Ökonomische Bildung entscheidet über Erfolg im Wirtschaftsstudium
Wirtschaftswissenschaftliche Bildung ist auch wichtig für gesellschaftlich-politische Teilhabe

 

Wirtschaftswissenschaften gehören weltweit zu den meiststudierten Fächern. Nun hat eine Längsschnittstudie der Arbeitsgruppe Wirtschaftspädagogik an der Universität Konstanz herausgefunden: Je mehr ökonomisches Wissen Schüler*innen am Ende ihrer Schulzeit besitzen, desto größer ist ihr Erfolg in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium. Anhand einer für die Deutschschweiz repräsentativen Stichprobe untersuchte sie die Einflüsse von am Ende der Schulzeit vorliegenden ökonomischen Kompetenzen auf den Erfolg in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium. Laut der in der aktuellen Ausgabe des Open-Access-Journals PLOS ONE nachzulesenden Ergebnisse finden sich klare Vorteile von Lernenden, die bereits während der Schulzeit über ein höheres Wirtschaftswissen verfügen.

Die Studie ist in ein Verbundprojekt der Universitäten Konstanz und Zürich sowie des Hector-Instituts für empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen eingebettet. Vorgenommen wurde sie von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Michael Jüttler aus der Konstanzer Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stephan Schumann, der das Projekt leitete. Der Einfluss der am Ende der Schulzeit bei Lernenden vorliegenden ökonomischen Kompetenzen auf den Studienerfolg in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium wurde erstmals anhand von Längsschnittdaten untersucht. Da das Ausgangsprojekt an der Universität Zürich angesiedelt war, wurde auch die von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Schweizerischen Nationalfond (SNF) geförderte Folgestudie in der Schweiz durchgeführt. Befragt wurden 538 Schüler*innen an weiterführenden Schulen mit Matura-Abschluss.

Im Gegensatz zu den wenigen bisherigen Studien zu diesem Thema stützt sich die Längsschnittstudie, die von 2011 bis 2016 über fünf Jahre lief, auf umfangreiche Testergebnisse zum ökonomischen Wissen und Können am Ende der Sekundarstufe II. Sie erweitert das Kompetenzverständnis zudem um weitere Facetten, wie Interesse, Motivation, Einstellung und Werthaltung im Bereich Wirtschaft. Für den Wissenstest bildete gesellschaftlich relevantes Wirtschaftswissen die Grundlage. Der Einfluss des Wirtschaftswissens gilt dabei unter Kontrolle von bekannten Einflussfaktoren wie mathematische, verbale und kognitive (Grund-)Fähigkeiten, dem sozioökonomischen Hintergrund, der schulischen Leistungen sowie weiteren schulischen und außerschulischen Kontextfaktoren.

Das Ergebnis unterstreicht die Bedeutsamkeit einer schulischen ökonomischen Vorbildung für eine Person, die in diesem Bereich studieren möchte. Relevant wird eine wirtschaftswissenschaftliche Bildung auch für die gesellschaftlich-politische Teilhabe im Sinne eines gebildeten Wirtschaftsbürgertums. „Das Schulfach Wirtschaft muss daher auch in Deutschland größeres Gewicht erhalten“, sagt Michael Jüttler, Autor der Studie.

Originalpublikation:

Jüttler, M. (2020). Predicting Economics Student Retention in Higher Education: The Effects of Students’ Economic Competencies at the end of Upper Secondary School on their Intention to Leave their Studies in Economics, PLOS ONE, 5. Februar 2020. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0228505

Weitere Informationen zum Projekt: http://wiwi.uni.kn/oek-transition