Eklat im Bundestag: Frau im Hosenanzug
Rückblick: Vor 50 Jahren

Gleichberechtigung setzt sich trotz Verfassungsauftrag schrittweise durch 

Seit 1949 steht im Grundgesetz in Artikel 3 der Satz: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Doch hat sich diese Verfassungsnorm bis zum heutigen Tag in der Wirklichkeit nicht vollkommen durchgesetzt. Nach wie vor sind Frauen in den Spitzengremien von Politik und Wirtschaft unterrepräsentiert.

Einen Eklat löste die Hannoveraner SPD-Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer im Jahr 1970 aus, als sie als erste Frau in einem modischen Hosenanzug ans Rednerpult des Hohen Hauses trat. Sie erhielt daraufhin auch zahlreiche Schmähbriefe.

Erst seit 1977 dürfen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland ohne Erlaubnis ihres Mannes einer Arbeitsbeschäftigung nachgehen. In dem 1958 vom Bundestag beschlossenen sogenannten "Gleichberechtigungsgesetz" stand das Arbeitsrecht der Frauen unter einem Vorbehalt: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“ Immerhin durften Frauen seit diesem Gesetz ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Führerschein ablegen. Und das gleiche Gesetz sah vor, dass Frauen ab 1962 ohne Einwilligung ihres Mannes ein Bankkonto eröffnen dürfen.

Bis 1992 waren Frauen in der Backstube nur bedingt zugelassen, weil sie laut der damals geltenden Arbeitszeitverordnung zwischen 20 und 6 Uhr nicht arbeiten durften. Bereits seit 97 Jahren gibt es weibliche Polizisten in Deutschland. Doch taten sich damit männliche Kollegen noch lange Zeit schwer. Im Jahr 1954 war in der Zeitschrift "Die hessische Polizei" zu lesen: "Dienstkleidung wird in erster Linie eine Angelegenheit des Mannes bleiben. (...) Ein Versuch, in der Frau eine Kopie des männlichen Polizisten zu schaffen, muß aber unterbleiben ..."

Der Grundsatz "Gleicher Lohn für alle" ist ausdrücklich in einem Gesetz zur Gleichbehandlung im Jahr 1980 niedergeschrieben worden. RS