In Corona-Zeiten sich selbstständig machen?
Kreditanstalt für Wiederaufbau skeptisch / Mieten für Gewerbemieten auf Talfahrt

(hrs) Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Gründung neuer Unternehmen? Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist skeptisch. Voraussichtlich sinken die Preise und Mieten für Büros deutlich, wie eine neue Hochrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

„Der Ausblick für das Gründungsjahr 2020 war positiv, doch die Corona-Pandemie belastet. Ich erwarte, dass Gründungspläne unter dem Eindruck der aktuell existenzbedrohenden Lage vieler Selbstständiger teilweise verschoben werden“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe Anfang Juli 2020 gegenüber der Presse. Jedoch werde die Krise auch einen die Gründungstätigkeit antreibenden Effekt haben. „Aufgrund von krisenbedingt zunehmender Erwerbslosigkeit dürfte die Zahl so genannter Notgründungen – also Gründungen, die mangels besserer Erwerbsalternativen erfolgen – steigen.“ Welcher Effekt letztlich überwiegen werde, bleibe abzuwarten.

In den monatlichen Fixkosten steckt gerade für junge Unternehmen ein erhebliches Risiko. Im letzten Jahrzehnt stiegen namentlich die Mieten für Gewerberäume sehr erheblich. Die Coronakrise scheint diese Entwicklung umzukehren. Für Frankfurt zum Beispiel wird nach einer aktuellen Pressemitteilung des IW - basierend auf früheren Erfahrungen – ein Rückgang der Büromieten um 16 Prozent prognostiziert. Weil die Arbeitnehmer darauf drängen, mehr im Homeoffice zu arbeiten, könnten die Preise dauerhaft niedrig bleiben. Die Corona-Krise führt wahrscheinlich dazu, dass in Deutschland und Europa die Preise und Mieten für Büros in Toplagen deutlich sinken. 

„Wir rechnen mit einem gravierenden Abschwung auf dem Büromarkt“, erklärt der IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Unter den großen deutschen Städten ist der Effekt besonders stark in Berlin, hier könnten die Büromieten 2020 um ein Fünftel einbrechen, die Kaufpreise sogar um 35 Prozent. In Düsseldorf und München werden die Mieten wahrscheinlich um jeweils gut 15 Prozent sinken. In Stuttgart wird mit 9,5 Prozent der in Deutschland niedrigste Rückgang für die Büromieten erwartet, die Kaufpreise könnten um 28 Prozent zurückgehen.

Den Arbeitnehmern hat das Homeoffice, wie es weiter heißt, während der Corona-Krise offenbar gefallen. Viele drängen darauf, auch künftig vermehrt von zu Hause arbeiten zu dürfen. Dieser Trend dürfte dazu führen, dass die Büromieten und -preise auch dann niedrig bleiben, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt.

Dieser Trend dürfte auch das Aussehen der Büros verändern. Investoren sind zunehmend gefragt, Büros so zu entwerfen, dass sie der neuen Arbeitswelt gerecht werden. „Viele Firmen sehen Büros immer mehr als einen Ort des kreativen Austauschs, weniger als reine Arbeitsstätte“, sagt IW-Experte Voigtländer. Eine andere Architektur, die Kreativität und Austausch fördert, sei gefragt. Büros könnten auch von den Innenstädten in die Vororte verlegt werden, wo Flächen günstiger sind.