Selbsteinschätzung stärken
Das vocatium Konzept aus pädagogischer Sicht

Vieles von dem, was die Jugendlichen nicht aus elektronischen und gedruckten Medien, nicht aus Texten, Bildern und Filmen, für ihre Berufswahl wahrnehmen, erschließt sich ihnen aus direkten vorbereiteten Gesprächen auf den nordjob- bzw. vocatium-Messen.

 

Die MitarbeiterInnen des IfT sprechen die Jugendlichen in den Schulen auf das Thema Berufswahl persönlich an. Die Schulbesuche motivieren die jungen Menschen, die Chance des gezielten persönlichen Gesprächs mit Ausbildungs- und Studienberatern auf den Messen zu nutzen. Mit Erfolg: Der Großteil der Schüler meldet sich verbindlich an. Vielfach sind es Gespräche mit Personen, die die Berufe, für die sich die Jugendlichen interessieren, selbst erlernen, studieren oder ausüben.

 

Das vocatium-Konzept ist gemeinsam mit Lehrenden und Ausbildenden erarbeitet worden. Im Unterricht stellen IfT-Mitarbeiter*innen den Schüler*innen die Lernziele der Messen vor. Anspruchsvolle, jedoch auch nicht zu schwierige Ziele, eingebunden in den Kontext der vor ihrer Berufswahl stehenden Jugendlichen, bringen sie weiter.

 

Als Hausaufgabe nehmen sie mit, sich für bis zu vier Gesprächswünsche mit den Ausstellern zu entscheiden. Die Jugendlichen erfahren in der Vorbereitung und beim Besuch der Messen Erfolgserlebnisse, die sie zu erhöhter schulischer Leistung und zu mehr Engagement für ihre Berufswahl anspornen. Sie erwerben Wissen, machen konkrete Erfahrungen und üben ihre Handlungsorientierung. Im Dialog mit den Ausstellern erfahren die Schüler*innen schnell, was sie ggf. noch nicht wissen.

 

Jugendliche „können dann besonders gut dazu motiviert werden, sich mit neuem Wissen und mit neuen Fertigkeiten auseinanderzusetzen, wenn sie die Bedeutung, den subjektiven Nutzen der zu lernenden Inhalte erkennen, und wenn sie mit realistischen Problemen konfrontiert werden. Eine optimale Realisierung dieser Forderung besteht darin, die Lernenden in authentische, lebensnahe Problemsituationen zu versetzen“, erklärt die Psychologin Ruth Rustemeyer in ihrem Buch „Einführung in die Unterrichtspsychologie“. Aufgaben sollen eingeübt werden, die später im Ernstfall gefordert werden.

 

Die Vermittlung der berufsorientierenden Inhalte soll in möglichst vielen verschiedenen Kontexten und Perspektiven erfolgen. Persönlich aufgenommen und erlebt in Workshops, im Unterricht und durch die Messegespräche, gedruckt in den Messehandbüchern, online in PDF-Dateien, zusätzlich in einer digitalen Suchbörse – zum Teil angereichert um Filmclips – sowie spielerisch zu entdecken per Serious Game.

 

Die Schüler sollen die aufgenommen Informationen und Erfahrungen miteinander verbinden können. Die vielfältige Reflexion und Übung berufsorientierender Inhalte führt zu einer gelingenden Berufswahl. Dies bestätigen viele wissenschaftliche Studien. Die Messen – aus pädagogischer Sicht außerschulische Lernorte – knüpfen an das berufsorientierende Vorwissen der Lernenden an. Auf und nach den Veranstaltungen reflektieren sie ihre Erfahrungen an ihre Lehrkräfte, an das IfT und an die Aussteller. Diese Rückmeldung ist ein wichtiger Teil des vocatium-Gesamtkonzepts.

 

Die jungen Menschen stärken ihre Selbsteinschätzung. In den Messegesprächen können sie ihre Selbstwirksamkeit erfahren. Der vocatium-Besuch wird von ihnen, wenn sie die Chancen, die ihnen geboten nutzen, als positive Herausforderung empfunden. Besondere Motivation löst die Erfahrung aus: „Endlich habe ich etwas für mich gefunden.“

 

Ob die Messegespräche für Jugendliche und Aussteller wie gewünscht verlaufen, hängt auch von der Vorbereitung der Personen ab, die auf den Ausstellerständen beraten. Das IfT bietet dafür Hilfestellung an. Die Vertreter*innen der Aussteller können namentlich durch anerkennende und motivierende Worte an die jungen Besucher*innen zum Erfolg der Messegespräche beitragen. Anerkennung ist grundlegend für jede Handlungsmotivation. Schüler lernen besser, wenn sie eine unterstützende, motivierende und herausfordernde Umgebung haben. Das gemeinsame Messeerlebnis unterstützt diese pädagogische Forderung.

 

Die Eltern von unter 16jährigen wirken an der Wahl der Messegespräche besonders mit. Das neue Datenschutzrecht gibt den Anstoß zu dieser Verbesserung. Es verlangt, dass die Eltern den Anmeldebogen für die Messegespräche ihrer Kinder unterschreiben. Für die erhobenen Daten gilt wie schon bisher: Diese werden nicht an Unbeteiligte weitergegeben oder zweckentfremdet; sie werden nach den Messen vernichtet.

 

Für ihren berufsorientierenden Unterricht erhalten die Lehrkräfte anspruchsvolle Schulmaterialien (Rundbriefe, Leitfäden und Wanderausstellungen). Die seit 2006 publizierte TALENTE-Zeitschrift hat das Format eines anerkannten Mediums für Bildung und Berufsorientierung. Der Kreis der an den Messen teilnehmenden Schulen vergrößert sich ständig.