Rettung kann man lernen - Brandenburg zeigt, wie es geht
Projekt "Herzensretter Brandenburg" soll Wiederbelebungskompetenz von Schülerinnen und Schülern stärken

 

Anfang 2018 macht ein Notarzt auf Twitter seinem Unmut Luft: Mann kippt in voller Straßenbahn um. Macht keinen Mucks mehr. Einer wählt 112, immerhin. Bei Ankunft des Rettungsdienstes sind beide Wagen weiterhin vollbesetzt, 50 Menschen gucken neugierig. Keiner hat draufgedrückt. Am Ende ist der Mann tot. Liebe Zuschauer, der geht auf Sie.“

Was der Notarzt mit dieser Erfahrung beklagt, wird auch wissenschaftlich bestätigt: Die Deutsche Herzstiftung macht darauf aufmerksam, daß nur 40% der Zeugen eines Herzversagens in Deutschland auch Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten. „Sie tun dann gar nichts – aus Angst vor Fehlern, aus Ekel oder aus hygienischen Gründen“, berichtet der Notfallmediziner Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Neben der gefühlt komplexen Aufgabe in einer Notfallsituation fehlt medizinischen Laien oftmals auch einfach die nötige Kenntnis – man lernt einmal die „stabile Seitenlage“ für den Führerschein und vergißt danach das meiste wieder. 

Um mehr Leben zu retten hat der Brandenburger Landtag beschlossen, die Wiederbelebungskompetenz von Schülerinnen und Schülern zu stärken. Mit dem beginnenden Schuljahr 2019 wurde „Wiederbelebung“ Teil des regulären Schulunterrichts ab der 7. Klasse. Unter dem Namen „Herzensretter Brandenburg“ soll die Fähigkeit, in Notsituationen erfolgreich Hilfe zu leisten, gestärkt werden. 

Auch die Freiwillige Feuerwehr in Brandenburg wird mit dem Wahlpflichtfach „Feuerwehrausbildung“ weiter gestärkt. Seit 2015 wird die zweijährige Ausbildung zum Truppmann in Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr angeboten. Dieses Jahr kommt eine weitere Schule hinzu und erhält Besuch von Innenminister Karl-Heinz Schröter und Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher. Weitere Bildungseinrichtungen sollen folgen.