Regionale Unterschiede in den Ausbildungsmöglichkeiten
Prognose: Angebot und Nachfrage 2019 in der Lehrlingsausbildung in Österreich

 

"Das duale System der Lehrlingsausbildung ist ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Ausbildungsangebotes. Rund 40% der Jugendlichen eines Jahrganges schlagen diesen Ausbildungsweg ein. Nicht allen jugendlichen Frauen und Männern, die Interesse an einer Lehrstelle haben, gelingt es, einen adäquaten Ausbildungsplatz in einem Betrieb zu finden. Andererseits können nicht alle offenen Lehrstellen mit geeigneten Personen besetzt werden", erklärt Klaus Forstner, MSc, in seinem Vorwort zum Lehrstellenprognose 2019 des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS). Und er sagt weiter: "Die Lücke zwischen dem betrieblichen Angebot an (nachgefragten) Lehrausbildungen und der Nachfrage aufseiten der Jugendlichen wird durch ein Angebot an überbetrieblichen Ausbildungsplätzen geschlossen bzw. verkleinert." 

Ganz ähnlich sieht es in Deutschland aus. Hier wählen 49 Prozent der ausbildungssuchend gemeldeten Schulabgänger eine betriebliche Lehre. Und auch hier gestaltet es sich oft schwierig, Ausbildungsbetriebe und geeignete Bewerber zusammenzubringen.

Der österreichische Analysebericht der Abteilung Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation / ABI des AMS gibt einen Überblick darüber, in welchem Verhältnis Angebot und Nachfrage am Lehrstellenmarkt im Jahr 2019 zueinander stehen und in welchem Ausmaß überbetriebliche Lehrstellen bereitgestellt und besetzt werden:

Junge Frauen und Männer, die sich für eine Lehrausbildung interessieren, sollen im Rahmen ihres regionalen Kontextes eine entsprechende Möglichkeit finden. Diese Möglichkeit sicherzustellen, ist ein zentrales Element der Bildungs-und Arbeitsmarktpolitik. Das AMS hat in Hinblick auf diese Zielsetzung ein Monitoring-und Prognoseverfahren etabliert. Dabei geht es darum zu erfassen, ob sich (insbesondere auch auf Bundesländerebene) erhebliche Ungleichgewichte ergeben; etwaige Lücken in der Möglichkeit zu einer Lehrausbildung werden anhand eines AMS-internen, standardisierten Richtwertes beurteilt. Die Analyse setzt im ersten Schritt mit einer Prognose der Zahl jener jungen Frauen und Männer an, die im Jahr 2019 eine Lehrausbildung aufnehmen bzw. fortsetzen werden; 38.160 von ihnen werden eine Lehrausbildung beginnen; insgesamt werden 103.700 an einer Lehrausbildung teilnehmen (Jahresdurchschnittsbestand). Um einen Lehrplatz zu finden, lassen sich die interessierten jungen Frauen und Männer als "Lehrstellensuchende" beim AMS vormerken; im Jahresdurchschnitt 2019 wird dieser Personenkreis einen Umfang von 6.910 erreichen.

Von jenen Lehrlingen, die bereits eine Ausbildung durchlaufen (103.700 im Jahr 2019), sind rund 92,2% regulär in einem Betrieb platziert; rund 7,8% werden an einer überbetrieblichen Ausbildung teilnehmen, die von der öffentlichen Hand finanziert wird. Von den regulären betrieblichen Lehrstellen werden (im Jahresdurchschnitt 2019) rund 95.620 besetzt und rund 6.340 jahresdurchschnittlich dem AMS als (vorerst noch) offen gemeldet sein.

Das Verhältnis der Zahl der durch Betriebe angebotenen Lehrplätze und der Zahl der an einer Lehrausbildung interessierten jungen Frauen und Männer weist eine hohe regionale Streuung auf. In der Westregion überwiegt die Zahl der angebotenen betrieblichen Lehrplätze jene der an einer Lehrausbildung Interessierten; in der Ostregion ist es gerade umgekehrt.

Dort, wo die Nachfrage durch Ausbildungsinteressierte größer ausfällt als das betriebliche Angebot an Lehrstellen, entsteht eine potentielle Lücke in Hinblick auf Ausbil-dungsmöglichkeiten. Dadurch gewinnt die überbetriebliche Lehre an Bedeutung; ihr Anteil an allen Lehrstellen beträgt in Wien rund 21%, im Burgenland rund 17%; in Salzburg dagegen nur rund 1%, in Oberösterreich rund 6%.

Den ausführlichen Bericht gibt es unter http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMS_Lehrling_2019.pdf