Rund 20 Prozent weniger eingetragene Ausbildungsverträge
IHK Stuttgart und Erfurt: Die Corona-Krise stört den Berufswahlprozess / Es gibt auch positive Stimmen

Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag zum 30. September 2020 im Bereich der Industrie- und Handelskammer Erfurt um 18 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Die Kammer registrierte 2.565 neu abgeschlossene Verträge. Das sei nicht überraschend, erklärt die IHK Erfurt in einer Pressemitteilung. Der Berufswahl- und Bewerbungsprozess sei bei Unternehmen und Jugendlichen durch die Corona-Krise fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Die Firmen werden bis zum Jahresende noch offene Plätze besetzen, erwartet die Kammer. Dass viele Unternehmen trotz ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation an der Ausbildung festhalten, zeigt nach ihrer Einschätzung den Stellenwert der dualen Ausbildung und macht deutlich, dass die Betriebe Verantwortung für den Fachkräftenachwuchs
übernehmen.

Auch andere IHKn, etwa die IHK Stuttgart, meldeten kürzlich einen erheblichen Rückgang der Ausbildungsverträge – ebenfalls um rund 20 Prozent. „Durch die Corona-Krise sind zahlreiche Unternehmen gezwungen, ihr Ausbildungsengagement zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben“, schätzt die Kammer die Lage ein. IHK-Präsidentin Marjoke Breuning: „Auch wenn wir aufgrund der aktuellen Lage mit einem Rückgang der neuen Ausbildungsverträge gerechnet haben, sehen wir diese Entwicklung mit Sorge, denn wir beobachten auch eine starke Verunsicherung bei den Bewerbern.“

Es gibt positive Ausnahmen: Dieser Tage wurde von der IHK Mittleres Ruhrgebiet gemeldet, dass trotz der Corona-Krise ein ganz leichtes Plus bei den Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden kann.

Die Bundesregierung hat angesichts der Probleme bereits im Sommer 2020 ein Hilfsprogramm für Unternehmen aufgelegt, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind. Die Betriebe können bei der Bundesagentur für Arbeit Anträge auf 2.000-Euro-Prämien für neue Ausbildungsplätze stellen.