Orgelbau: Klangkunst mit Pfeifen und Registern
Ausbildungsordnung des Traditionsberufes Orgelbauer wurde modernisiert

 

Auch das traditionelle Kunsthandwerk passt sich der fortschreitenden Technik an. Wenn imposante Musik aus kleinsten bis riesigen Pfeifen erklingt, ist das etwas ganz Besonderes, und das Bauen von Orgeln zählt zu den Kunsthandwerken mit sehr alter Tradition. Jede Orgel ist ein Einzelstück, einzig für den architektonischen Raum erbaut, in dem sie erklingen soll, und mit einer Lebensdauer, die auf Jahrhunderte ausgerichtet ist. Gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien, den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung die Berufsausbildung für Orgelbauer*innen modernisiert. Die neue Ausbildungsordnung ist zum 1. August 2019 in Kraft getreten.

Der Orgelbau ist seit 2017 immaterielles Kulturerbe. Eine Orgel ist nicht nur ein Instrument, sondern auch ein eigenständiges Kunstobjekt aus tausenden Teilen, einzigartig in Form, Klang und Volumen. Orgelbauer/-innen befassen sich mit Entwurf, Konstruktion, Herstellung und Klanggestaltung von Orgeln. Orgelpflege, Stimmung und Intonation sind weitere Haupttätigkeitsfelder. Und zu ihren Aufgaben gehört es auch, bestehende Orgeln zu reparieren, zu restaurieren und zu rekonstruieren.

Die Neuordnung des dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufes greift technische, wirtschaftliche und organisatorische Änderungen und Entwicklungen im Orgelbau auf. Neben veränderten und modernisierten Standards im Bereich von elektrisch wie auch elektronisch gesteuerten Orgelsystemen berücksichtigt die neue Ausbildungsordnung auch den Einzug von computergesteuerten (CNC-)Werkzeugmaschinen in Teilbereichen der Produktion. Neu sind auch Inhalte zur Qualitätssicherung und zur Kundenorientierung. Die bisherige Berufsbezeichnung „Orgel- und Harmoniumbauer/-in“ wurde geändert, da es keinen Neubau von Harmonien mehr gibt. Deren Reparatur wird aber weiterhin in der Ausbildung berücksichtigt.

Die neue Ausbildungsordnung unterscheidet weiterhin zwei Fachrichtungen: Orgelbau und Pfeifenbau. In der Fachrichtung Orgelbau steht der Bau von Gehäuseteilen und Spieltischen, das Anfertigen von Teilen für die Traktur, also das Übertragungssystem beim Spielen der Klaviatur und Zuschalten der Register, sowie das Montieren von Orgeln am Aufstellungsplatz im Vordergrund. In der Fachrichtung Pfeifenbau werden unter anderem Metallplatten für die Pfeifen hergestellt, daraus die verschiedenen Arten von Orgelpfeifen angefertigt sowie repariert.

Um Orgelbauer*in zu werden, muss man das Instrument nicht selbst spielen können. Neben der Freude für den Beruf sind vor allem ein musikalisches Gehör und handwerkliche Fähigkeiten von Vorteil. Wer sich später zum/zur Intonateur*in spezialisieren will, sollte jedoch eine Orgel bedienen können.

2018 schlossen 48 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag für den Beruf Orgel- und Harmoniumbauer*in ab; die Übernahmeaussichten für Auszubildende sind gut. Nach der Ausbildung lässt sich eine Weiterqualifizierung zum/zur Orgel- und Harmoniumbaumeister*in anschließen.

Die modernisierte Ausbildungsordnung und der darauf abgestimmte, von der Kulturministerkonferenz für den schulischen Teil der dualen Ausbildung erarbeitete Rahmenlehrplan hat zum 1. August 2019 die bestehende Verordnung aus dem Jahr 1984 abgelöst.