einer alten Strandvilla. Die ihm übertragene berufliche Aufgabe füllte ihn aber schon bald nicht mehr ganz aus. Er engagierte sich nebenher als Dozent für kaufmännische Themen: Der Bedarf an Weiterbildung war in den neuen Bundesländern riesengroß. Angesprochen darauf, ob er Betriebsleiter einer Fachfirma für Betonpflastersteine werden wolle, wechselte Mäcken erneut das Pferd. 

Auf vielen beruflichen Stationen Erfahrungen gesammelt

Nebenher erwarb er mit finanzieller Hilfe einiger Geschwister schon mal ein, zwei, drei Immobilien, um sie wieder zu verkaufen. Bald führte diese Initiative zur Gründung einer eigenen Bauträgerfirma. Erst Einfamilienreihenhäuser, dann Ferienwohnungen waren seine Spezialität. Er erwärmte sich für eine am Alten Strom in Warnemünde gelegene Industriebrache, die er zusammen mit Freunden kaufte und darauf ein Wohn- und Gewerbeprojekt errichtete. Heute sind die gastronomischen Betriebe im Erdgeschoss der Anlage, entlang des idyllischen Hafens, ein Publikumsmagnet.

Mäcken dachte schrittweise in größeren Kategorien. Er begeisterte seine Freunde für den Bau eines Hotels im ansprechenden skandinavischen Stil in der Nähe seines Wohnortes. 80 Zimmer. Sauna und Schwimmbad inklusive. Nebenan ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb, den er aufbaute. So verwirklichte er schon mal einen seiner jugendlichen Berufsträume. Die Kinder der Hotelgäste freuen sich über einige Pferde, Schafe, Schweine und Ziegen, die auf den umliegenden Weiden "zu Hause sind". 

Seine Energie ist noch lange nicht erschöpft. In erstklassiger Ostseelage legten sich Mäcken und seine Investitionsfreunde ein großes Areal zu, um es mit einem Ferienresort zu bebauen. Über 400 Betten, verteilt auf Ferienhäuser und eine Hotelanlage, erweisen sich seit sechs Jahren als gut besuchtes Projekt. Inzwischen betreibt Mäcken auch zwei attraktive Hotelanlagen in Waren an der Müritz. 

Gute Ideen, erstklassig umgesetzt, ansprechend präsentiert

Tim Mäcken war mit 12, 13 Jahren nicht gerade ein Musterschüler. Damals kam er mal auf die Idee, die Penne einfach zu schwänzen. Statt den Unterricht anzusteuern, machte er einige Tage lang, bis es aufflog, mehrstündige Fahrradausflüge in die Umgebung seines Elternhauses. Nach und nach wurde ihm bewusst, dass man nur mit guten Ideen, erstklassigen Leistungen, ansprechend dargeboten, es dauerhaft zu etwas bringen kann.

Die Coronakrise hat auch seinem Engagement einen Dämpfer versetzt. Wochenlang mussten die Türen seiner Hotels und Ferienwohnungen geschlossen bleiben. Die Voraussetzungen für das Zurückfinden auf den Pfad des Erfolgs sind jedoch, dank guter Vorarbeit, einfach gegeben. 

Auch als Förster, denkt Mäcken heute, hätte er Erfolg haben können. Wer weiß, vielleicht bietet sich dem inzwischen 60jährigen noch eine Chance, das Leben als Hotellier sogar mit dem des Waldpflegers zu verbinden.