Rat geben? - „das dümmste Handwerk“
Was Goethe und Schopenhauer über das Ratgeben und die Suche nach dem Erfolg niedergeschrieben haben

(hrs) Rat geben – die Welt ist heute voll von Ratgebern. Geht es nach einer Person, die der Dichterfürst Goethe in seinem Roman „Wahlverwandtschaften“ zum Reden brachte, sollte sich jeder Mensch die Aufgabe dreimal gut überlegen: „Das ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann“, ruft Goethes Mittler aus, und fügt hinzu: „Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann. Gerät es gut, so freue er sich seiner Weisheit und seines Glücks.“

Vor 210 Jahren schrieb Johann Wolfgang von Goethe diese Zeilen nieder. Ein Philosoph wie Arthur Schopenhauer, damals in jungen Jahren, ließ sich davon nachdenklich stimmen. Uns ergehe es, sinnierte er vor rund 170 Jahren, im Leben wie dem Wanderer, „vor welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem er sich nähert.“ Der gebürtige Danziger lernte erst den Beruf des Kaufmanns, dann sattelte er zum Philosophen um.

Eine von Goethes Romanfiguren gab zu bedenken, dass jeder Mensch mit anderem Blick auf die Dinge blicken würde: „Die Landleute haben die rechten (praktischen) Kenntnisse; ihre Mitteilungen sind aber konfus (…). Die Studierten aus der Stadt und von den Akademien sind wohl klar und ordentlich, aber es fehlt an der unmittelbaren Einsicht in die Sache.“

Schopenhauer erinnerte an eine Einsicht, die jeder immer mal – auch auf der Suche nach „seinem Beruf“ - macht: „Oft finden wir etwas ganz anderes, ja, besseres, als wir suchten; oft auch das Gesuchte selbst auf einem ganz anderen Wege, als den wir zuerst vergeblich danach eingeschlagen haben.“ Und weiter: „Wie der Wanderer erst, wann er auf einer Höhe angekommen ist, den zurückgelegten Weg, mit all seinen Wendungen und Krümmungen, im Zusammenhange überblickt und erkennt; so erkennen wir erst am Ende einer Periode (…) den wahren Zusammenhang unserer Taten, Leistungen und Werke, die genaue Konsequenz und Verkettung, ja, auch den Wert desselben. (…) Erst der Erfolg zeigt, was dabei herausgekommen ist.“

Im nach hinein, wusste der Mensch schon immer, ist man immer schlauer. Einen Rat für die Zukunft zu geben, ist jedenfalls nicht eine leichte Aufgabe.