Oink oink makes the pig
Bilder und Gesten als wirksame Unterstützung im Fremdsprachen­unterricht der Grundschule

Der Einsatz von Gesten und Bildern gestalten den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule effektiver und nachhaltiger, zeigen Neurowissenschaftler der TU Dresden in einer Studie. Damit liefern sie wichtige grundlegende Erkenntnisse für die Weiterentwicklung moderner Lehrmethoden, informiert die Hochschule in einer Pressemitteilung.

Der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule eröffnet den Schülerinnen und Schülern im wahrsten Sinne des Wortes neue Welten: mit einer großen Portion Neugier, Lernbereitschaft und Unbefangenheit begegnen sie nicht nur einer neuen Sprache, sondern auch neuen Kulturen. Der frühe Fremdsprachenunterricht nutzt die besonderen Lernvoraussetzungen bei dieser Altersstufe. Umso wichtiger ist es nach Angaben der TU Dresden, dass die erlernten Inhalte sich dauerhaft im Wissensschatz der Kinder festsetzen und nicht nur kurze Zeit abrufbereit sind.

Ein Team von Neurowissenschaftlern der Universität hat in Zusammenarbeit mit Leipziger und Linzer Forschern in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass der Einsatz von Gesten und Bildern zu einer Verbesserung der Lernleistung im Fremdsprachenunterricht bei Grundschülern führt.

Untersuchung mit Achtjährigen an einer Leipziger Grundschule

Die Studie wurde mit Achtjährigen an einer Grundschule in Leipzig durchgeführt. In mehreren Experimenten erlernten die Kindern an fünf aufeinanderfolgenden Tagen für 20 Minuten pro Tag neue englische Vokabeln. Sie bekamen die Wörter durch Betrachten von Bildern (sensorische Anreicherung), durch Ausführen von Gesten (sensomotorische Anreicherung) oder nur durch Zuhören (keine Anreicherung) beigebracht. Anschließend wurde das Wissen der Kinder über den neuen Wortschatz acht Tage, zwei Monate und sechs Monate nach der Lernphase getestet.

Neurowissenschaftlerin Katharina von Kriegstein und ihr Team fanden dabei heraus, dass sowohl das Betrachten von Bildern, als auch das Ausführen von Gesten das Gedächtnis der Kinder für das englische Vokabular im Vergleich zum reinen Hörverstehen verbesserte, und dass diese Verbesserung auch noch sechs Monate nach der Lernwoche anhielt. „Auf der Grundlage früherer Studien, die mit Erwachsenen durchgeführt wurden, waren wir eigentlich der Meinung, dass eine sensomotorische Anreicherung, also das Ausführen von Gesten den Kindern langfristig mehr helfen würde, als eine rein sensorische Anreicherung, sprich das Betrachten von Bildern. Unerwarteter Weise fanden wir jedoch heraus, dass Bilder und Gesten für das Fremdsprachenlernen der Kinder auch noch nach sechs Monaten gleichermaßen hilfreich waren. Das bedeutet, dass die Arten der Lernanreicherung, die bei Erwachsenen funktionieren, nicht unbedingt auch bei Kindern funktionieren“, erläutert die Professorin für Kognitive und Klinische Neurowissenschaft an der TU Dresden.

„Anreicherungs-Lehrstrategien können funktionieren"

Postdoc Dr. Brian Mathias fügt erklärend hinzu: „Anreicherungs-Lehrstrategien können funktionieren, weil sie es den Lernenden ermöglichen, die Bedeutungen von Wörtern mit mehreren Sinnen und mit dem eigenen Körper zu erfahren. Die positiven Effekte der Anreicherung für die Kinder in dieser Studie waren überraschend stabil, da sie nach einer minimalen Vokabelnutzung auch bis zu sechs Monate anhielten. Darüber hinaus verbesserten Gesten und Bilder das Gedächtnis der Kinder nicht nur bei konkreten, anschaulichen Wörtern, wie "Zeitung", sondern auch bei abstrakten Begriffen wie "Unschuld" oder "Empfehlung".“