Sehnsucht nach Frieden – Bestreben nach Bildung
Dichter Francesco Petrarca: Besser ist es, sich den Frieden zu erhalten als ihn sich zu erhoffen

(hrs) „Wenn ich an die Angelegenheiten und Schicksale der Menschen denke, an die ungewissen und plötzlichen Veränderungen der Dinge, finde ich kaum etwas Zerbrechlicheres und Ruheloseres als das Menschenleben“, schrieb der Dichter Francesco Petrarca (1304-1374) und Mitbegründer des Renaissance-Humanismus in seinem Buch „Heilmittel gegen Glück und Unglück“.

Seine Zeit, rund 700 Jahre zurückliegend, war kaum minder von Unruhe, Krieg und Unglück heimgesucht, als die Gegenwart.

  • Die Kirche wankte als Institution. Die Anhäufung von Reichtum und eine ausufernde Korruption ließ oppositionelle christliche Gruppen entstehen. Neue Lehren stellten dogmatische Glaubenssätze in Frage.
  • Zwischen Ende des 11. und der Mitte des 15. Jahrhunderts richteten sich zahlreiche Kreuzzüge im Namen der Kirche gegen die muslimischen Staaten, gegen die Heiden in Nordosteuropa, vereinzelt auch gegen einzelne politische Gegner. Auch weltliche Akteure zettelten diverse Kriege an.
  • Klimaveränderungen, die Missernten zur Folge hatten, namentlich 1316/17, verursachten ausgedehnte Hungersnöte und Massensterben.
  • Mitte des 14. Jahrhunderts, 1347, wurde Europa von der Pest befallen. Mehr als 20 Millionen Menschen fielen ihr zum Opfer, vermutlich eingeschleppt durch Schiffsbesatzungen aus fremden Ländern. Viele Jahrzehnte lang war der Kontinent mit der Bekämpfung beschäftigt. Ein wirtschaftlicher Schrumpfungsprozess setzte ein, eine „Depression der Renaissance“.

„Ein Tor, wer die sichere Wirklichkeit blasiert verschmäht"

Die Sehnsucht nach Frieden war – wie heute – weit verbreitet. Petrarca gab mit der Stimme der „Vernunft“ zu bedenken: „Besser ist es, sich den Frieden zu erhalten als ihn sich zu erhoffen.“ Im weiteren Dialog mit der „Freude“, die sich den Frieden erhoffte, rief die Vernunft aus: „Ein Tor, wer die sichere Wirklichkeit blasiert verschmäht, ungewisse Hoffnungen aber zärtlich umfängt.“ Auf die erneute Einlassung der Freude: „Frieden erhoffe ich mir“, antwortete die Vernunft: „Hättest du ihn nur inniger festgehalten, ihn gar nicht erst gehen lassen, statt ihn nur zu erhoffen!“

Der gebürtige Toskaner rückte den Menschen in den Mittelpunkt des Weltgeschehens – auf der Basis antiker Quellen. Die Geschichtsschreibung müsse den Menschen ermuntern und ihm Beispiele für sein Handeln geben.

Petrarca mahnte seine Zeitgenossen und die Nachwelt: „Aber gerade die, denen das Wort „Frieden" süß klingt, finden den wirklichen Frieden bitter. Daher stehen die Friedensforderer dem Frieden im Wege. Vier Friedensfeinde wohnen bei euch: die Habgier, der Neid, der Zorn, die Überheblichkeit. Treibt die in die ewige Verbannung, so wird ewiger Friede sein!“ Sehr schlimme Begleiter umzingelten den Frieden, fuhr er fort: „ungerechte Gesetze, lockere Sitten, heimliche Feindschaften, offene Tyrannei.“

Krieg: "Nichts spielt sich da nach Vorplanung ab, unerwartet verläuft alles“

Was schon alle Kriegsherrn erlebt haben, schrieb Petrarca nieder: „Trügerisch ist die Hoffnung auch sonst - am trügerischsten im Krieg. Nichts spielt sich da nach Vorplanung ab, unerwartet verläuft alles.“

Francesco Petrarca regte zum Humanismus an. Im Wikipedia-Lexikon heißt es dazu: „In erster Linie war es eine literarisch ausgerichtete Bildungsbewegung. Die Humanisten traten für eine umfassende Bildungsreform ein, von der sie eine optimale Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten durch die Verbindung von Wissen und Tugend erhofften. Humanistische Bildung sollte den Menschen befähigen, seine wahre Bestimmung zu erkennen und durch Nachahmung klassischer Vorbilder ein ideales Menschentum zu verwirklichen.“ 

Fürchterliche Kriege erlebte und erlebt die Nachwelt dennoch. Petrarca war sich in Anlehnung an Heraklit bewusst: „Alles geschieht gemäß dem Streit“. Aber er forderte den Menschen trotz aller Unbill des Lebens auf, durch Bildung daraus zu lernen: „Und doch müssen wir uns bemühen!“